Abschied von Sidonie - Erich Hackl
5 Sterne Roman

Abschied von Sidonie – Erich Hackl

Die Handlung

Am 18. August 1933 wird ein Säugling vor dem Krankenhaus in Steyr abgelegt. Das Zigeunermädchen Sidonie hat Glück im Unglück und findet eine liebevolle Familie. Die Familie Breirather nimmt Sidonie bei sich auf und behandelt sie wie ihr eigenes Kind. Doch das Zigeunermädchen wird kritisch beäugt. Der Zweite Weltkrieg nimmt seinen Lauf und viele würden lieber ein rassenreines Steyr sehen. Eine wahre Geschichte!

Meine Meinung

Ich liebe Erich Hackls Schreibstil. Sachlich und ohne Wertung gibt er die Geschehnisse wieder. Hackl sieht sich selbst als Chronist und recherchiert äußerst sorgfältig. Das Schicksal von Sidonie Adlersburg verpackt er in eine fesselende Erzählung. Eine Erzählung, die einem den Atem raubt und sprachlos zurücklässt.

Obwohl ich Hackls Bücher seiner Sachlichkeit liebe und weil er es dem Leser selbst überlässt die Geschehnisse für sich zu bewerten ist „Abschied von Sidonie“ gerade wegen dem letzten Kapitel ein Meisterwerk. Langsam bröckelt die Sachlichkeit des Chronisten und Hackl zeigt wie Sidonies Leben auch hätte ablaufen können. Dazu fasst er auf sechs Seiten noch einmal die Geschichte zusammen. Rührt den Leser zu Tränen und endet mit diesem kleinen Funken Hoffnung in einer ausweglosen Situation.

Abschied von Sidonie - Erich Hackl

„Abschied von Sidonie“ regt zum Nachdenken an. Ein Mädchen, das Teil einer österreichischen Familie geworden ist, voller Lebensfreude steckt und das sich nur aufgrund etwas dünkleren Hautfarbe immer wieder Gehässigkeiten entgegen stellen muss.

Die Familie Breirather begeht ein Werk der Nächstenliebe in einer hasserfüllten Zeit. Hackl zeigt wie wenig nötig gewesen wäre, um Sidonie zu retten. Hätten doch nur mehr Menschen in der Gemeinde ein kleines bisschen Mut und Nächstenliebe bewiesen.

„Was ist zu erwarten. Feigheit, Anschwärzen, vorauseilender Gehorsam.“
Seite 126

Die Geschichte von Sidonie Adlersburg zeugt neben dem tragischen Schicksal des Mädchen von einem mutigen Widerstand. Nicht nur, dass die Familie Breirather das Romamädchen bei sich aufnimmt, zeigt Hackl den Widerstand von Josefa und Hans Breirather den diese unermüdlich dem Regime entgegenstellen.

Fazit

★★★★★

Ein bewegendes Buch zu dem es mir mehr als schwer fällt die richtigen Worte zu finden. Zu viele Gedanken drehen sich im Kreis. Auf 128 Seiten zeigt Erich Hackl ein Schicksal, das niemand mehr loslassen wird. Und wem diese 128 Seiten zu viel zum Lesen sind, der sollte sich zumindest die letzten sechs Seiten zu Gemüte führen. Sechs Seiten, die die Geschichte von Sidonie Adlersburg zusammenfassen und zeigen wie wenig nötig gewesen wäre, um das Mädchen zu retten.

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14 Kommentare

  1. Liebe Sabrina,

    ich habe Gänsehaut beim Lesen deiner Rezi bekommen! Es rührt mich sehr, wenn Menschen sich für andere einsetzen. Ich werde das Buch ganz bestimmt Lesen. Habe es gleich auf meine Wunschliste verschoben. Solche wahren Geschichten dürfen einfach nicht in Vergessenheit geraten! Ist das dein erstes Buch zu #WiderDasVergessen?

    GlG vom monerl

    1. Hallo monerl!

      Vielen Dank für deine schönen Worte. Ich kann dir Erich Hackls Bücher nur empfehlen. Bis jetzt hab ich 3 seiner Bücher gelesen, die alle nach wahren, schrecklichen Schicksalen sind. Nun hab ich mir alles weitere, was er geschrieben hat, bestellt.

      “Abschied von Sidonie“ war mein zweites Buch zur “Wider das Vergessen“ Challenge. Das erste war “Erdbeeren im Sommer“. Ein Chick-Lit Roman mit Zweiter Weltkriegs Geschichten. Zwar fiktiv, aber eines von vielen Schicksalen wie sie so oder so ähnlich geschehen sind. Allerdings werde ich die Rezension dazu erst am Wochenende schreiben können. “Abschied von Sidonie“ brannte mir unter den Nägeln und musste einfach raus.

