Bücher hängen von der Decke
Reisen und Ausflüge

Schallaburg – Einseitige Islam-Ausstellung

„Islam“ ist heuer das Thema der Ausstellung auf der Schallaburg. Die Ausstellung ist sehr schwach und einseitig. Die negativen Seiten des Islams beziehungsweise generell einer Religion werden völlig ausgespart. Egal mit welcher Religion sich eine Ausstellung beschäftigt, denke ich, dass auch die Kriege und Kämpfe unter dem Deckmantel der Religion beleuchtet werden sollten. So muss in einer Ausstellung zum Islam unbedingt der IS berücksichtigt werden. Genauso wie eine Ausstellung zum Christentum auch unbedingt die Verbrechen/Missionen beispielsweise in Südamerika beleuchten sollte.

Islam Ausstellung auf der Schallaburg

Der erste Raum beschäftigt sich mit dem Koran und dessen Interpretationen. Die unterschiedlichen Übersetzungen legen den Koran immer etwas anders aus. Die Informationsdichte in diesem Raum ist im Vergleich mit den folgenden erschreckend hoch. Zu jedem Übersetzer ins Deutsche gibt es Hintergrundinfos. Leider ist das Licht in dem Raum sehr schlecht. Es liegen diverse Versionen vom Koran auf. Doch mit dem wenigen Licht ist es leider sehr schwierig die kleine Schrift zu lesen.

Im zweiten Raum hängen viele Bücher von der Decke. Alles Bücher, die sich auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Islam oder dem Leben im Orient beschäftigen. Wer gründlich sucht findet hier den einzigen Hinweis auf die islamischen Kriege im Namen Gottes. Auch hier gibt es leider wieder sehr wenig Licht (vielleicht ein technisches Problem?). Einige der Bücher hängen so hoch, dass es unmöglich ist hinein zu schmökern. Grundsätzlich eine schöne Idee, die Umsetzung könnte optimiert werden.

Bücher hängen von der Decke

Und nun starten die Belanglosigkeiten. Klingelschilder, die verdeutlichen, dass man am Namen die Herkunft erahnen kann. Mit den vorgestellten Besonderheiten des Islams wird eine Distanz zu den Muslimen geschaffen, anstatt eine Gemeinschaft zu fördern. Eine dieser „Besonderheiten“ ist, dass man ältere Menschen mit Respekt behandeln sollte. Auch wenn der Respekt heutzutage oftmals zu wünschen übrig lässt, eine „Besonderheit“ die eine Selbstverständlichkeit im täglichen Miteinander sein sollte und keine religiöse Eigenheit. Und schließlich sagt ja auch die Bibel „Du sollst Vater und Mutter ehren“.

Islam - Schallaburg

An vielen Stellen hatte ich das Gefühl, dass die „Islam“ Ausstellung für Kinder bis 10 Jahren gemacht wurde. Die Aufbereitung der Informationen, aber auch das Niveau und die Oberflächlichkeiten dieser, sorgte dafür dass ich kaum Neues lernte. Jeder, der schon einmal in einem islamischen Land als Tourist unterwegs war, wird schnell merken, dass die Schallaburg lediglich einen sehr subjektiven Tunnelblick auf den Islam wirft.

Schallaburg Innenhof mit Café

Immer wieder wird dazu aufgerufen „Bitte nicht in eine Schublade stecken“ und dennoch, empfinde ich die Ausstellung gerade als das. Den Versuch eine passende Schublade für den Islam und die Muslime zu finden. Ein Podest auf dem ein Spielzeug-Döner ausgestellt ist, hilft dem Besucher die richtige Schublade zu finden und sich in seinen Klischees bestätigt zu fühlen.

Schallaburg Garten

Die Schallaburg an sich beeindruckt mit einer schönen Architektur. Ein Café im Innenhof und ein weitläufiger Garten laden zum Verweilen ein. Schade finde ich, dass man selbst um das Café zu besuchen bereits Eintritt zahlen muss. Dies wurde im Schloss Pöggstall, wo aktuell die Niederösterreichische Landesausstellung stattfindet, wesentlich besser gelöst. Dort ist ein Besuch des Restaurants für jeden möglich ohne dafür Eintritt zu zahlen. Lediglich für die Ausstellungsräumlichkeiten muss eine Eintrittskarte vorgewiesen werden. Dies nutzt die historischen Gemäuer wesentlich besser.

Eine Besuch der Schallaburg ist in der Niederösterreich Card inkludiert. Mit der Eintrittskarte von der Niederösterreichischen Landesausstellung in Pöggstall gibt es ein vergünstigtes Ticket für die Schallaburg.

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5 Kommentare

  1. Vielen Dank für dieses ausführliche und ehrliche Feedback zur Ausstellung „ISLAM in Österreich – eine Kulturgeschichte“ auf der Schallaburg. Wir nehmen konstruktive Kritik sehr ernst und finden es spannend und bereichernd, mit unseren Besucherinnen und Besuchern in Kontakt und Dialog zu treten!

