Valentinstags mit Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

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Valentinstags mit Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Der Tag der Liebenden steht an. Am Sonntag ist der 14. Februar und am Valentinstag zeigen sich Liebende auf der ganzen Welt ihre Liebe. Als kleine Einstimmung darauf. Haben die Autorin Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki eine kleine Anekdote aus ihrem Roman „Eingeladen und abgeschleppt“ für euch. Morgen verrät euch dann ein lustige, bungemischte Damenrunde was der Valentinstag für sie bedeutet und stellt ihre romantischen Buchtipps vor.

Wir beide schreiben Romane, die sich nah am realen Leben orientieren. So sind einige Episoden immer Erlebnisse entweder von uns, Mitgliedern unserer Familie oder von Freundinnen, die wir dann gerne in einem Roman verarbeiten – und uns hinterher gemeinsam amüsieren.

Das Thema Valentinstag erinnert uns an den 20-Euro-Mann. Wir haben diese unglaubliche Szene in unserem Roman „Eingeladen und abgeschleppt“ verarbeitet. Sie ist einer Freundin tatsächlich am Valentinstag, es war der erste Tag eines Dates, passiert.

Und weil es die erste Verabredung mit einem Fremden war, sollte ihre Schwester der Sicherheit halber ihr Back-Office sein. Sie hatten vereinbart, sie wird nach einer gewissen Zeit anrufen. So könnte sich unsere Freundin abseilen, sofern die ganze Sache eine Null-Nummer sei …

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Bei Sophie kribbelte es. Dating-Tag!

Sophia stylte sich noch sorgfältiger als sonst. Das Abend-Make-up hatte sie bestens auf ihre Garderobe abgestimmt. Die zarten Cremetöne des Lidschattens passten hervorragend zu dem leicht verspielten, romantischen Rüschenkleid, dessen Rock bis Mitte Wade weit schwingend fiel. Die beigen, mit einem Lochmuster versehenen Sommerstiefel gaben dem Kleid den letzten Pfiff. Irgendwie schicker Country-Style, stellte Sophia freudig fest.

Mit Herzklopfen öffnete sie die Tür des kleinen, feinen Restaurants im benachbarten Düsseldorf und schaute dabei auf die Uhr. Fünf Minuten später als vereinbart. Perfekt, dachte sie. Hoffentlich erkenne ich ihn auch!

Diese Besorgnis war umsonst, denn von einem der hinteren Tische stand ein gut aussehender Mann auf und kam ihr lächelnd entgegen. Ja, sie sah das ansprechend männliche Gesicht aus der E-Mail.

„Sophia?“

„Das bin ich!“ Sie war angenehm überrascht.

Geschäftsmann durch und durch kam ihr in den Sinn. Das gefiel ihr sofort. Er trug keinen Anzug, aber Hose und Jackett der Kombination waren in Harmonie. Das weiße Hemd wurde durch eine dezente Krawatte betont. Der attraktive Mann reichte ihr die Hand.

„Christian. Ich freue mich sehr.“

Er betrachtete sie mit einem schnellen, prüfenden Blick von Kopf bis Fuß. „Du siehst bezaubernd aus!“

„Oh danke!“

„Komm bitte, ich habe uns einen Tisch ausgewählt, weiter hinten, da können wir etwas ungestörter reden und uns kennenlernen! Ich gehe mal voraus!“

Am Tisch angekommen, rückte er ihr einen Stuhl zurecht und ließ sie Platz nehmen. Alte Schule, wie nett, dachte Sophia.

Er bestellte sich als Aperitif einen Martini. Sophia nahm ein Mineralwasser. Danach entschied sie sich für Penne all‘arrabbiata. Scharf passte zu dem Abend! Auf eine Vorspeise hatte sie verzichtet, dafür war sie zu aufgeregt.

Christian jedoch fuhr das volle Programm. Vorspeise, das teuerste Hauptgericht der Karte und später noch ein Dessert. Auch dem musste Sophia leider entsagen, da sie schlichtweg satt war. Aber sicherlich trug die Aufregung dazu bei.

Das Gespräch entwickelte sich wunderbar. Christian war ein begnadeter Erzähler. Er berichtete Sophia von seinem verantwortungsvollen Job als Bauingenieur eines großen Konzerns, von den zahlreichen Auslandsreisen, privat vom geschätzten Theater-Abonnement und auch der langjährigen Mitgliedschaft im Golf-Klub. Er malte ein farbenprächtiges Bild seiner exklusiven Penthouse-Eigentumswohnung im besten Viertel Düsseldorfs. Das ließ Sophias Fantasie freien Raum. Sie sah sich schon als Freundin eines vermögenden Mannes mit Wohnung in bevorzugter Lage der Landeshauptstadt!

