Hinrichtung - Werner Stanzl
3 Sterne

Hinrichtung – Werner Stanzl

Auch wenn ich mich freue, dass Dank unserer deutschen Nachbarn so viele Bücher in deutscher Sprache erscheinen und übersetzt werden, ist es für mich doch immer wieder etwas Besonders, ein Buch von einem gebürtigen (Nieder-)Österreicher zu lesen. „Hinrichtung“ von Werner Stanzl ist in der österreichischen Verlagsgruppe Styria erschienen.

Werner Stanzl konnte sich als Dokumentarfilmer für ORD, ZDF und BBC einen Namen machen. Seit 1995 ist er als freier Journalist und Schriftsteller tätig. So findet man beispielsweise in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen, Gastkommentare in der Tageszeitung „Wiener Zeitung“ von ihm. „Das Mittagsland, ein Traum, ein Muss“ oder „Die Komik der Ohnmacht“ sind nur zwei Beispiele, die zeigen, dass die Thematik seines Debütromans Werner Stanzl sehr viel intensiver als nur zu Recherchezwecken beschäftigt.

„Hinrichtung“ ist Werner Stanzls erster Krimi. In Cromons wird die Stadt Zeuge einer groß inszenierten Steinigung. Rasch springen die Medien auf den Zug auf und es ist von einem islamischen Dschihadisten die Rede. Doch bei einem Toten soll es nicht bleiben. Der bevorstehende Papstbesuch setzt Comissaro Bruno Vossi nur noch mehr unter Druck.

„War es nicht bis vor wenigen Jahren bei ihm zu Hause im italienischen Süden Brauch gewesen, dass der gehörnte Ehemann seinem Rivalen den Garaus machte? Aber da war man zivilisiert, man nahm dazu ein Messer.“
Werner Stanzl

Stanzl beschreibt auf eindrucksvolle Weise die Schönheit von Italien. Ganz nebenbei bekommt der Leser eine kleine Auffrischung seiner Geschichtskenntnisse. Die alljährlichen Feierlichkeiten am 18. August in Cormons zum Geburtstag von Kaiser Franz Joseph werden auf derart eindringliche Weise beschrieben, dass in mir der Wunsch dieses Fest zu besuchen wachgerufen wurde. Die vielen italienischen Ausdrücke machen es leicht sich nach Italien versetzt zu fühlen. Dennoch fiel es mir gerade Aufgrund dieser vielen italienischen Ausdrücke, Namen und Standesbezeichnungen nicht immer einfach der Geschichte zu folgen.

Comissaro Vossi, sein Team rund um Roberto und Rita, sowie seine Frau Jelena sind eine sympathische Truppe. Dass es Situationen gibt in denen Vossi keinen Bissen, der von Jelena zubereiteten Köstlichkeiten hinunterbringt, kann ich hingegen nicht nachvollziehen. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir auch etwas mehr Einblick in die Gefühlswelt und die Vergangenheit der Protagonisten gewünscht, um eine tiefere Verbindung aufzubauen.

Zitate sowohl aus dem Koran als auch aus der Bibel zeigen, wie brutal und radikal einzelne Textpassagen sind. Interessant wäre nachzulesen ob diese Textstücke nur aus dem Zusammenhang gerissen sind oder auch wirklich eine derart radikale Auslegung zu lassen.

Fazit:
Ein spannender Roman vor religiösem Hintergrund, der sicherlich zum Nachdenken anregt. Werner Stanzls Debütroman kommt ohne allzu viel Brutalität aus und besticht durch Landschaft und Ermittlungsarbeit. Dennoch befürchte ich, dass mir abgesehen von den brennenden Fragen der Religionen und wie ein Miteinander sinnvoll funktionieren kann, nicht viel von dem Roman und seinen Charakteren in Erinnerung bleiben wird.

4 Kommentare

  1. Ich habe das Buch vor Wochen gelesen und sehe jetzt zufällig diesen Kommentar dazu. Ich fand das Buch ganz toll. Ein wenig anspruchsvoll für einen Krimi aber warum nicht, gerade bei einem Krimi. Mir blieb der ermittelnde Kommissar, den Namen habe ich inzwischen vergessen, vom Typ her stark in Erinnerung. Vielleicht muss man wie ich Österreicher sein, um sich so richtig voll in ihn hineinleben zu können. Ich habe ihn als stillen Erzähler in Erinnerung, dessen Kommissar und Assistenten Verbrechen richtig betroffen macht. Es tut gut, das zu spüren. Ich habe irgendwo aufgeschnappt, dass der Autor Stanzl wieder zugeschlagen hat. „Hintermänner“ sein neues Werk. Ich habe es mir schon schicken lassen und bin ehrlich gespannt, ob er sein hohes Niveau halten kann.

    1. Ja, leider machen es sich Menschen immer wieder zu Nutze Dinge völlig aus dem Zusammenhang gerissen darzustellen. Natürlich möchte ich das Werner Stanzl nicht unterstellen. Dennoch ist gerade bei Büchern wie dem Koran und der Bibel viel Auslegungssache und ich finde es schwer aufgrund kurzer Textpassagen Schlüsse zu ziehen.

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