Im Gespräch mit Marc Elsberg

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Marc Elsberg © Lukas Ilgner

Seit „Blackout“ begeistert mich Marc Elsberg regelmäßig mit seinen Romanen. So habe ich mich natürlich besonders gefreut, dass ich seinen neuesten Roman „Gier“ nicht nur vorab lesen durfte, sondern auch ein Interview mit dem Autor machen durfte.

Lesefreude: Stromversorgung, Big Data, Gentechnik und nun ein Gegenwurf zu unserem bestehenden Gesellschaftssystem – Die Themen Ihrer Bücher sind sehr unterschiedlich. Dabei zeichnet alle aus, dass sie sehr gut recherchiert sind. Welches Ihrer Bücher hat Sie am meisten gefordert? Bei welchem war die Recherche und das Verstehen der Zusammenhänge am schwierigsten?

Marc Elsberg: Wahrscheinlich bei ‚Blackout‘ und bei ‚Gier‘. Bei ‚Blackout‘ wegen der schieren Menge des Materials und bei ‚Gier‘ wegen der Neuheit, Tragweite und Komplexität der behandelten Ideen.

Blackout, Zero, Helix - Dystopien von Marc Elsberg

Lesefreude: Im Nachwort zu „Gier“ bezeichnen Sie sich selbst als Laien, sowie Nicht-Mathematiker und -Physiker. Ich denke, dass es notwendig ist sich intensiv in die Thematiken einzuarbeiten, mehr zu wissen und zu verstehen, als Sie in ihren Büchern wiedergeben, um realistische Szenarien zu entwickeln. Wie gehen Sie bei Ihrer Recherche vor? Wie haben Sie sich konkret im Fall von „Gier“ in die komplexe Thematik eingearbeitet?

Marc Elsberg: Ich habe zuerst viel mit den Wissenschaftlern in London korrespondiert und geredet, deren Arbeiten in ‚Gier‘ eine wichtige Rolle spielen, bevor ich überhaupt richtig verstanden habe, worum es geht und weshalb das wirklich bedeutend ist. Dann musste ich noch mehr verstehen und noch mehr. Und gleichzeitig noch tiefer in die derzeit herrschenden Vorstellungen und Modelle darüber, wie wir etwas entscheiden, ganz persönlich aber auch, wie wir unsere Gesellschaft, Wirtschaft und Politik organisieren. Erst dadurch konnte ich verstehen, was an den neuen Ideen so spektakulär ist.

Marc Elsberg
©Lukas Ilgner

Lesefreude: Haben Sie manchmal Angst vor den möglichen Zukunftsszenarien, die sie in Ihren Büchern entwickeln und die so realistisch klingen?

Marc Elsberg: Das Eintreten des ‚Backout‘-Szenarios wäre schon schlimm. ‚Zero‘ haben wir längst, und ‚Helix‘ in Ansätzen auch schon. Keine Angst habe ich vor ‚Gier‘, im Gegenteil, da würde ich mir sogar wünschen, dass die Leute die vorgestellten Konzepte verstehen und sie berücksichtigen.

Lesefreude: Denken Sie, dass Sie mit ihren Büchern die Welt verändern können, die Menschen zum Nach- und Umdenken bringen bzw. stellen Sie diesen Anspruch überhaupt?

Marc Elsberg: Die Welt ändert sich ohnehin die ganze Zeit. In erster Linie will ich unterhalten und zum Nachdenken anregen. Alles andere folgt von selbst.

Lesefreude: Sie wurden als bisher einziger Autor zweimal mit dem „Wissensbuch des Jahres“ in der Kategorie Unterhaltung („Blackout“ 2012, „Zero“ 2014) ausgezeichnet. Wie entwickeln Sie den Trade-off zwischen Verfolgungsjagd/Action und dem wissenschaftlichen Aspekt in ihren Büchern? Wie finden Sie das „richtige“ Verhältnis und warum nimmt die Verfolgung in „Gier“ einen derartig großen Teil ein?

Marc Elsberg: Ich weiß nicht, ob es das richtige Verhältnis Action/Wissen gibt. Da braucht jede Geschichte ein anderes. Ich würde sogar denken, dass es in den vorangegangenen Büchern mehr Action gibt als in ‚Gier‘. In ‚Gier‘ ist sie bloß konzentrierter auf Berlin, auf eine Verfolgungsjagd und Demonstrationen, während vor allem in ‚Blackout‘ und  ‚Helix‘ noch andere Action vorkommt. Dafür sind die auch länger.

Gier - Marc Elsberg

Lesefreude: Die Grundidee zu „Gier“ basiert auf wissenschaftlichen Arbeiten von Ole Peters und seinem Team am London Mathematical Laboratory. Wie finden Sie derartige Ausgangspunkte für Ihre Bücher? 

