Nathan der Weise im Landestheater Niederösterreich
Querbeet

Theater: Liebloser „Nathan der Weise“

Das Schauspielhaus Zürich bringt mit „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing einen Klassiker der Weltliteratur ans Landestheater Niederösterreich in Sankt Pölten. Lessing versucht in dem Stück die Frage nach der einzig wahren Religion zu klären. Doch auch die damit einhergehend unvermeidbare Frage der Toleranz gegenüber anderen Religion wird thematisiert. Wenn gleich das Stück im 12. Jahrhundert zur Zeit der Kreuzzüge spielt, ist die Thematik heute nicht ein Stückchen uninteressanter geschweige denn unaktueller.

Nathan der Weise im Landestheater Niederösterreich

 

Leider wirkt das Ensemble lieblos, abgeklärt und schafft es nicht Gefühle zu transportieren. Das Hineinsteigern in die Rolle, das Mitfühlen von Wut, Angst, Hass fehlt gänzlich. Lose Worthülsen, die allerdings nicht die Herzen der Schauspieler erreichen und nur selten in der Tonalität mitschwingen. Lediglich Julia Kreusch in der Rolle der Sittah erscheint hier als kleiner Hoffnungsschimmer. Die gekonnt und wunderbar ausgeführten Yoga-Posen von Christian Baumbach in der Rolle als Al-Hafi sorgen beim Publikum für Aufsehen. Lässt es doch das beschränkte Vorstellungsvermögen beim ersten Anblick von Christian Baumbach, mit seinem nicht zu übersehenden Wohlstandbauchs, nicht zu, sich eine derart akkurate Ausführung eines Kopfstands vorzustellen.

Das Bühnenbild ist minimalistisch und schafft es dennoch mit einem stetig anhaltenden Ascheregen eine Aussage zu transportieren. Zusätzlich sorgt das Flackern des Ascheregens im Bühnenlicht für eine verzaubernde Stimmung.

Programmheft zu Nathan der Weise

Lieblos ist auch das Programmheft. Mit 5 Euro ist der Preis, wohl nach Schweizer Verhältnissen bemessen, beinahe schon als unverschämt zu bezeichnen. Das Programmheft beinhaltet auch keine Fotos des Stücks oder etwaige Hintergrundinformationen zu den Schauspielern. Auf zwei Seiten wird der Inhalt von „Nathan der Weise“ kurz und knackig wiedergeben. Auf weiteren zwei Seiten gibt es Informationen zum Autor Gotthold Ephraim Lessing. Die restlichen rund zwanzig Seiten sind mit einem Gespräch von Gwendolyne Melchinger (Dramaturgie) und Béatrice Acklin Zimmermann (Paulus Akademie Zürich – Leiterin der Studienbereiche Religion, Theologie und Geschichte) gefüllt. Wenngleich dieses Gespräch sehr interessant ist, sind 5 Euro für ein Programmheft, das größtenteils aus diesem Gespräch besteht und damit lediglich eine einzelne Sichtweise aufzeigt, nicht nur überteuert sondern auch reichlich lieblos zusammengestellt.

Im Landestheater Niederösterreich in Sankt Pölten

Fazit:

Inhaltlich ist „Nathan der Weise“ ein Meisterwerk und regt definitiv zum Nachdenken an. Gibt es denn überhaupt, die einzig wahre Religion? Ist das Konzept der Religion überhaupt noch zeitgemäß? Vor allen Dingen wenn man betrachtet wie viel Schmerz und Leid mit Rechtfertigung der Religion bereits in diese Welt gebracht wurde. Nach dem Gastspiel des Schauspielhaus Zürichs freue ich mich nun wieder auf eine Vorstellung mit dem Ensemble des Landestheaters Niederösterreich. Schließlich konnten mich diese in dieser Saison bereits mehrfach, mit grandioser schauspielerischer Leistung, die den Zuseher von der ersten Minute fesselt, überzeugen.

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