7 Fragen an Emil Hakl

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7 Fragen an Emil Hakl

Vor kurzem habe ich „Kiras Version“ von Emil Hakl gelesen. In dem Buch erzählt der Autor von Eff, einem Mittvierziger der motivationslos durchs Leben treibt. Ausgerechnet Eff soll den Prototypen eines künstlichen Menschen, Kira, testen. Schnell entwickelt sich eine intensive Beziehung zwischen den beiden und sie klammern sich aneinander.

Da nach dem Lesen doch noch die eine oder andere Frage durch meinen Kopf schwirrte habe ich beim Braumüller Verlag um ein Interview mit dem Autor angefragt. Die Herausforderung bei dem Interview war die Sprache. Denn der tschechische Autor Emil Hakl spricht weder Deutsch noch Englisch ausreichend um mir ein Interview zu geben. Meine Tschechisch Kenntnisse wiederum sind mit „Jedno pivo prosím“ bereits erschöpft.

Kurzer Hand hat Emil Hakl angeboten, das Interview dennoch auf Deutsch zu machen und einen befreundeten Übersetzer um Hilfe zu bieten. Die Antworten wurden anschließend von mit noch etwas geglättet. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle an alle Beteiligten, dass das Interview zu Stande gekommen ist.

Lesefreude: Wieso haben Sie für „Kiras Version“ die Ich-Erzählperspektive gewählt?

Emil Hakl: Der ursprüngliche Text wird von einem Ich-Erzähler und teilweise in Du-form erzählt. Außerdem gibt es einen Teil von Kira ebenfalls in der Ich-Form erzählt. Damit wird der Geschichte ein schwungvollerer Rhythmus gegeben.

Ich muss zugeben, dass ich nicht weiß, ob es der Übersetzer Mirko Kraetsch so gelassen hat.  Es ist aber auch egal. Der Übersetzter ist immer Mitautor des Textes und er hat ein Recht auf seine Interpretation des Textes.

Kiras Version - Emil Hakl

Lesefreude: Hätten Sie selbst gerne eine künstliche Partnerin oder künstliche Personen in ihrem Freundeskreis?

Emil Hakl: Ich hätte sie gerne als Freunde, weil die bestehenden in Facebook und Instagram schweben und bis auf Ausnahmen man mit denen nicht mehr reden kann.

Lesefreude: Obwohl Social Media und Co eigentlich vom Grundgedanken dazu führen sollten, dass wir uns mehr vernetzen, vereinsamen immer mehr Menschen. Könnten künstliche Personen eine Lösung für die Vereinsamung sein?

Emil Hakl: Ich würde sagen, dass wenn sie irgendwann Realität werden, werden sie viel menschlicher sein, weil sie werden die Menschlichkeit in sich vorprogrammiert haben.

Kiras Version - Emil Hakl - Buch

Lesefreude: Gibt es sie vielleicht bereits? Leben künstliche Personen wie ganz normale Menschen vielleicht schon unter uns?

Emil Hakl: Es gibt verschiedene Versuche, aber das Betreiben von künstlichen Menschen ist immer noch extrem teuer. Wenn sie irgendwann unter uns erscheinen, ist die Frage, ob wir es überhaupt merken.

Lesefreude: Die Singularität – der Tag an dem die Maschinen intelligenter als die Menschen sind. Was denken Sie? Wann wird dieser Tag kommen und wird es gut oder schlecht für den Menschen enden?

Emil Hakl: Vor kurzem hörte ich im Fernsehen eine Meinung von einem Spitzen-Neurologen und der sagte, dass die durchschnittliche Intelligenz eines tschechischen Staatsbürgers leicht, aber trotzdem merklich unter der Norm liegt. Den Durchschnitt zu überwinden wird also bei uns kein Problem sein. Ich würde also sagen, dass wir neben ihnen einen grossen Minderwertigkeitskomplex haben werden.

Emil Hakl in Kiras Version

Lesefreude: Die Internationalisierung von „Kiras Version“: Wie viel Mitspracherecht haben Sie bei der Übersetzung und Gestaltung ihrer Bücher?

Emil Hakl: Den Text haben wir mit Mirko Kraetsch gründlich faktographisch besprochen. Jedes Zitat musste nachgeschlagen werden (was oft ein Problem ist, weil ich in diesem Sinne nicht immer sorgfältig bin).  Es ergaben sich hunderte von Fragen und Unterfragen. Aber wie gesagt – wenn das ganze Buch in Ich-Form ist, ist es sein gutes Recht.

Lesefreude: In Büchern von tschechischen AutorInnen schwingt immer eine große Melancholie und ein gewisser Lebensüberdruss mit (zumindest bei den Büchern, die ich bis jetzt gelesen habe). Bei meine Tschechien Urlauben, habe ich die Tschechen jedoch als geselliges und auch fröhliches Volk erlebt. Woher kommt die große Melancholie in der tschechischen Literatur oder liegt das bloß an meiner persönlichen Buchauswahl?

Emil Hakl: Der Überdruss ist bei uns quasi obligatorisch, sogar ziemlich heitere Menschen mischen ihn in ihre Texte. Es kann ein Erbe von Kafka, Ladislav Klíma oder auch Underground-Persönlichkeiten der 50er bis 90-er Jahre des letzten Jahrhunderts, deren Spur immer noch nicht kalt geworden, sein. Es kann aber natürlich auch an der Wahl Ihrer Bücher liegen.

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