Ein ganzes halbes Jahr - Jojo Moyes
5 Sterne Chick-Lit & Liebesromane

Ein ganzes halbes Jahr – Jojo Moyes

Lange habe ich mich vor „Ein ganzes halbes Jahr“ gedrückt. Das doch recht kitschige, verspielte Cover ließ mich davon ausgehen, dass es sich hier um einen Liebesroman wie bereits hundertmal davor gelesen, handelt. Als ich das Buch am Flohmarkt entdeckte, nahm ich es schließlich doch mit und es zog mich in seinen Bann. „Ein ganzes halbes Jahr“ ist zwar eine Liebesgeschichte, aber eine ganz besondere.
Louisa Clark führt ein ziemlich langweiliges, normales Leben in ihrer Heimatstadt. Sie arbeitet in einem kleinen Cafe, lebt bei ihren Eltern und ist schon lange mit ihrem Freund Patrick zusammen, auch wenn sie ihn eigentlich nicht liebt. Lediglich mit ihrem auffälligen Modegeschmack sticht sie in ihrer Heimatstadt hervor. Und dann ist da Will Traynor der seit einem Unfall Tetraplegiker ist und an den Rollstuhl gefesselt ist. Will weiß, dass dies ein Leben ist, das er nicht führen möchte.

Wie diese beiden über 500 Seiten für Unterhaltungen sorgen können, kann man sich anfänglich schwer vorstellen. Alle Charaktere in dem Buch sind komplex und wirken sehr durchdacht. Sie zeigen Emotionen, Gefühle und unterdrücken diesen eben auch mal. Die zwischenmenschliche Ebene birgt viele Herausforderungen. Für einen Menschen wie Will, der immer auf die Hilfe anderer angewiesen ist, wird der Alltag nicht nur für ihn selbst zur Belastung.

Jojo Moyes zeigt einen intensiven Blick auf den „Behinderten“ Will. Trotz Unfall hat Will einen starken selbstbewussten Charakter. Er ist viel mehr als bloß der Behinderte. Ein hübscher, attraktiver Mann, mit dem man Spaß haben kann, aber auch einfach entspannen kann.

„Es hat Zeiten gegeben – Zeiten, in denen sich meine Ehe als bevölkerungsreicher herausstellte, als ich angenommen hatte -, in denen der Garten meine Zuflucht war.“
Camilla Traynor (Seite 156)

Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive geschrieben. Dadurch bekommt man einen besonders intensiven Einblick in Louisa. Auch die vielen Fragen und im ersten Moment Unverständlichkeiten eines normalen bzw. gesunden Menschen werden so angesprochen. Langsam kommt man Will näher und versteht, dass im Leben nicht immer alles Schwarz-Weiß ist. Selten wechselt Jojo Moyes die Perspektive und berichtet aus der Sichtweise von Wills Eltern oder von Louisas Schwester. So sieht man die unterschiedlichen Empfindungen und Grundsatzdiskussionen, die ein jeder mit sich selbst im Leben führen muss. Hier werden dann auch gekonnt Dinge angesprochen, die man niemals laut sagen würde.

Fazit:
Ein intensives Buch, das gehörig auf die Tränendrüse drückt. Spannende Einblick in das Leben und die Herausforderungen mit einem Rollstuhl. Und am Ende bleibt die Frage wer über Leben und Tod entscheiden darf?

 

Wie hat euch „Ein ganzes halbes Jahr “ gefallen? Habt ihr den Film schon gesehen?

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