      Liebe Grüße
      Sabrina

  2. Puh, liebe Sabrina
    das Buch und die Geschichte um Sidonie haben dich schwer beeindruckt so mein Eindruck.
    Gerade diese Schicksale und der Kampf der Angehörigen müssen viel mehr besprochen werden.
    Definitv ein Buch für mich, auch wenn es schwer wird zu lesen. Ich fürchte mich immer ein bisschen vor meinen Emotionen aber das gehört dazu.
    Eine ganz tolle Rezension, lieben Dank dafür
    Herzliche Grüße
    Kerstin

    1. Hallo Kerstin!

      Auch wenn ich mir bewusst bin, dass es derartige Schicksal viel zu oft gibt, ist es immer noch ein Stückchen intensiver wenn es in der Nähe passiert (selbst wenn lange vor meiner Geburt). Ich habe in Steyr studiert und kenne einige der beschriebenen Plätze und Straßen. So eine Geschichte ist dann irgendwie noch viel schlimmer zu viele.
      Liebe Grüße
      Sabrina

      1. Gerade wenn man Orte den Geschehnissen zuordnen kann weil man sie persönlich kennt bekommt das nochmal eine ganz andere Note. Wir haben hier in der Nähe ein ehemaliges Lager in denen Kriegsgefangene interniert waren. Immer wenn ich daran vorbei fahre frage ich mich wie es den Menschen ergangen ist und ob alle heil nach Hause kamen.
        Ich habe mir das Buch übrigens schon bestellt.
        Hab einen guten Wochenstart
        Liebe Grüße

  3. Hallo Sabrina,
    ich „musste“ das Buch damals am Gymnasium lesen und habe so Erich hackel als Schriftsteller für mich entdeckt. Besonders beeindruckt hat mich damals auch sein Besuch bei uns an der Schule und das Gespräch über seine Werke. All seine Bücher sind äusserst genau recherchiert, das macht für mich auch ein Grossteil der Faszination aus.
    Liebe Grüsse, Daniela

    1. Hallo Daniela!

      Da bin ich ja fast etwas neidisch, dass du die Gelegenheit hattest Erich Hackl kennen zu lernen und mit deinen Fragen zu löchern ;)

      Ich liebe ihn auch wegen seiner gründlichen Recherche und seine Gabe Fakten derart fesselnd wiederzugeben. Außerdem gefällt mir, dass er so gut wie nie wertet. Das überlässt er dem Leser selbst.

      Liebe Grüße
      Sabrina

  4. Hallo Sabrina,
    ich kenne leider noch nicht viele Bücher aus dem Diogenes Verlag. Abschied von Sidone klingt nach einem Buch, welches mir gefallen könnte. Es landet also auf meiner WuLi

    Liebe Grüße
    Lilly

    1. Hallo Lilly!

      Seit dem ich Erich Hackl entdeckt habe, stehen einige Bücher des Diogenes Verlags in meinem Regal. Allerdings beschränken sich diese im Moment noch auf Erich Hackl. Wenn ich mit diesen durch bin, werde ich mich erkundigen ob der Diogenes Verlag noch mehr tolle Bücher hat. Mit „Olga“ von Bernhard Schlink beispielsweise liebäugle ich bereits seit einiger Zeit.

      Liebe Grüße
      Sabrina

  5. Hallo Sabrina,
    gibt es wirklich Menschen, die lesen, denen 128 Seiten aber zu viel sind? Dein Fazit hat mich etwas Schmunzeln lassen.
    Ansonsten klingt die Rezension sehr interessant. Ich muss auch zugeben, dass ich vorher noch nichts von Erich Hackl gehört und zu meiner Schande erst an den Rodler gedacht habe.
    Viele Grüße
    Sven

  6. Hallo Sven!

    Bei den 128 Seiten war ich gedanklich bei Schülern, die man vielleicht mit kürzeren Büchern besser zum Lesen animieren könnte. Ich gebe zu, ein Gedankengang, den man nicht so ganz eindeutig herauslesen kann :D
    Mag sein, dass ich mich irre, aber heißt der Rodler nicht Georg „Schorsch“ Hackl?

    Liebe Grüße
    Sabrina

    1. Hi Sabrina,
      ja, der heißt wirklich Schorsch. Ich war aber neulich so im Olympiafieber, dass ich alles andere überlesen habe. ^^
      Liebe Grüße
      Sven

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