Luzifer am Fuße des Stift Melks
Querbeet

Luzifer am Fuße des Stift Melks

Das Ambiente für die Aufführung von Luzifer bei den Sommerspielen in Melk könnte kein besseres sein. Am Fuße des Stifts Melk ragt ebenjenes im Hintergrund beeindruckend empor. Die Bühne selbst gleicht einem Schrottplatz. Wie Intendant Alexander Hauer im Einführungsgespräch verrät war am Ort der Bühne vor vielen Jahren der Schrottplatz von Melk. Der Müll ist also quasi herauf gewachsen.

Alleine schon für dieses geniale Bühnenbild von Daniel Sommergruber lohnt sich ein Besuch. Bei längerer Betrachtung offenbart sich immer wieder ein neues faszinierendes Detail. Der perfekte Schauplatz für Luzifers „Theater des Bösen“ zu dem er natürlich auch Gott eingeladen hat. An diesem Abend soll die Frage geklärt werden, wer denn nun wirklich für das Böse verantwortlich ist. Luzifer möchte uns zeigen, dass auch Gott daran nicht unbeteiligt ist.

Sommerspiele in Melk - Luzifer - © Daniela Matejschek
© Daniela Matejschek

Bernhard Aichner, der Luzifer geschrieben hat, spannt zur Klärung dieser Frage einen breiten geschichtlichen Bogen. Von Amon Göth über Dschingis Khan, König Leopold II von Belgien bis hin zu Lynndie England und Fritz Haarmann blicken wir in das breite Spektrum der menschlichen Abgründe.

In einem Stück so rasch die Rollen zu wechseln, zeugt von großer Schauspielkunst. Dies gelang allen Schauspielern sehr gut. Doch die großartige schauspielerische Darbietung des Ensemble wurde von dem Chor- und Statisterie Ensemble „Bühne frei“ in den Schatten gestellt. Dass dieses Projekt erst 2017 für die Suche von Statisten für die Bartholomäusnacht ins Leben gerufen wurde, mag man ob der hohen Professionalität kaum glauben.

Als kleine Schweinchen verkleidet, starren die Statisten stur und anklagend in das Publikum. Es ist schwer den Blick von ihnen zu wenden und dem eigentlichen Stück seine Aufmerksamkeit zu schenken. Schließlich werden sie brutal ermordet. Und plötzlich wird Ihnen die Maske vom Kopf gerissen und die unpersönliche Masse der Juden erhält ein menschliches Gesicht. Gleich zu Beginn des Stückes möchte man aufgrund dieser so plakativ und eindringlich vor Augen geführten Grausamkeit schreiend davon laufen.

Armon Göth und "Bühne frei"
© Daniela Matejschek

Dachte man das Chor- und Statisterie Ensemble hat nun schon alles gezeigt was es kann, liegt man falsch. Mit der menschlichen Inszenierung von Rubens „Der Höllensturz der Verdammten“ fällt es dem Publikum ein weiteres Mal schwer seine Augen von den Statisten zu lösen. In absoluter Ruhe verharren sie kunstvoll drapiert auf der Treppe. Diese Inszenierung ist von so unglaublicher Schönheit, dass selbst das Original hinten ansteht.

Doch ganz zum Schluss zeigt sich auf sympathische Weise, dass „Bühne frei“ doch noch keine Theaterprofis sind. Aufgestellt für den voluminanten Schlussapplaus blickt man in viele strahlenden Gesichter. Doch wer sich nun wann verbeugen soll, geht in ein kleines amüsantes Chaos über. Gut, es war erst die zweite Vorstellung und ich bin sicher, dass sich dies bei „Bühne frei“ auch noch einspielen wird.

Luzifer bei den Sommerspielen in Melk
© Daniela Matejschek

Doch zurück zum eigentlichen Stück. Die erste Hälfte lässt sich schlicht mit „grandios, fabelhaft, atemberaubend“ beschreiben. Zwar geht man aufgrund der vielen schrecklichen Szenen mit einem etwas mulmigen Gefühl in die Pause, aber so soll Theater ja auch sein. Theater soll die Zuschauer berühren und nachdenklich machen. Und dabei muss es auf keinen Fall immer nur lustig sein. Gerade diese Vielfalt ist wunderbar.

Die zweite Hälfte verkommt dann jedoch in eine seltsame Gameshow, die mich leicht irritiert zurücklässt. Ja, ich bin versucht zu sagen, die erste Hälfte hätte gereicht. Auch wenn man damit die Zuseher mit einem beklemmenden Gefühl nach Hause schicken würde.

Luzifer - Das Böse
© Daniela Matejschek

Zu guter Letzt war mir nicht immer ganz klar, wieso in manchen Szenen Gott und in anderen dann wiederum der Teufel als Schuldiger bzw. Verantwortlicher für das Böse auserkoren wurde.

Zusammenfassend bleibt zu sagen:

  • Tolle schauspielerische Leistung
  • Hervorragendes Bühnenbild und imposante Kostüme
  • Unglaublich großartige Statisten
  • Beklemmendes, tolles Stück

Also wer es noch nicht gemacht hat, schaut euch „Luzifer“ bei den Sommerspielen in Melk auf jeden Fall an.

Let’s talk

Muss ein Theaterabend immer lustig und fröhlich sein oder darf man das Publikum auch mal etwas nachdenklich, vielleicht sogar traurig und deprimiert nach Hause schicken?

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