Stadion Respekt
Querbeet

Warum ich mich schäme gerne ins Fußballstadion zu gehen

Seine Mannschaft mit vielen Gleichgesinnten anzufeuern ist ein wunderbares Gefühl. Die großartigen Choreografien, die sich die Ultras ausdenken sind ein Erlebnis. Mit vielen Menschen dort zu stehen und einen kleinen bunten Zettel in die Höhe zu halten verursacht ein freudiges Kribbeln. Die Kunstwerke, die daraus entstehen wenn man sich die Tribüne aus etwas Entfernung ansieht, sind gigantisch. Dabei können diese Kunstwerke nur entstehen, wenn die Masse zusammenarbeitet, jeder einen positiven Beitrag leistet und so gemeinsam etwas großartiges geschaffen wird.

Die Anfeuerungsrufe sind größtenteils einfach zum Mitsingen und helfen beim Abschalten. Im Stadion zu stehen und lauthals “schalalalalala“ zu singen hilft dabei den Kopf einmal völlig leer zu bekommen. Selbst Wut und Ärger lassen sich mit lautem Schreien bzw. Mitsingen abbauen. Dabei geschieht dies in einer absolut positiven Form und sorgt im Idealfall sogar dafür, dass die richtige Mannschaft nach 90 Minuten siegreich vom Platz geht.

SK Rapid Choreo im Halbfinale
Cup Halbfinale SK Rapid gegen LASK Linz – Die geniale Choreographie des Block Wests – Foto zur Verfügung gestellt von sportpictures.at

Nach all diesen positiven Aspekten nun zu den negativen Seiten. Den Seiten des Fan-Daseins, die dafür sorgen, dass ich mich schäme ein Teil davon zu sein. Es ist schlichtweg der fehlende Respekt. Das Ausbuhen der gegnerischen Mannschaft sorgt für negative Spannung und lässt bereits vor Anpfiff den fehlenden Respekt und Aggressionen deutlich spüren. Anstatt die aufgestaute Energie und die vorhandene Kraft in positive Energie umzuwandeln und seine Mannschaft beim Siegen zu unterstützen, wird diese Kraft in negative Energie umgewandelt und der Gegner ausgebuht. Dabei bleibt es nie bei Buhrufen. Beschimpfungen auf tiefstem Niveau stehen dabei an der Tagesordnung.

Aber es ist auch ein herangezüchtetes Phänomen ausgehend von verweichlichten bzw. unfairen Spielern. Schwalben inklusive lauter Schmerzensschreie, die man bereits als Jugendspieler lernt bevor man weiß wie man richtig auf den Ball tritt, führen dazu, dass niemand mehr sich vor Schmerzen windende, am Boden liegende Spieler ernst nimmt. Siehe dazu die Kindergeschichte von Peter und dem Wolf. Schwalbe hin oder her. Einen am Boden liegenden Spieler mit „Aufstehen *beliebiger Verein* Schwein“-rufen zu würdigen ist unter aller Sau und führt dazu, dass ich mich schäme im Stadion zu stehen.

Fußballfahnen
Cup Viertelfinale SKN St. Pölten gegen SK Rapid

Versteht mich nicht falsch: ich liebe die Schlachtgesänge und bin selbst ein Anhänger der Pyroshows. Doch warum kann das nicht mit Respekt geschehen? Wo kommt all der Hass her? Warum muss der Gegner ausgebuht und beschimpft werden? Warum können sich die Fans nicht auf die positiven Aspekte fokussieren und mit gegenseitigem Respekt das Spiel zu einem Fußballfest machen?

Last but not least sollte sich der Fußball ein Beispiel am American Football nehmen. Großartige Aktionen des Gegners werden mit anerkennendem, wenn auch etwas zurückhaltendem Applaus gewürdigt. Liegt ein Spieler verletzt am Spielfeld (egal von welchem Team) wird so lange aufmunternd geklatscht bis der Spieler schließlich das Spielfeld (hoffentlich auf eigenen Füßen) verlässt. Alle sind erleichtert, dass nichts Gravierendes passiert ist. Nicht mal dem schlimmsten Feind wünscht man ernsthafte Verletzungen. Allerdings bleiben die Spieler auch nur bei wirklichen Schmerzen am Feld liegen oder wenn nach einem kräftigen Tackle die Luft wegbleibt.

Ja selbst die Entscheidungen der Schiedsrichter werden im American Football nicht ausgebuht und noch nie habe ich es erlebt, dass ein Schiedsrichter beschimpft wurde. Disziplin und gegenseitiger Respekt sind im American Football oberstes Gebot. Vielleicht wird dieses positive Verhältnis zwischen Spieler und Referees auch durch die Einstellung der Schiedsrichter verstärkt, die  sich schon mal bei einer Fehlentscheidung bei dem betreffenden Spieler entschuldigen.

Pyroshow
Cup Viertelfinale SKN St. Pölten gegen SK Rapid

Am Ende schwebt ein dunkler Schatten über einem großartigen Stadiontag (mit tollem Sieg). Tiefste Beschimpfungen und Beleidigungen zeugen von fehlendem Respekt und sorgen dafür, dass ich mich schäme als Teil dieser Meute im Stadion gestanden zu haben. Ich frage mich wieso diese Energie nicht in positive Anfeuerung der eigenen Mannschaft investiert werden kann und stattdessen in Hasstriaden und unverständlicher Aggression verpufft. Dann am Ende eint, egal ob Fan der Auswärtsmannschaft oder Heimmannschaft, doch alle die Liebe zum Fußball. Die Freude des Gefühls als Fan seine Mannschaft zum Sieg Klatschen zu können.

Schließlich kommt es nicht ungefähr, dass Rapid immer wieder den Siegestreffer in der Rapid-Viertelstunde erzielt. So wie es Thomas Murg beim Cup-Halbfinale gegen den Lask zeigte. Die positiven Anfeuerungsrufe wurden in der 75 Minute lauter und Murg sorgte für das so wichtige Tor in der 76 Minute. Auch ein Gegentor in der Nachspielzeit ließ die Fans nach kurzer Schockstarre nicht den Mut verlieren. Lauthals wurde die Mannschaft zum Sieg begleitet und das Tor von Joelinton sollte noch in der Nachspielzeit den Finaleinzug besiegeln. Die vorhandene Kraft in positive Energie zu verwandeln und gegenseitiger Respekt verhelfen nicht nur der richtigen Mannschaft zum Sieg, sondern lassen wahre Fußballfeste entstehen, die allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben.

Ich freue mich über deine Kommentare, Gedanken und Anregungen in den Kommentaren? Gehst du gerne ins Stadion? Wie wichtig ist Respekt für dich?

 

 

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