Die Hauptstadt - Robert Melasse
4 Sterne Roman

Die Hauptstadt – Robert Menasse

Preis: EUR 24,00
Die Handlung

Ein Schwein läuft durch die Straßen von Brüssel und sorgt für Aufregung.

Fenia Xenopoulou soll das Image der Europäischen Kommission aufpolieren. Keine leichte Aufgabe für die ehrgeizige Beamtin der Generaldirektion Kultur. Doch Martin Susman hat eine Idee für das große Jubilee Project. Diese Idee kommt bei weitem nicht bei allen gut an.

David de Vriend verbringt seinen Lebensabend in einem Altenheim mit Friedhofsblick. Einmal ist er dem Tod bereits von der Schippe gesprungen. Als Kind ist David von einem Deportationszug gesprungen. Seine Familie fuhr in den sichern Tod und David überlebte.

Professor Alois Erhart wird in einen Think-Tank berufen. Der emeritierte Professor soll eine Rede halten, die allen im Gedächtnis bleibt.

Meine Meinung

Bereits der Klappentext zeigt den komplexen Aufbau und die vielen Erzählstränge. Dass all die Erzählstränge irgendwie zusammenhängen, ist zu Beginn nur schwer vorstellbar. Die Komplexität des Buches steigt durch unzählige Charaktere. Am Klappentext wird uns lediglich ein ganz kleiner Ausschnitt davon präsentiert.

“Sie hasste verspiegelte Sonnenbrillen. Man sah die Augen des Menschen nicht. Das war für Xeno die ärgste Vermutung, schlimmer noch als Nikab und Burka, wo man wenigstens noch die Augen sah, das Fenster in die Seele des Menschen, wie man sagt.”
90%

Robert Menasse neigt dazu abzuschweifen. Er holt weit aus, um es dann doch wieder auf den Punkt zu bringen. Durch diese Abschweifungen ersteht allerdings am Ende ein vollkommen rundes Bild. Das politische Hickhack und die Machtlosigkeit in diesem verwirrenden politischen Konstrukt werden greifbar. Selbst höchst motivierten Mitarbeitern sind die Hände gebunden und Entscheidungen sind ein langwieriger Prozess.

“Er war Kommissar. Er gab nichts auf Ahnungen, Mutmaßungen, Träumereien. Sein Großvater hat immer gesagt: Von einem Bier zu träumen löscht keinen Durst.”
15%

„Die Hauptstadt“ ist ein Buch, das den Leser gefangen nimmt. Es ist keine leichte Lektüre und es bedarf hohe Aufmerksamkeit, um die zahlreichen Charaktere nicht durcheinander zu bringen und die Andeutungen zu erfassen.

Immer wieder bin ich in Staunen verfallen, wie sich plötzlich Handlungsstränge zusammenfügen und Personen aufeinander treffen.

Sehr viele französische, einige polnische Einwürfe und schließlich sogar ein griechischer Satz in griechischen Schriftzeichen abgedruckt, erschweren das Lesen. Dadurch wird das multilinguale Brüssel gut dargestellt, für den Lesefluss ist dies jedoch störend.

“Das Problem mit Fremdsprachen, wusste Erhart, wenn man sie nicht zumindest stiefmuttersprachlich beherrschte, war, dass man immer nur sagt, was man sagen kann, und nicht, was man sagen will.”
65%

Die Hauptstadt - Robert Melasse

Fazit

★★★★☆

„Die Hauptstadt“ ist ein komplexes Buch mit unglaublich vielen Charakteren. Dennoch schaffte es Robert Menasse den Leser sofort in seinen Bann zu ziehen. Faszinierend wie Menasse es gelingt, bei so vielen Personen nicht in Oberflächlichkeiten zu verfallen. Ein Buch, das nicht leicht zu lesen ist, es aber auf alle Fälle wert ist gelesen zu werden. Schließlich muss es nicht immer mein geliebtes Chick-Lit-Genre sein 😉

Hast du „Die Hauptstadt“ oder ein anderes Buch das für den deutschen Buchpreis nominiert wurde bereits gelesen? Erzähl mir in den Kommentaren wie es dir gefallen hat oder welches Buch du noch lesen möchtest!

Das ebook wurde mir von NetGalley und Suhrkamp zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Die Rezension wurde davon nicht beeinflusst.

 

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