Meine Zeit mit Eleanor – Amy Bloom

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Meine Zeit mi Eleanor - Amy Bloom

[Abbruch-Rezension]

Der Inhalt

Die junge Reporterin Lorena Hickok berichtet 1932 über den Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl in den USA. Als Franklin D. Roosevelt diesen gewinnt, zieht er mit seiner Frau Eleanor in das Weiße Haus. Mit ihnen zieht auch „Hick“ ein und wird zur Geliebten der First Lady.

Meine Meinung

Rund um meine #WiderDasVergessen Challenge habe ich schon viele Bücher gelesen, die rund um diese Zeitepoche spielen. Bei „Meine Zeit mit Eleanor“ habe ich recht schnell gemerkt, dass es mir dennoch einiges an geschichtlichen Hintergrundinfos fehlt. Amy Bloom hat das Buch vermutlich für ein ursprünglich amerikanisches Zielpublikum geschrieben. Insofern kann man davon ausgehen, dass die Leserschaft mehr über diese wichtige geschichtliche Epoche in ihrem Land weiß und weitere Ausführungen nicht notwendig sind.

Eine Überlegung, die Diskussionsbedarf bietet. Denn wie ist damit in Übersetzungen umzugehen? Aufgrund der unterschiedlichen Kulturen und Co. hat das ursprüngliche Zielpublikum für das ein Buch geschrieben wird eine andere Wissensbasis. Darf / soll / muss der Übersetzer Details für die Leserschaft hinzufügen, um diesen Informationsunterschied auszugleichen? Denn andererseits finde ich es wichtig, dass Bücher aus unterschiedlichsten Kulturen übersetzt werden, um den Geist und das Wissen der Leserschaft zu nähren. Dabei sind die Unterschiede zwischen USA und Österreich oder Deutschland noch eher gering.

Und so tat ich mir sehr schwer in die Geschichte zu finden. Wer ist „Missy“? Welche Krankheit hatte Roosevelt? Wie war der Krankheitsverlauf? Und was hat es mit dem Fall Lindbergh auf sich bzw. um was geht es dabei überhaupt? Zu Beginn waren das World Wide Web und Wikipedia mein treuen Begleiter, die meine Wissenslücken füllten.

Meine Zeit mi Eleanor - Amy Bloom

„Meine Zeit mit Eleanor“ ist mit 272 ein durchschnittlich dickes Buch. Dennoch war es für mich zäh wie der sprichwörtliche Strudelteig. Da ich das Buch als ebook gelesen habe, hatte ich die verbleibenden Seiten auch nicht direkt vor Augen. Die Prozentanzeige bewegte sich in einem Schneckentempo voran. Bei 71% gab ich dann schließlich auf.

Während mir die Erzählungen rund um Lorena Hickok „Hick“ Leben recht gut gefallen haben und sehr bildlich beschrieben waren, empfand ich die Begebenheiten mit dem Präsidentenpaar als sehr recht langweilig. An vielen Stellen ist mir nicht klar woher Amy Bloom diese intimen Details aus der Beziehung zwischen Hick und Eleanor nimmt. Klar die einzelnen Dialogen entspringen der schriftstellerischen Freiheit. Dennoch verschwimmt mir in Summe die Grenze zwischen realen Ereignissen und (reißerischen) Erfindungen zu sehr.

Meine Zeit mi Eleanor - Amy Bloom

Fazit

★☆☆☆☆

Obwohl mir die Erzählung aus Lorena Hicks Jugend und Leben im Allgemeinen sehr gut gefallen haben, ist mir „Meine Zeit mit Eleanor“ am Ende zu langatmig. Es tut sich zu wenig und das Wenige wird zu langwierig ausgeschmückt.

Die Grenze zwischen Realität und Fantasie verschwimmt zu stark, vor allem da real existierende Menschen des öffentlichen Interesses im Mittelpunkt des Romans stehen.

Masochistisch habe ich mich durch 71% des Buches gequält, bis ich dieses nun letzten Endes abgebrochen habe.

NetGalley und Hoffmann und Campe haben mir ein ebook zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

Let’s talk

Darf / muss / soll der Übersetzer kulturelles oder geschichtliches Hintergrundwissen hinzufügen, dass die Leserschaft in einer anderen Sprache, in einem anderen Land nicht hat?

16 comments

  1. Mir ging es wie Dir, der langatmige und zähe Stil hat mir echt viel abverlangt. Das Leben von Eleanor Roosevelt war öde. Auch ich würde das Buch nicht empfehlen.
    Alles Liebe
    Annette

  2. Das Buch ist leider gar nichts für mich. Ich lese eher einfache Romane, am liebsten was lustiges. Vielen Dank für deine persönliche Kritik.

