Die Frau nebenan - Yewande Omotoso
4 Sterne Roman

Die Frau nebenan – Yewande Omotoso

Hortensia stellte sicher, dass ihre Pumas in Kontakt mit den Ameisen kamen, sie zertrat diese Wesen nicht aus Versehen, sondern gezielt, wie es ihren normalen, beleidigten Selbst entsprach.

Die Handlung:

Hortensia und Marion leben Tür an Tür. Beide haben eine beeindruckende Karriere zurückgelegt. Eine ist schwarz und eine weiße. Die gegenseitig emsig gepflegte Abneigung nährt die Beziehung der beiden alten Damen.

Die Charaktere:

Hortensia wurden in ihrem Leben als schwarze Frau (mit einem weißen Mann) viele Steine in den Weg gelegt. Selbst in Südafrika ist sie die einzig Schwarze in einem Viertel lauter Weißer. Hortensia ist eine wahre Kämpferin und lehnt es strikt ab Schwächen zu zeigen. Dadurch hat sie allerdings auch Schwierigkeiten Menschen zu vertrauen und Nähe zu zulassen.

Marion ist eine ausgiebige Beobachterin. Dabei interessiert sie vor allem das Leben der Nachbarn. Wenn gleich Marions Leben auf den ersten Blick nach einem behütendem, leichtem Reichenleben aussieht, hat sie mit ungeahnten Herausforderungen zu kämpfen.

Einsamkeit:

„Die Frau nebenan“ wird von einer unglaublichen Traurigkeit und Einsamkeit getragen. Nach dem Tod ihrer Männer haben die beiden Frauen niemanden mehr und zerren an ihrer Beziehung der gegenseitigen Abneigung. Yewanda Omotoso zeigt wie Vereinsamung funktioniert. Und dennoch habe ich mich immer wieder gefragt wie es soweit kommen konnte. Schließlich sorgten beide Frauen ihr Leben lang dafür, dass sie nun im Alter alleine.

Die Frau nebenan - Yewande Omotoso

Schreibstil:

Der Schreibstil ist schwer und traurig – beinahe eine Wut auf das Leben und die Ungerechtigkeiten. Dennoch hinterliegt dem Leben der beiden vereinsamten Frauen eine bewusste Entscheidung. Eine bewusste Entscheidung für das Leben in der Einsamkeit und der Resignation. Langsam, viel zu langsam war mir das Buch an manchen Stellen. Zwar zeigt dies die Trostlosigkeit sehr deutlich, führt aber auch zu einem Ansatz von Langeweile.

„So ein Leben dauert einfach zu lange“, bemerkte Marion. Sie tastete nach den Knöpfen an ihrer Manschette. „Dem kann ich nicht widersprechen.“

Fazit:

Hoffnungslosigkeit mit einem kleinen Lichtschimmer. Großes Unverständnis meinerseits wie man sich für ein solches Leben entscheiden kann. Zu viele Freuden und Glücksmomente bietet das Leben jeden Tag. Und dennoch treffen leider viele Menschen eine Entscheidung für ein einsames trostloses Leben.

5 Kommentare

  1. Hallo Sabrina,
    hört sich nach einem sehr interessanten Buch an. Zwei einsame, ältere Damen, die nicht miteinander, aber auch nicht ohneeinander können. Mich hat Deine Rezension neugierig auf das Buch gemacht und ich habe mir den Titel gleich einmal auf meiner Wunschliste notiert.
    Ganz lieben Dank für diesen schönen Buchtipp und liebe Grüße,
    Heike

    1. Hallo Heike!

      Ja, ein interessantes Buch. Aber auch ein sehr beklemmendes. Wie kann es soweit kommen, dass man so vereinsamt. Und vor allem auch erschreckend wie schwer es ist sich zu ändern und auf jemanden einen Schritt zu zumachen. Mich hat das Buch sehr nachdenklich gestimmt – zwar nicht unbedingt im ersten Moment, sondern erst viel später.
      Liebe Grüße
      Sabrina

  2. Hallo Sabrina,
    diese große Einsamkeit die du beschreibst stand für mich beim Lesen gar nicht so sehr im Vordergrund, aber sie ist natürlich unabstreitbar da. Allerdings frage ich mich, inwieweit die beiden sich das so ausgesucht haben? Ich glaube irgendwie dass sie das weniger bewusst gewählt haben, sondern durch ihre jeweiligen Lebenssituationen auch ein bisschen einfach da reingerutscht sind und dann nicht mehr aus ihrer Haut konnten.

    Lg
    Julia

    1. Hallo Julia,

      ausgesucht oder hineingerutscht? Vermutlich eine Mischung aus beiden. Meine Lebensansicht ist allerdings zu selbstbestimmt. Jeder Mensch entscheidet selbt ob er glücklich, einsam oder was auch immer ist. Insofern bin ich der Ansicht, dass es auch die beiden sich ausgesucht haben einsam zu sein. Schließlich gab es mehr als genug Gelgeneheiten, dass sie Menschen freundschaftlich an sich ran lassen. Doch das haben Sie immer wieder abgewehrt. Selbst jetzt im hohen Alter wird auch immer wieder davon gesprochen wie die beiden Dinge tun, um die andere nicht sehen zu müssen und ihr bewusst aus dem Weg zu gehen. Dieses „Ich warte bis ich den Nachbar z.B. nicht mehr im Flur höre bevor ich meine Wohnung verlasse“, das viele vielleicht kenenn, ist eine bewusste Entscheidung.

      Lg
      Sabrina

  3. Das Cover ist ja schon mal mehr als fein anzusehen und deine Rezension macht neugierig auf die Geschichte! Ich werde mir den Titel mal merken,, „schwer & traurig“, mag ich persönlich – so abstrus das nun klingen mag – gerne lesen.

    Danke dir für den Buchtipp (=

    So langsam kann man ja nun auch Gute Nacht schreiben 😉
    Janna

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