Was bin ich? Wie bin ich? Wozu bin ich? – Dr. Hermann Rühle

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Was bin ich? Wozu bin ich? Wie bin ich ?

Der Inhalt

Mit „Was bin ich? Wie bin ich? Wozu bin ich?: Wie ich erkenne, wer ich wirklich bin“ begeben wir uns auf die Suche nach der eigenen Identität. Mit Dr. Hermann Rühle begeben wir uns auf den Jahrmarkt der Eitelkeiten, um andere bessere zu verstehen und uns dabei selbst auf die Schliche zu kommen.

Meine Meinung

Bereits das Cover verdeutlicht uns sehr schön, welche derart komplexe Struktur ein Mensch hat. Die vielen einzelnen Strange ergeben schließlich die Grundumrisse eines Kopfes.

Aufgeteilt ist das Buch, wie das der Titel bereits zeigt in drei große Fragen. Das „Was“ beschäftigt sich mit unserem Geltungsbewusstsein, während das „Wie“ das Selbstbewusstsein anspricht. Das „Wozu“ sucht letzten Endes nach dem tieferen Sinn.

Was bin ich? Wozu bin ich? Wie bin ich ?

Neben diesen drei Hauptfragen gliedert sich das Buch in 9 Kapitel. Jedem diesem Kapitel liegt eine weitere Frage zu Grunde. Im Summe sollte es uns damit möglich sein, am Ende des Buches und nach vielen Überlegungen, Herumprobieren und persönlicher Weiterentwicklung die drei Hauptfragen zu beantworten. Immer wieder finden sich dazu im Buch Aufgabenstellungen.

Besonders das erste Kapitel „Machen Sie sich auch manchmal zum Affen?“ hat mir besonders gut gefallen. Hier begeben wir uns auf den Jahrmarkt der Eitelkeiten. Lernen verschiedene, verhaltensauffällige Exemplare kennen und hinterfragen deren Handlungsmuster.

Bei dem Großteil der Eitelkeiten, geht es um Eigenschaften, die besonders bei extrovertierten Menschen auffallen oder in denen Extrovertierte aufgrund ihrer Charakteristiken und lauten Lebensform schlicht mehr auffallen. Eigenschaften unter denen Introvertierte im Alltag oftmals leiden müssen bzw. die ihnen das Vorankommen erschweren. Achtung: Ich verallgemeinre hier stark. 

Als introvertierter Mensch war das für mich besonders lehrreich. Denn wenn man die Handlungsmuster und tieferen Beweggründe versteht, wird es leichter damit umzugehen und man weiß an welcher Stelle man den Hebel ansetzen muss.

Dennoch vermisse, dass stille Eitelkeitsformen außen vor gelassen wurden. Beziehungsweise Dr. Hermann Rühle nicht darauf eingeht, wie die beschriebenen Eitelkeitsformen wie „Ruhmgeschachere“ und „Statuskampf“ bei weniger plakativen, introvertierten Beispielen aussehen.

„Hochstaplerische Selbstinszenierung und Egoakrobatik seien heute wichtiger denn je. Jeder muss sich gut verkaufen könne.“
Seite 52

Der Druck auf jeden Einzelne von uns steigt immer stärker. So verfolgt auch Florian Gschwandtner in „So läuft Start-Up“ die Devise „Sei der beste Verkäufer deiner Selbst.“ Das tagtägliche Netzwerken hört dabei nicht etwa auf, wenn man sich in die eigenen vier Wände zurückzieht. Mit Facebook, Instagram und Co geht eine Form des Netzwerken bald schon in unsere DNA über.

Das Grundproblem bei der ganzen Selbstfindung und „Sinne des Lebens“-Thematik bringt Selena Gomez hervorragend auf den Punkt:

Die Leute sagen:
„Sei du selbst! Sei du selbst!“
und ich versuche noch immer herauszufinden, wer das ist.
Selena Gomez – Seite 147

Dr. Hermann Rühle stellt uns viele Tools und methodisches, fachliches Wissen rund um die Persönlichkeitsfindung vor. Exemplarisch seien hier die 5 Säulen der Identitätsfindung oder Sinus-Milieus Klassifizierung erwähnt. Dies gibt dem Buch einen wissenschaftlicheren, professionellen Touch. Zeitgleich passen die trockenen Grundlagen nicht ganz zu dem ansonsten sehr humorvollen Schreibstil.

Wer sind Sie? - Dr. Hermann Rühle

Um zu erkennen, wer man wirklich ist, bedarf es viel Arbeit. So ist „Was bin ich? Wie bin ich? Wozu bin ich?“ mehr als Arbeitsbuch zu sehen. In jedem Kapitel werden sehr, sehr viele Fragen aufgeworfen. Die individuelle Beantwortung dieser Fragen ist oftmals alles andere als einfach. Durch diese Unmenge an Fragen, bleibe ich etwas demotiviert zurück. Wie soll ich es nur schaffen all das in einem einzigen Leben zu beantworten?

So sehr mich das Buch zu Beginn begeistert hat, wird es zunehmend schwächer. Immer mehr Theorien werden erläutert und das Wording wandelt sich von humorvoll und leicht verständlich in eine gehobene Sprache, gespickt mit einigen Fachbegriffen.

Fazit

★★★☆☆

Das Finden der eigenen Identität ist ein Prozess, der mit der Pubertät bei weitem nicht abgeschlossen ist. Zaghafte Schritte werden in eine Richtung gemacht, nur um wenig spät festzustellen, dass mein keine Ahnung hat, wer man eigentlich ist. Ein Prozess, der wahrscheinlich niemals abgeschlossen ist.

„Was bin ich? Wie bin ich? Wozu bin ich?“ ist ein Arbeitsbuch mit viel Theorie und jeder Menge Fragen, die man sich selbst stellen sollte, umso am Ende herauszufinden wer man wirklich ist.

Da das Buch nach einem starken Beginn zunehmenden trockener wird und mir die introvertierten Menschen zu kurz kommen, gibt es letzten Endes 3 Sterne.

Abschließen möchte ich mit einem weiterem Zitat. Eine Botschaft, die so unglaublich wichtig ist. Ich bin mir bewusst, dass ich selbst darin einige Schwächen vorzuweisen habe. Meine Beobachtungen ergeben, dass vor allem Frauen damit Probleme haben. Warum das so ist oder ob es sich dabei um eine blöde, zufällige Häufung in meinem Lebensumfeld handelt, kann ich nicht beurteilten.

„Merkwürdigerweise ist vielen gar nicht bewusst, was sie am besten können, eben weil es ihnen so leicht fällt. Sie halten ihre größten Potentiale für selbstverständlich. Das ist eine Art Betriebsblindheit.“
Seite 151

Der Verlag dielus edition – Bücher für ein besseres Leben – hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

1 comment

  1. Liebe Sabrina,
    das ist eine gelungene Rezension. Du führst deine Kritikpunkte sehr gut aus, sodass man sich genau vorstellen kann, welche Erwartungen an das Buch nicht erfüllt wurden und was dir nicht so gefallen hat.
    Mich hat deine Rezension neugierig auf das Buch gemacht. Ich werde mich mal danach umschauen. Danke!
    GlG, monerl

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