    Alles Liebe

    Freya
    von http://www.dieplaudertasche.com

    1. Hallo Freya!

      Da habe ich eventuell ein paar lustige Romane für dich.
      Wenn du Lust hast, sieh dir doch mal meinen neuesten Beitrag zu „Die kleine Bäckerei in Brooklyn“ von Julie Caplin an. Dazu gibt es bis Sonntag noch ein Gewinnspiel auf meinem Instagram-Account ;)

      Liebe Grüße
      Sabrina

  3. Dann weiß ich ja um welches Buch ich einen Bogen machen kann.
    Denn auf langatmige Handlungen habe ich keine Lust. Zumal ich vieles per Hörbuch höre und dann schlafe ich ja noch schneller ein :-)

    Liebe Grüße, Katja

  4. Es ist schön, wenn man, wie von Dir, eine ehrlichen Eindruck erhält, bevor man sich das Buch evtl. zum Lesen besorgt und was für Hintergrundwissen man eigentlich benötigt. Wer den geschichtlichen Zusammenhang darum kennt und versteht, wird sich in dem Buch vielleicht gut zurecht finden. Aber Übersetzungen sollten meiner Meinung nach schon immer origninalgetreu erfolgen. Wer sich für den Zusammenhang interessiert, wird sich ganz automatisch auch die anderen Anspekte selbst an anderer Stelle einholen. Oder man muss sich das Hintergrundwissen eben erstl mit anderer Literatur aneignen.

    1. Hallo Jürgen!

      Ich mag es ganz gerne, wenn bei es Übersetzung beispielsweise am Ende zusätzlich ein paar Seiten zu den geschichtlichen Fakten gibt. Das können sich die nicht wissenden durchlesen, um sich auf das Buch vorzubereiten. Alle anderen ignorieren es einfach. Grundsätzlich hast du schon Recht, dass man auch einfach selbst recherchieren kann. Internet sei Dank, ist das ja heute keine Schwierigkeit mehr.

      Liebe Grüße
      Sabrina

  5. Ui … das ist so gar kein Buch für mich … ich bin eher so der Thriller Typ! Wenn mich ein Buch nicht fesselt … bin ich weg! Hab schon öfter Bücher wieder zur Seite gelegt, die mich einfach nicht in ihren Bann gezogen haben. Danke für deine Rezension!

    lg
    Verena

    1. Hallo Verena!

      Einen guten Thriller möchte ich auch unbedingt wieder einmal lesen. So richtig Glück hatte ich bei meiner Thriller-Auswahl in der letzten Zeit nicht. Dazu kommt, dass mich aktuell so viele andere Bücher interessieren.

      Liebe Grüße
      Sabrina

  6. Eine wirklich tolle Rezession. Ich finde es gut, dass du auch ehrlich schreibst, wie du ein Buch findest. Leider sieht man ja hauptsächlich nur gute Rezessionen auf Blogs. An sich ist das Buch aber auch für mich nichts, ich stehe mehr auf Fantasy und Horror.

    Liebe Grüße
    Sarah

    1. Hallo Sarah!

      Fantasy ist wiederum absolut nichts für mich.
      Ja, es ist mir wichtig ehrlich zu sein. Da ich mir im Vorhinein bei meiner Buchauswahl sehr viel Mühe gebe, kommt es gar nicht so häufig vor, dass mir ein Buch überhaupt nicht gefällt. Passieren kann es dennoch immer wiedermal und da bin ich dann trotzdem ehrlich.

      Liebe Grüße
      Sabrina

  7. Auf Facebook hast du mich schon neugierig gemacht, warum du das Buch nicht zu Ende gelesen hast. Du hast ja lange durchgehalten, bei mir entscheidet sich das meistens schon nach den ersten 20-30 Seiten!

    Liebe Grüße,
    Verena von whoismocca.com

    1. Hallo Verena!

      Ich arbeite daran, dass ich Bücher schneller abbreche. So richtig gelingt es mir noch nicht. Dennoch es häufig so… wenn die ersten 20-30 Seiten nicht passen, wird das auch auf den nächsten 100-200 Seiten nix mehr :D

      Liebe Grüße
      Sabrina

  8. Oh, ich fühle mit dir! So zähe Schinken hatte ich auch schon und sicherlich schon weitaus eher aufgegeben. Da freut man sich auf etwas, was zum Interessensgebiet passt und dann ist das ganze langatmit wie sonstnochwas… vom Thema her hätte mich das Buch vermutlich auch interessiert!
    Viele Grüße
    Salvia von Liebstöckelschuh

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