In „Flüsterzeit“ begleiten wir die Familie Manogg über mehr als sechs Jahrzehnte hinweg – von 1870 bis 1932 und über mehrere Kontinente. Es ist eine Familiengeschichte, die nicht nur von einzelnen Schicksalen erzählt, sondern zugleich ein lebendiges Bild ihrer Zeit zeichnet.
Besonders gefallen hat mir die Erzählweise. Zwischen den einzelnen Kapiteln liegen oft Monate oder sogar Jahre. Dadurch entsteht Raum für die eigene Fantasie, und man hat als Leserin die Möglichkeit, Entwicklungen selbst weiterzudenken. Trotz der Zeitsprünge verliert die Geschichte nie ihren roten Faden. Im Gegenteil: Gerade die wechselnden Perspektiven der verschiedenen Familienmitglieder sorgen dafür, dass die Familie Manogg und ihre Lebenswege besonders lebendig wirken.
Die Petra Palumbo versteht es hervorragend, die Atmosphäre der jeweiligen Epochen einzufangen. Anhand der Familie erleben wir gesellschaftliche Veränderungen hautnah mit: die Rolle der Frau, den Wandel von Wohlstand und gesellschaftlichem Ansehen sowie die Herausforderungen einer Welt im Umbruch. Dabei wirkt nichts belehrend, sondern fügt sich ganz natürlich in die Lebensgeschichten der Figuren ein.
Besonders berührt hat mich die Sehnsucht, die viele der Protagonist:innen begleitet. Die Sehnsucht nach Heimat, nach Zugehörigkeit, aber auch nach Abenteuer und einem besseren Leben. Dieses Spannungsfeld zieht sich durch den gesamten Roman und verleiht ihm eine große emotionale Tiefe.
Auch die Gestaltung des Buches ist auffällig. Die großzügigen Weißräume auf den Seiten verleihen dem Text eine angenehme Leichtigkeit. Gleichzeitig war die Geschichte so fesselnd, dass ich mir stellenweise sogar gewünscht hätte, noch mehr lesen zu können.
„Flüsterzeit“ ist eine stimmungsvolle, hervorragend erzählte Familiensaga, die Geschichte erlebbar macht und ihre Figuren lange nachwirken lässt. Ein Roman für alle, die weit gespannte Familiengeschichten lieben und gerne in andere Zeiten eintauchen.
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar




