Ich, Eleanor Oliphant - Gail Honeyman
3 Sterne Roman

Ich, Eleanor Oliphant – Gail Honeyman
★★★☆☆

„Ich bin Eleanor Oliphant. Ich brauche niemanden sonst. Es gibt keine große Leere in meinem Lebe, kein fehlendes Puzzleteil, das mich vervollständigen würde. Ich bin mir selbst genug, ein kleines Elementarteilchen.“

Die Handlung:

Eleanor ist gerne alleine. Pizza und viel Wodka in ihrer kleinen Wohnung sind Eleanors kleines Paradies. Vor zu vielen Menschen oder gar ins Kino oder Pub zu gehen, davor graut Eleanor. Doch als sich Eleanor verliebt, beginnt sie langsam aus ihrem Kokon der Einsamkeit zu kriechen. Sie lernt die Welt aber vor allem sich selbst neu kennen.

Die Charaktere:

Eleanor hatte eine schlimme Kindheit. Dieses Thema wird nach und nach ganz langsam aufgerollt. Dabei werden stetig Andeutungen gemacht. An viele Dinge kann sich Eleanor selbst gar nicht mehr erinnern. Langsam kommen die Ereignisse ans Tageslicht.

„Auch mein Herz hat Narben davongetragen, dicke, wulstige Narben. Man sieht sie nicht, doch ich weiß, dass sie da sind. Aber ich hoffe, dass eine kleine Stelle frei von verhärtetem Gewebe ist, ein kleines Fleckchen nur, durch das Liebe hinein- und hinausströmen kann. Das hoffe ich wirklich.“

Ihr Arbeitskollege Raymond tut dem Buch wahnsinnig gut. Er strotz zwar nicht vor Lebensfreude ist aber dennoch ein leicht skurriler, liebenswerter Kerl. Es wäre oftmals interessant gewesen Raymonds Gedanken lesen zu können. Eleanor verhält sich in vielen Situationen etwas ungewöhnlich und ist nicht an den Umgang mit Menschen gewöhnt. Ihre sehr gewählte Ausdrucksweise komplettiert das Bild.

Der Schreibstil:

Gail Honeyman überzeugt in ihrem Debütroman mit einem grandiosen Schreibstil. Die Sätze sind liebevoll und die Worte sorgfältig gewählt. Diese tolle Sprache trägt das Buch und lässt auch über einige Schwachstellen in der Geschichte gütig hinwegblicken.

Eleanors Weg in ein „normales“ Leben ist streckenweise etwas langatmig. Aber vielleicht sollte dies dem Leser nur verdeutlichen, wie schwer der Weg aus einer Krise oder einer Depression ist. Wie schnell man in alte Verhaltensmuster zurückfällt und wie oft man mit neuen Situationen konfrontiert wird, in denen es nicht immer einfach ist zu wissen wie man sich richtig verhält.

„Warum fragte ich mich, konnte der DJ nicht einfach nach jedem Lied eine fünfminutige Pause einlegen, damit die Leute in Ruhe reden, auf die Toilette gehen oder sich etwas an der Bar bestellen konnten?“

Der Alkohol:

Eleanor hat ein massives Alkoholproblem. Dieses Problem wurde mir zu rasch als Nebensächlichkeit bzw. einfach zu lösendes Problem vom Tisch gekehrt. Wenn jemand derartig viel Alkohol konsumiert, kann ich mir nicht vorstellen, dass es mit dem einfachen Entschluss „Ab jetzt trinke ich nichts mehr“ getan ist. Abgesehen von körperlichen Entzugserscheinungen müssen neue Wege gefunden werden, um mit Problem umzugehen.

Ich, Eleanor Oliphant - Gail Honeyman

Fazit:

„Ich, Eleanor Oliphant“ überzeugt vor allem durch eine wunderbare Sprache. Leider hat die Geschichte einige Schwächen und ist stellenweise etwas langatmig. Der Weg in ein neues Leben war mir zu sehr auf die Aufarbeitung der Kindheit fokussiert und ließ Eleanors Alkoholproblem außen vor. Trotzdem kann ich das Buch allen, die gerne schöne, sorgfältig konstruierte Sätze lesen empfehlen.

 

Das Buch wurde mir von Bastei Lübbe über NetGalley zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Die Rezension wurde davon natürlich nicht beeinflusst.

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