Der Geizhals – Molière

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Der Geizhals -Moliere

Die Handlung

Harpagon ist ein Geizhals wie er im Buche steht. Seine Frau ist bereits verstorben und nun trägt er die Verantwortung für seine Tochter Elise und den Sohn Cléante. Die Kinder müssen zahlreiche Entbehrungen in Kauf nehmen. Denn Geld gibt der Vater weder für die Kinder noch für sich selbst aus.

Die Hochzeit seiner Kinder liegt Harpagon ihm im Magen. Schließlich ist dies ein kostspieliges Ereignis. Außerdem möchte Harpagon seine alten Tage nicht in Einsamkeit verbringen und spielt mit dem Gedanken ein weiters mal eine Frau zu heiraten. Eine möglichst bescheidene und sparsame – versteht sich von selbst.

Meine Meinung

„Der Geizhals“ oder heute meist „Der Geizige“ von Molière ist ein Prosameisterstück, das 1668 in Frankreich entstanden ist. Um die Geschichte besser einordnen zu können, zuerst ein paar geschichtliche Fakten. Denn gerade bei alten Klassikern ist es wichtig, sich die Hintergründe und Lebensweisen der damaligen Zeit zu verdeutlichen. Zu vorschnell könnte man derartige Literatur ansonsten als verstaubt und veraltet abstempeln. In „Der Geizhals“ ist es gerade das Flirt- und Heiratsverhalten, das sehr ungewöhnlich anmutet.

Der Geizhals -Moliere

Im 17. Jahrhundert war Frankreich die führende Macht in Europa. Sowohl politisch als auch kulturell gab Frankreich den Takt vor. Das 17. Jahrhundert war die Zeit von Ludwig XIV, der zumeist als der Sonnenkönig besser bekannt ist. Heiratspolitik war in den großen Häusern Europas und darüber hinaus Gang und Gäbe. Hochzeiten wurden arrangiert um die Macht zu festigen und selten der Liebe wegen geschlossen.

„Ich weiß, daß ich von einem Vater abhängig bin, daß mich der Name Sohn seinem Willen unterwirft; daß wir unser Herz nicht ohne die Einwilligung derer binden dürfen, die uns das Leben gegeben haben; daß der Himmel sie zu Herren über unser Herz gemacht und uns auferlegt hat, nur mit ihrer Erlaubnis darüber zu verfügen. Ich weiß auch, daß sie, von keiner törichten Liebesglut geblendet, viel weniger als wir der Täuschung ausgesetzt sind und so viel besser erkennen, was uns tauglich ist.“
Cléante zu seinem Vater Harpagon auf Seite 8

Dieser kurze Auszug aus „Der Geizhals“ gibt, das für uns heute glücklicherweise veraltete und befremdliche Verhalten der Eltern der Liebe bzw. Hochzeiten gegenüber ganz gut wieder. Die hochgehaltenen Eltern, denen man uneingeschränkt Ehre und Respekt zu erweisen hat. Ganz gleich wie daneben sich diese vielleicht sogar benehmen mögen.

Aus diesem Verhalten heraus, entwickelt Molière eine sehr witzige „Verwechslungskomödie“. Wie sooft zeigt sich, dass Reden und das Pendant Zuhören so viel Leid und Missverständnissen vorbeugen könnten.

Das kurze Zitat gibt den Schreibstil von Molière gut wieder. Es handelt sich um lange, verschachtelte Sätze, die teils auch von ihrem Satzbau für unser modernes Verständnis ungewohnt klingen. Ich mag dramatische Texte und finde es immer wieder faszinierend, wie es die Autoren schaffen, nur mit Dialogen, derartige Bilder und Welten in meinem Kopf entstehen zu lassen.

Personen in Der Geizhals -Moliere

Oftmals höre ich, dass Menschen von Klassikern aufgrund der Schreibweise zurückschrecken. Mein kleiner Geheimtipp. Lass dir Zeit beim Lesen. Mache bei jedem Beistrich gedanklich eine längere Pause als du es normal machen würdest. Lese Strichpunkte eher wie verschluckte Punkte. Ich stelle mir bei Strichpunkten oft vor, dass die Person sofort weiterspricht, um das gegenüber nicht zu Wort kommen zulassen. Dieses Vorgehen benötigt zwar zu Beginn etwas mehr Zeit, erschließt dir jedoch neue, wunderbare Welten. Und die Geschwindigkeit beim Lesen, kommt ganz von allein, sobald du dich an den Schreibstil gewöhnt hast.

Fazit

★★★★★

„Der Geizhals“ oder auch „Der Geizige“ ist eine ganz wunderbare Lesefreude. Man muss sich auf das Stück einlassen und in die doch recht andere Welt des Frankreichs im 17. Jahrhundert eintauchen. Wenn dir das gelingt, offenbart sich dir ein unterhaltsames und witziges Lustspiel.

Let’s talk

Obwohl ich keine Wort französisch spreche entdecke ich immer mehr französische Autoren – und dabei vor allem die Klassiker – für mich. So hat mir auch bereits „Fettklösschen“ von Guy de Maupassant hervorragend gefallen.

Erzähl mir in den Kommentar ob du Klassiker aus einem bestimmten Land besonders magst oder empfehle mir gerne deine liebsten französischen Autoren!

2 comments

  1. Hallo Sabrina,
    Dramen lese ich nicht so gerne, ausser ich möchte das Stück auch bald im Theater sehen.
    Doch ist dieses Buch sicher ein gutes Abbild der damaligen Zeit. Wir können uns sehr daran freuen, das sich viele Gepflogenheiten zum Glück geändert haben seitdem.
    Als französischen Klassiker möchte ich dir „Rot und Schwarz“ von Stendahl ans Herz legen.
    Aktuell liebe ich die Bücher von Delphine de Vigan (2018 ist Loyalitäten erschienen) und bin mitten in den Hörbüchern um Vernon Subutex von Verginie Despentes. Diese sind sicher etwas speziell, im Lesekreis kamen sie gar nicht gut an. Ich finde sie super, den dritten Teil muss ich allerdings noch hören.
    Viele Grüße
    Silvia

    1. Hallo Silvia!

      Ja, glücklicherweise ist heute vieles anderes. Ich mag es gerne von Zeit zu Zeit mich mit dieser vergangen Zeit auseinanderzusetzen. Bildet es doch dennoch die Grundlage für viele Verhaltensweisen und Gepflogenheiten heute.

      Danke für deine Tipps zu französischer Literatur. Sagt mir alles noch nichts und werde ich mir bestimmt näher ansehen.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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