Ganz genau der ansehnliche Typ Mann mit finanziellem Hintergrund, den sie gesucht hatte! Und nebenbei noch ungemein attraktiv! Er hatte ein einnehmendes Wesen, seine Wortwahl als auch die Gesten waren weltmännisch und zeugten von fundierter Erziehung und Ausbildung.

Sicherlich würde der Abend nicht so schnell enden, jedenfalls nicht hier vor dem Restaurant … sie dachte da eher an seinen schicken Penthouse-Traum, denn den hatte sie schon vor Augen. Und sie fragte sich, warum er Single war!

Als hätte Christian es geahnt, kam er auf dieses sensible Thema zu sprechen. Er zeichnete subtil das Bild einer anspruchsvollen, stets nörgelnden Ex-Frau, die mit nichts wirklich zufrieden war und das Geld mit vollen Händen hinauswarf. Er monierte mit feinen Worten, dass seine Ex wöchentlich zur Kosmetikerin gelaufen war und dabei ein Heidengeld für angebliche Wundercremes, verjüngende Packungen und bunte Fingernägel herauswarf. Das irritierte Sophia, denn auch sie trug ihre Nägel lang und lackiert. Er schätzte einen gepflegten Auftritt, das war bei der Begrüßung ganz deutlich geworden, aber dafür muss Frau naturgemäß etwas tun und das ist eben mit Kosten verbunden! Naturschön kommt oft nicht so gut!

Auf ihr vorsichtig eingeworfenes Argument, Frauen sollten doch stets auf ihr Äußeres achten, erntete sie eine hochgezogene Augenbraue. Kein Wunder, er wusste bis jetzt ja noch gar nicht, was sie beruflich machte!

„Aber lassen wir mal das Thema Ex-Frau weg.“ Gewinnend lächelte er sie an.

„Wie wäre es, wenn wir uns einen Cocktail gönnen? Ich kenne hier eine hübsche kleine Bar mit wundervollem Ambiente. Ich denke, dort wird es dir gefallen. Und dann kannst du ein wenig über dich berichten.“

„Ja gerne“, strahlte sie ihn an.

Christian bat den Kellner um die Rechnung. Auf die Frage, ob das zusammen geht, entstand eine winzige Pause.

Sophia griff sofort ihre Handtasche. „Ich zahle natürlich mein Essen!“

„Aber das kommt doch überhaupt nicht infrage!“, rief Christian und der Kellner rauschte von dannen. Sophia hatte ihre Tasche noch auf den Knien, da flüsterte Christian, seinen Oberkörper etwas vorgebeugt, damit man es am Nachbartisch nicht verstehen konnte: „Gib mir einfach zwanzig Euro, dann ist das schon in Ordnung!“

Sophia fühlte sich wie soeben eiskalt abgeduscht.

„Bitte?“, fragte sie irritiert und starrte ihn ungläubig an.

„Jaja, mehr brauchst du wirklich nicht!“

Er drehte seine Hand um, so als solle sie einen Schein dort hineinlegen. Dabei erstrahlte sein Lächeln – jetzt war es für Sophia gar nicht mehr so attraktiv und sexy wie noch wenige Augenblicke zuvor. Genau in diesem Moment hörte sie den Klingelton ihres Handys. Hektisch wühlte Sophia danach und war glücklich, Julie auf dem Display zu lesen.

„Ja bitte?“, hauchte sie, machte dann jedoch direkt einen schwer betroffenen Gesichtsausdruck. „Nein, das gibt es doch gar nicht … oh wie furchtbar … nein, nein, das ist ganz selbstverständlich, mach dir bitte keine Sorgen, ich komme sofort!“

Sie drückte das Gespräch weg, schmiss das Handy in die offene Handtasche, sprang auf und mit dem Satz: „Du, tut mir echt leid, aber das ist ein Notfall!“, stürmte sie in Richtung Tür, beinahe noch den Kellner umreißend, der gerade wieder auf dem Weg zu ihrem Tisch war. Er sah ihr irritiert hinterher, die Rechnung lag auf einem kleinen Tablett. Der Windzug von Sophias stürmischem Abgang ließ das Papierchen zu Boden segeln, doch das bekam Sophia nicht mehr mit.

Draußen rannte sie direkt los. Das schnelle Klappern ihrer Stiefelabsätze hallte deutlich auf dem Asphalt. Völlig außer Atem kam sie am Auto an. Das erste Mal in ihrem Leben fuhr sie mit quietschendem Reifen von einem Parkplatz.

Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki
Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Heute kann unserer Freundin darüber lachen, damals fand sie sich im falschen Film! Und es ist wirklich wahr, dass sie einige Wochen später eine Bekannte traf, die auch ein Date mit genau diesem Mann hatte – und die gleiche Szene hat sich 1:1 abgespielt. Er wollte 20 Euro von ihr! :) :) :)

herzenstage

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  1. Pingback: Die Liebe macht das Leben erst so richtig lebenswert * lesefreude

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