Blutvilla - Gregg und Schenke
2 Sterne Thriller & Krimi

Blutvilla – Stefanie Gregg & Paul Schenke

„Hören Sie sofort auf. Ich habe ihr Protokoll von der Krogmann-Vernehmung vor mir liegen. Das ist absolut inakzeptabel. Ich habe in den letzten zehn Jahren noch nie ein so rudimentäres Protokoll gelesen. Die Hälfte der Aussage fehlt. Die zweite Hälfte wimmelt von Rechtschreibfehlern, dass man kaum den Inhalt erahnen kann.“
S. 78

Die Handlung

Die Millionärin Johanna Krogmann wird erschlagen in ihrer Villa aufgefunden. Ein Motiv Johanna zu töten hätte beinahe jeder im Dorf gehabt. Die skrupellose Fabrikbesitzerin war nicht gerade beliebt und eine Meisterin darin sich Feinde zu machen. Hauptkommissar Fricke soll diesen Fall lösen. Doch nicht nur der Fall birgt Probleme sondern auch Beziehung oder gerade das Fehlen einer Beziehung zur Staatsanwältin Elena Karinoglous.

Meine Meinung

Auf dem Cover von „Blutvilla“ ist „Ein Kiel-Krimi“ zu lesen. Folglich bin ich davon ausgegangen, dass es sich um einen Krimi handelt der in Kiel spielt. Dass der Mord in Flintbek, einem 13 Kilometer weit entfernten Vorort von Kiel, passiert, lasse ich als ja noch anstandslos durchgehen.

Dass jedoch nur rund 10% des Buches ein Krimi sind und die restlichen 90% eine eher lauwarme Liebesgeschichte zwischen Hauptkommissar und Staatsanwältin gefällt mir ganz und gar nicht. Wenn ich eine Liebesgeschichte lesen will greife ich zu einer und nicht zu einem Krimi.

Aber nun zur Geschichte an sich. Der Fall ist wenig spektakulär. Es gibt keine überraschenden Wendung und auch die Spannung beschränkt sich auf ein Minimum. Das Konstrukt der viel gehassten Fabrikantin und Millionärin hätte Potential zu einem ausgeklügelten Krimi. Jedoch steht die Liebesgeschichte derart im Vordergrund, dass der Fall kaum beachtet wird und sich nur auf die notwendigsten Fakten, ähnlich einem Zeitungsbericht einengt.

Die Liebesgeschichte selbst ist auch nicht wirklich interessant. Selbst wenn ich das Buch als Liebesroman bewerten würde, könnte ich nicht mehr Sterne hergeben. Die beiden stehen sich selbst im Weg und zicken aus falscher Angst verletzt zu werden herum. Das mag für ein paar Seiten zur Einleitung der Beziehung ganz amüsant sein, nicht jedoch wenn sich dieser Zustand durch ein ganzes Buch zieht.

Ja, selbst Frickes plötzliche Verliebtheit erschloss sich mir nicht. Schimpfte er noch ein paar Seiten zuvor gedanklich über die Staatsanwältin, platzt er plötzlich vor Gefühlen für sie.

Blutvilla - Gregg und Schenke

Autoren-Duo

Wenn zwei Autoren gemeinsam ein Buch schreiben, frage ich mich immer wie so eine Zusammenarbeit funktioniert und wie es überhaupt dazu kam, dass die beiden ein Buch gemeinsam schreiben. Schließlich stelle ich es mir schon schwer genug vor ein Buch alleine zu schreiben, aber dann noch mit jemanden gemeinsam, der die Figuren vielleicht ganz anders entwickeln möchte.

So hat es mir sehr gut gefallen, dass diesem Thema im Nachwort des Buches ein paar Seiten gewidmet werden und wir sogar Einblick in die Korrespondenz der beiden Autoren zu einzelnen Sätzen erhalten.

Stefanie Gregg und Paul Schenke kennen sich lediglich virtuell und haben das Buch in gerade mal 10 Tagen gemeinsam geschrieben. Dass erklärt einiges, denn genauso liest sich das Buch auch. Ein mehr als oberflächlich abgetaner Fall ist das Resultat. Auch in die Entwicklung der Figuren wurde lediglich bei dem potentiellen Liebespaar etwas Sorgfalt hineingelegt. Aber naja, was will man schon erwarten wenn man sich nur, wie im Nachwort zu lesen, 10 Tage für ein Buch Zeit nimmt.

Fazit

★★☆☆☆

Das war wohl nichts. Die Liebe zum Detail fehlt und das Buch ist viel mehr Liebesroman als Krimi. Lediglich für das Nachwort möchte ich „Blutvilla“ einen zweiten Stern einräumen.

Der Gmeiner Verlag hat mir “Blutvilla“ zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Du bist gefragt

Krimi und Liebe in einem Buch? Passt das zusammen und wie sollte das Verhältnis sein? Hinterlasse mir einen Kommentar! Ich freue mich auf deine Meinung!

4 Kommentare

  1. Aber ist es nicht in einer Vielzahl von Krimis so, dass eine schöne Frau mit im Spiel ist, in der sich der Kommissar verliebt? Ich finde, eine Geschichte in einer Geschichte gut. Zumal es den Charakteren Leben verleiht und sie menschlich darstellt.
    Auch finde ich die Zeit, die sie gebraucht haben, um dieses Buch zu schreiben nicht ausschlaggebend für die Handlung.
    Ich pers. mochte die Liebesgeschichte in einem Krimi. Ich fand ihn sehr spannend.