Marc Elsberg: In diesem Fall durch reinen Zufall während der Recherche zu einem völlig anderen Thema. Ähnlich war es bei ‚Blackout‘. Bei ‚Zero‘ und ‚Helix‘ dagegen hatte ich die Entwicklungen schon lange verfolgt und dann eben Romane daraus gemacht.

Lesefreude: Was hat sie dazu bewogen unter ihrem Pseudonym Marc Elsberg zu veröffentlichen? Und wie erklären Sie sich den Erfolg von Marc Elsberg?

Marc Elsberg: Der Grund für Marc Elsberg war der Verlags- und Genrewechsel. Der Erfolg von Marc Elsberg hat viele Gründe: erster und wichtigster – Zufall. Das richtige Buch zur richtigen Zeit geschrieben zu haben: ‚Blackout‘. Zweiter Grund: fundierter Recherche zu hochaktuellen, aber bislang unterbeleuchteten Themen, verknüpft mit spannender Handlung. Dritter: ein Verlag und sein Team, die meine Bücher verlegen. Und diverse Leute, die mich bei alldem unterstützen, angefangen bei meiner Frau über meinen Agenten und andere.

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6 comments

  1. Marc Elsberg ist meiner Meinung nach schon lange kein Laie mehr bei den Themenbereichen, die er in seinen Thrillern anspricht. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie er so viel Wisssen in einen spannenden Roman packen kann und trotzdem noch tolle Unterhaltung dabei herauskommt und kein trockenes Sachbuch und wie sehr seine Prognosen tatsächlich schon Wahrheit geworden sind. Vor dieser Recherche ziehe ich echt den Hut. Und ich kaufe seine Bücher zum einen natürlich wegen der packenden Story, aber tatsächlich auch, weil man daraus viel über ernste Themen lernen kann und sich darauf verlassen kann, dass die Fakten stimmen.
    Soweit das Fangirling von mir *lach*.
    Gier liegt hier schon zum lesen bereit und ich freue mich sehr darauf.
    Liebe Grüße
    Gabi

    1. Hallo Gabi!

      Ja, besonders die sehr gründliche Recherche ist der USPs an Marc Elsbergs Bücher. Dass man dann auch noch gut unterhalten wird, ist ein angenehmer Nebeneffekt.
      Ich wünsche dir viel Spaß mit „Gier“ und bin auf deine Meinung gespannt.

      Liebe Grüße
      Sabrina

  2. Hallo Sabrina!
    Danke für das interessante Interview. ich habe „Gier“ in meiner Bücherei natürlich schon vorbestellt, aber wenn ich es erhalten werde, weiß ich noch nicht.

    Ich wollte dir allerdings noch etwas zu einem anderen Thema sagen, falls du es noch nicht weißt:
    Zdenka Becker liest
    Do, 21. März, 19 Uhr – Stadtmuseum St. Pölten, Prandtauer Strasse 2, 3100 St. Pölten
    Do, 28. März, 18 Uhr – NÖ Landesbibliothek St. Pölten, 3109 St. Pölten

    Ich habe das Buch schon beendet und fand es sehr gut und werde sicher bei einer der beiden Lesungen dabei sein.

    Liebe Grüße
    Martina

    1. Hallo Martina!

      Vielen Dank für den Veranstaltungstipp. Ich hab das neue Buch von Zdenka Becker leider noch nicht gelesen, aber es liegt bereits griffbereit neben mehr. Eine Lesung mit ihr würde mich sehr interessieren. Donnerstag ist bei mir jedoch Yoga-Tag und somit weiß ich noch nicht genau, ob ich das schaffe.

      Liebe Grüße
      Sabrina

  3. Liebe Sabrina,

    danke für das gute Interview, wenn es nach meinem Geschmack auch etwas kurz ist. :))))

    Ich wusste gar nicht, dass Marc Elsberg ein Pseudonym ist. Kennst Du seine Romane, die unter seinem Klarnamen erschienen sind? Da muss ich ja gleich mal googlen.
    Ich hoffe jedenfalls, dass wir noch viele Bücher mit so heißen Themen von ihm lesen dürfen. Er gehört definitv zu meinen Lieblingsautoren.

    Liebe Grüße
    Petrissa

    1. Hallo Petrissa!

      Ich habe das Interview bei einem Gewinnspiel des Verlags gewonnen und da war die Anzahl der Fragen leider limitiert. Nichtsdestotrotz bin ich super happy, dass ich überhaupt die Chance zu diesem Interview hatte :)

      Ich habe bis jetzt noch kein Buch von Marc Elsbergs Klarnamen gelesen. Die Krimis finde ich zumindest vom Klappentext her sehr ansprechend. Sie wirken im großen Unterschied zu den Elsberg Krimis wie „normale“ Krimi ohne derartig fantastisch recherchierten wissenschaftlichen Background.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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