Die Töchter des Roten Flusses - Beate Rösler
5 Sterne lesefreude Roman

Die Töchter des Roten Flusses – Beate Rösler
★★★★★

„Überhaupt gehörten Bücher für sie in die Schule, und selbst dort waren sie nach Jahren des Krieges so knapp, dass man sie sich mit anderen Kindern teilen musste. In ihrem Elternhaus hatte es keine Bücher gegeben, und die Idee, ohne konkrete Aufgabe der Lehrer eines zu lesen, wäre ihr nicht in den Sinn gekommen.“

Die Handlung:

Nach dem Tod ihrer Stiefmutter findet Tuyet ungeöffnete Briefe ihrer Mutter aus Vietnam. Wollte Hanh ihre Tochter vor zwanzig Jahren wohlmöglich doch nicht einfach in Deutschland bei ihrem Vater zurücklassen? Wollte sie den Kontakt vielleicht nie abbrechen? Tuyet reist nach Hanoi und macht sich auf die Suche nach ihren Wurzeln. Schnell lernt sie dort Linh kennen und sieht Hanoi und Vietnam nicht nur von seinen schönen Seiten.

Die Handlungsorte:

Das erste Kapitel sowie einige Rückblicke in die Zeit der DDR und das Leben von Tuyets Eltern spielen in Deutschland. Im Großteil des Buches befinden wir uns allerdings auf Erkundungstour im Vietnam. Dabei flechtet Beate Rösler gekonnt und unaufdringlich Details über das Land, seine Sehenswürdigkeiten und seine Geschichte ein.

Der Schreibstil:

Aus unterschiedlichsten Perspektiven und in unterschiedlichen Zeiten wird in der dritten Person ein breites Bild der Geschehnisse geformt. Dabei bleibt pro Kapitel der zeitliche Rahmen gleich, die Perspektive wechselt jedoch. Dank dieser Struktur ist es ein Leichtes der Geschichte zu folgen. Die zeitlichen Sprünge sind ein hervorragendes Mittel, um das ganze Familiendrama voll und ganz zu verstehen. Dabei gibt es Szenen, die uns zeigen wie schrecklich der „Amerikanische Krieg“ im Vietnam für die Bewohner war. Aber auch die jahrelangen Folgen und psychischen Schädigung der Überlebenden werden deutlich.

Die Charaktere:

Tuyet versinkt nach dem Tod ihrer Stiefmutter und den gefunden Briefen in einem lethargischen Zustand. Dies macht es zu Beginn schwierig mit ihr mit zu fiebern. Als sie sich langsam zurück ins Leben gekämpft und auf die Suche im Vietnam geht, beginnt der Leser schließlich eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Neben Tuyet gibt es einige weitere sehr liebenswerte Personen. Hier sei allen voran Linh genannt, die mit ihrer fröhlichen und offenen Art die Geschichte voran treibt.

Fazit:

Ein hervorragendes Familienepos, das den Leser gefangen nimmt und nach knapp 600 Seiten die Trennung von der Familie schwer macht. Auf sehr angenehme Art lernt der Leser sehr viel über Vietnam und seine Geschichte, aber auch über das nicht immer leichte Leben der vietnamesischen Arbeitskräfte der DDR.
Lesefreude pur bietet „Die Töchter des Roten Flusses“.

 

Der Aufbau Verlag hat mir „Die Töchter des Roten Flusses“ als ebook zur Verfügung gestellt. Die Bewertung wurde davon nicht beeinflusst.

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