Ein gefrorener Onkel? Das klingt nach einem hervorragenden Krimi – und genau deshalb wird der Erzähler sofort hellhörig, als seine koreanische Freundin Minkyung eines Abends davon erzählt. Die Umstände wirken mysteriös, die Familie schweigsam. Selbst Minkyung ist anfangs wenig begeistert davon, Nachforschungen anzustellen.
Fast schon manisch begibt sich der Erzähler schließlich auf Spurensuche. Dabei gelingt es dem Autor hervorragend, ein dauerhaft angespanntes Gefühl zu erzeugen. Ständig liegt etwas Unausgesprochenes in der Luft, das unterschwellige Alarmbereitschaft auslöst. Besonders spannend ist dabei die Frage nach den wahren, tieferen Beweggründen der Figuren und ihres Handelns.
Absolut liebenswert sind Minkyungs sprachliche Eigenheiten und ihre kreative Verwendung der deutschen Sprache. Manche ihrer Formulierungen sind so charmant, dass man sich fast wünscht, wir würden uns tatsächlich so ausdrücken.
Von der angeteaserten Liebesgeschichte bekommt man dagegen weniger mit. Stattdessen stehen der Cold Case und die interkulturellen Unterschiede klar im Vordergrund. Insgesamt eine atmosphärische und angenehme Lesefreude.