    In der Ausstellung konzentrieren wir uns auf den Islam in Österreich und seine Bedeutung für in Österreich lebende Muslima und Muslime. Unter dieser Themensetzung und aufgrund des Fakts, dass wir „den“ Islam in seiner Gesamtheit gar nicht darstellen könnten (allein schon, weil es den „einen“ Islam ja gar nicht gibt), hat sich unser Kuratorinnen-Team in mehrjähriger Vorbereitung intensiv damit auseinandergesetzt, wie die Ausstellung aufgebaut und gestaltet wird. Entstanden sind acht Kapitel mit jeweils einem Themenschwerpunkt (nachzulesen hier: http://bit.ly/2nMnVI6). Eines davon ist das Kapitel „bedroht“, in dem unter anderem auf Radikalisierung und auch Islamisierung eingegangen wird.

    Es ist uns wichtig, in der Ausstellung niederschwellig zu bleiben, trotz der zahlreichen komplexen Themen. Immerhin soll die Schallaburg Ausstellungen für die ganze Familie bieten. Viele Österreicherinnen und Österreicher haben kein umfangreiches Wissen über die islamische Religion und ihre zahlreichen Facetten. Uns war es wichtig eine Basis zu schaffen, mit der sie vielleicht auch im ihrem Alltag Anknüpfungspunkte finden.

    Die erwähnten „Belanglosigkeiten“ im Bereich „bewohnt“ sollen auf spielerische Art für Besucherinnen und Besucher aller Altersgruppen eine Begegnung mit den Nachbarn darstellen – um so zu zeigen, dass vor allem in Ballungsräumen der Islam in Österreich ein Teil des Alltags für viele Menschen ist. Zudem wollen wir zeigen, dass kulturelle Eigenschaften und Unterschiede oft zu Rollenbildern führen, in denen man sich selbst nur bedingt wiederfinden will. Diese Räume rufen also zu Neugier, Offenheit und Begegnung mit dem Fremden auf – aus unserer Sicht ein besonders wichtiges Thema.

    Der Respekt vor Älteren sollte natürlich für alle gelten: Doch heben wir dieses Element in der Ausstellung nicht etwas als Unterschied hervor, sondern ganz im Gegenteil als menschlichen Wert, der vielen Menschen, unabhängig von Religion oder Hautfarbe, genauso wichtig ist und uns somit alle verbindet.

    Eine Vertiefung in die Ausstellung bieten zahlreiche Objekt- und Raumtexte sowie die Publikation zur Ausstellung – der „Spielzeug-Döner“ zum Beispiel dient hier als kurioser Einstieg in die Geschichte der Vermischung von östlichen und westlichen Geschmäckern. Apropos Schubladen: Natürlich wissen wir, dass Schubladen das Leben einfacher machen. Und auch, dass vielen Menschen (egal, ob muslimisch oder nicht) dadurch Ungerechtigkeit widerfährt. Deswegen hat sich unser Kuratorinnen-Team intensiv damit auseinandergesetzt und versucht, möglichst viele Blickwinkel auf den Islam in Österreich einzufangen, auch mit Hilfe aus verschiedenen muslimischen Communities. Unserer Meinung nach ist mit dieser Ausstellung ein sehr vielfältiges Bild entstanden.

    Liebe Grüße,
    das Team der Schallaburg

    1. Hallo!

      Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Eine informative Ausstellung gleichermaßen für Jung und Alt zu machen, ist eine große Herausforderung. Dann noch zu einem so heiß diskutierten Thema wie dem Islam zeugt von Mut, den ich großartig finde. Das unterschiedliche Vorwissen der Besucher ist eine weitere Herausforderung.

      Durch meine Iranreise vor einigen Monaten während dem Ramadan konnte ich faszinierende kulturelle Einblicke gewinnen. Vor allem die Moschee als kühler Rückzugsort zum Entspannen und auch Tratschen war für mich ein interessantes Erlebnis.

      Diese Erlebnisse haben mich die Ausstellung aus einem etwas anderem Blickwinkel sehen lassen.

      Ich bin schon gespannt mit welchem Thema die Schallaburg nächstes Jahr aufwarten wird.

      Liebe Grüße
      Sabrina

  2. Ab 17. März zeigen wir die Ausstellung „Byzanz & der Westen – 1000 vergessene Jahre“ über eine faszinierende Geschichte, die Europa bis heute prägt, aber lang in Vergessenheit geraten war. Es bleibt also spannend 🙂

  3. ich kann den bericht gut nachvollziehen. es ist auch 1 offenes geheimnis dass 1 mitarbeiter der ausstellung der akp nahesteht und im internet anti-erdogan-kommentare wütend erwiderte. werde mir die ausstellung trotzdem noch anschauen vor ende.

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