Prater - Lukas Pellmann
4 Sterne Thriller & Krimi

Prater – Lukas Pellmann

Die Handlung

Wien 2028 – Eine Trinkwasserkatastrophe im Jahr 2022 hat das politische Gefüge in Wien komplett herumgedreht. Die Menschen flüchten in die Bezirke über der Donau (Leopoldstadt und Birgittenau). Doch die anderen Bezirke weigerten sich Flüchtlinge aufzunehmen und die Stimmung kippte.

Wien ist nun eine Ansammlung von losen Stadtstaaten. Leopoldstadt ist Geschichte. Stattdessen gibt es nun den autoritär regierten Prater. Die Führung geht rigoros gegen geflüchtete Danubier vor.

In diese Zeit soll Valerie Kepler nun ihr zweites Kind gebären. Als gebürtige Danubierin sieht Valerie trotz ihres einflussreichen Ehemanns keine Zukunft im Prater für sich. Jan Kepler leitet die Abteilung für direkte Wahrheit und will nichts von den Spinnereien seiner Frau hören.

Meine Meinung

Die Handlung diese dystopischen Heimatromans klingt verrückt. Mit der Trinkwasserkatastrophe hat Lukas Pellmann jedoch ein Szenario erschaffen, dass hervorragend geeignet ist, um sich auf die Probleme danach zu konzentrieren. So wird kein Schuldiger gesucht, der diese Katastrophe zu verantworten hat. Die Lage ist dramatisch und in dieses Szenario werden wir als Leser direkt geworfen.

Dass sich der gesamte Roman in Wien abspielt und somit Wiener gegen Wiener „kämpfen“, fügt dem Ganzen eine besonders beklemmende Komponente hinzu. Lukas Pellmann hat als Schauplatz der Geschichte Leopoldstadt gewählt. Leopoldstadt ist heute im Jahr 2018 als ein Bezirk bekannt, in dem unterschiedliche Nationen friedlich miteinander leben und Integration gut funktioniert. So gibt es in „Prater“ viele Protagonisten mit ausländisch klingenden Namen. Die Trinkerwasserkatastrophe hat ihnen ein als Einwohner des Praters eine neue Identität gegeben. Wie heißt es so schön „Nichts schweißt mehr zusammen als ein gemeinsamer Feind“. Mit den Danubiern ist dieser Feind gefunden. Unabhängig von ihren Wurzeln halten die Bewohner des Praters zusammen.

Prater - Lukas Pellmann

Als Leiter der Abteilung für direkte Wahrheit ist Jan Kepler für die Kommunikation und die Bespielung der Medien verantwortlich. In einem autoritären Stadtstaat gehört die eigene Meinung und die Pressfreiheit der Vergangenheit an. Da bei scheuen die Mitarbeiter der Abteilung für direkte Wahrheit vor nichts zurück. Unliebsame Nebenbuhler werden schnell für einen größeren Zweck geopfert.

Man sieht nur allzu deutlich welche mächtige Waffe Angst ist. Gezielt werden Meldung gestreut, um die Angst in der Bevölkerung zu schüren. Denn nichts macht so gefügsam und blind für die tatsächliche Wahrheit als Angst. Es ist schlicht erschreckend zu sehen, wie man mit derartigen Mitteln beeinflussen kann. Nimmt man dann eine aktuelle Tageszeitung in die Hand, die an diversen Bahnhöfen zur freien Entnahmen aufliegen und liest eine der Schlagzeilen möchte man laut aufschreien. Die Parallelen sind furchteinflößend. Und schnell stellt man fest, dass bereits heute in unserer Demokratie die Angst und Panikmache missbraucht wird, um gewisse Ziele zu erreichen.

Blind verfolgen Jan und seine Mitarbeiter die Ziele des Obersten, wie sich der Anführer des Praters nennt. Zu Gesicht bekommen hat ihn noch niemand. Aus Angst vor Attentaten muss sich der Oberste in einem Punker verstecken. Für seine Auftritte wird er über einen Fernseher oder gerne auch mal eine Leinwand hinzugeschalten.

John, einer der Mitarbeiter der Abteilung für direkte Wahrheit, unterbricht den Lesefluss immer wieder mit seinen extrem rassistischen Aussagen. Zusätzlich sind diese Aussagen mit einem * gekennzeichnet. Eine Erklärung zu dem * fand ich lange Zeit nicht. Bis ich schließlich im Nachwort fündig wurde. Es ist so haarsträubend, so menschenverachtend. Fast schon möchte man beten, dass sich Lukas Pellmann alles nur ausgedacht hat. Doch am Ende danke ich für seinen Mut. Alle mit * gekennzeichnete Aussagen von John sind Originalzitat von Usern auf den Facebook der FPÖ oder AfD. Fuck! Was läuft mit unserer Welt nur verkehrt!

Fazit

★★★★☆

Schweren Herzens muss ich am Ende einen Stern abziehen. Ich bin mir sicher, dass „Prater“  eines der wichtigsten Bücher ist, dass in diesem Jahr in Österreich geschrieben wurde. Ja, ich möchte sogar hoffen, dass die Damen und Herren des Österreichischen Buchpreises auf diesen Titel aufmerksam gemacht werden.

Dennoch weiß ich, dass Lukas Pellmann keine Gefälligkeitsrezension will. Im Mittelpunkt droht sich die Geschichte im Kreis zu drehen. Sie gerät ins Stocken und leichte Sorgenfalten zeichnen sich auf meiner Stirn ab. Wird Lukas Pellmann das Ruder noch herumreißen? Nun es klingt ihm ganz fantastisch, so viel sei verraten. Und ich bin noch immer in einem Schockstarre ähnlichen Zustand.

Dennoch schweren Herzens 4 von 5 Sternen. Und der Aufruf, lest dieses Buch! Handelt und lasst uns unabhängig von Trinkwasserkatastrophen, die uns heimsuchen werden oder auch nicht, für mehr Menschlichkeit und für ein friedliches Miteinander eintreten.

Lukas Pellmann und der Text/Rahmen Verlag haben mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Wie immer wurde die Rezension davon nicht beeinflusst.

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