    1. Ich finde Liebesgeschichten in Krimis und umgekehrt nicht zwangsläufig schlecht. Allerdings wenn Krimi draufsteht,erwarte ich mir, dass es hauptsächlich ein Krimi ist und die Liebesgeschichte nur der zweite Handlungsstrang. Hier steht zwar Krimi drauf, es ist aber zu 90% eine Liebesgeschichte.

      Das Buch wirkt für mich im Großen und Ganzen etwas lieblos. Die kurze Zeitspanne und auch die Tatsache, dass sich die beiden Autoren nur virtuell kennen ist für mich eine mögliche Erklärung wie diese Oberflächlichkeit zustande gekommen ist.

  2. Liebe Sabrina,

    ich habe deine Rezension auf allen Kanälen gelesen. Die für Paul und mich sehr, sehr schmerzhaft ist. Ein Buch ist für uns Autoren natürlich kein Produkt, sondern ein ‚buchstäbliches‘ Kind.
    Lieblos war es nun mit Sicherheit nicht von uns. Dass wir dieses Buch in zehn Tagen geschrieben haben, lag daran, dass wir tatsächlich so einen Spaß an dem gemeinsamen Schreiben hatten, dass pro Tag ich etwa zehn Stunden und pro Nacht Paul etwa zehn Stunden geschrieben haben. – Macht etwa 200 Schreibstunden – nicht zu wenig für ein Buch. Natürlich war dies auch nur die erste Fassung, auf die viele, viele Überarbeitungen folgten.
    Deinen größten Kritikpunkt kann ich absolut nachvollziehen! Ja, wir haben hier eine Mischung aus Krimi und menschlicher Geschichte/Liebes-/Nicht-Liebesgeschichte geschrieben. Als ich deine Rezension gelesen habe, wurde mir klar, dass dies wahrscheinlich daran liegt, dass Paul aus dem (durchaus harten und brutaleren) Krimi kommt, was ich, zumindest schreibend, ablehne, und ihm auch als Voraussetzung für gemeinsames Schreiben genannt habe; blutig und brutal ist nicht mein Ding. Während ich (zumindest alleine), bis auf meinen allerersten und einzigen Krimi nur noch Romane schreibe. – Diese Mischung kann abschrecken, das verstehe ich! Zumal ein Verlag (leider) immer entweder ‚Krimi‘ oder ‚Roman‘ auf den Titel schreibt.
    Manche mögen so etwas, manche sicher eben auch nicht.
    Viele Leser wollen entweder Krimi oder Menschelndes haben. – Das ist bei uns nicht zu trennen.
    Sehr, sehr schade, dass du dieses Buch nicht mochtest.
    Vielleicht liest du ja mal Pauls harte Krimis oder meine Romane (gerne sende ich dir auch den ‚Duft nach Weiß‘ oder den ‚Sommer‘ zu), damit du siehst, dass wir alleine sehr genrerein schreiben, aber gemeinsam eben nicht.
    Es tut mir leid, dass dir unser Buch nicht gefallen hat.
    Liebe Grüße
    Stefanie Gregg

    1. Hallo Stefanie!

      Leider ist, dein Kommentar im Spam-Ordner gelandet und ich habe ihn erst jetzt gefunden. Ich verstehe, dass eine negativ Rezension schmerzhaft ist und schreibe sowas auch nicht gerne.

      Dennoch ist es mir wichtig ehrlich zu sein und ich gebe mir immer größte Mühe transparent darzustellen wieso mir ein Buch gefallen bzw. nicht gefallen hat. Natürlich ist es nur ein Einzelmeinung und Dinge, die mir nicht gefallen haben, finden andere vielleicht toll. Zum Glück sind die Menschen und ihre Geschmäcker vielfältig und bunt. Ich erzähle dazu immer gerne eine Geschichte: Ich habe in einer 1-Sterne-Rezension zu ein Buch gelesen, dass es absoluter Mist ist, da es aus Sicht des Mörders geschrieben, der ist doch gestört sowas will doch niemand lesen. Genau dieses aus Sicht des Mörders, fand ich absolut spannend und habe mir das Buch sofort gekauft.

      Natürlich macht eine Kategorisierung Sinn, damit ich von Vorhinein Dinge ausschließen kann, die nichts für mich sind. Ich würde es begrüßen, wenn bei einem Buch wie der „Blutvilla“ nicht nur Krimi bzw „Kiel-Krimi“ drauf steht, sondern beispielsweise „Krimi mit viel Herz“, „romantischer Krimi“ oder ähnliches. Dann geh ich nicht mit falschen Erwartungen an die Geschichte. Der kleine Hinweis im Klappentext, dass sich Kommissar und Staatsanwältin auch privat anziehenden finden reicht mir persönlich dafür nicht. Schließlich gibt es in so gut wie jedem Krimi, und selbst in den harten, eine kleine Love-Story.

      Ich werde mir deine und Pauls Bücher ansehen, vielleicht spricht mich davon ja etwas an!

      Liebe Grüße
      Sabrina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.