Don Quijote in Haag
Querbeet

Don Quijote in Haag

Die Welt ist ihm zu klein. Don Quijote strebt nach Höherem und lässt sich von den engen Grenzen des Denkens nicht einschließen. Diese Einschränkungen, das Gefangenfühlen in einer Welt mit zu engen Grenzen wird auch durch das Bühnenbild visualisiert. Die Bühne ist ein schmaler Gang mit etwa 1,5 bis 2 Meter Tiefe. Dieses Stilmittel führt jedoch leider dazu, dass man schon in der achten Reihe Schwierigkeiten hat etwas zu sehen. Normalerweise spielen die Schauspieler wesentlich weiter hinten, was auch für eine gute Sicht in den hinteren Reihen förderlich ist.

Die Bühne überrascht zu Ende der ersten Hälfte, als plötzlich die Wände nach hinten kippen, der Blick auf eine geheimnisvolle Hölle freigelegt wird und die Grenzen des Denkens langsam einstürzen.

Don Quijote in Haag

 

Bücherliebhaber wie ich werden angstvoll auf die Bühne blicken, wenn Dorothea die Bücher ihres Herren verbrennen möchte. Haufenweise werden Bücher auf die Bühne geschleppt und gestapelt nur um Don Quijote in seinem Wahn als Gegner zu dienen. Doch ist es eigentlich viel mehr eine Liebeserklärung an die Bücher, die uns in fremde Welten entführen und unseren Horizont erweitern.

Die Inszenierung von Nicolaus Hagg ist eine sehr moderne. Don Quijote wird mit viel Humor aufgeführt und bietet alles für einen vergnüglichen Theaterabend. Besonders gut hat mir die Darbietung von Thomas Mraz als Sancho Panza gefallen. Ich mag den Schauspieler vor allem wegen seiner Rolle als Polizei Jörg Pudschedl in der genialen Serie „Die Vorstadtweiber“. Aber auch als Neffe in „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ überzeugte er mich.

Don Quijote © Ingo Pertramer
Don Quijote © Ingo Pertramer

Die musikalische Live-Begeleitung ist gekonnt in das Stück integriert und gibt ihm so richtig Pep. Auch Geräusche werden live von den Musikern produziert. Beispielsweise lauschen die Schauspieler den Atemgeräuschen von Don Quijote. Das Atmen wird mithilfe einer Querflöte in die der Musiker langsam hineinbläst erzeugt.

Eine moderne sehr schöne Inszenierung von Don Quijote. Tolle Schauspieler und Musiker sowie ein interessantes Bühnenbild sind die Zutaten für einen schönen Theaterabend. Leider wird durch die schmale Bühne in der ersten Hälfte des Stücks die Sicht von den mittleren bis hinteren Plätzen stark eingegrenzt. Schade, da die stetigen Versuche an den Köpfen vorbei den ein oder anderen Blick zu erhaschen der freudigen Atmosphäre einen kräftigen Dämpfer versetzen.

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