Auschwitz-Birkenau Gedenkstätte
Reisen und Ausflüge

Auschwitz-Birkenau Gedenkstätte

Ein Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau wird jedem noch lange im Gedächtnis bleiben. Im Sinne von „Wider das Vergessen“ finde ich es enorm wichtig, dass Gedenkstätten wie Auschwitz-Birkenau erhalten bleiben und uns die Grausamkeiten deutlich vor Augen führen.

Oder um es mit den Worten George Santayana zu sagen „Those who cannot remember the past are condemned to repeat it.“ (deutsch: „Diejenigen, die sich nicht an die Vergangenheit erinnern können, sind dazu verurteilt, sie zu wiederholen.“)

Auschwitz

Ich kann es nur jedem empfehlen das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau im Zuge einer Führung (am besten der 6 stündigen „Study Tour“) zu besuchen. In der Ausstellung in den Baracken von Auschwitz sieht man viele Fotografieren. Unser Guide Anna kannte die Geschichten hinter den Bildern, wusste wie diese entstanden und gewährte uns so viel intensivere Einblicke.

Stammlager Auschwitz

Die Tour startet bei dem Welt bekannten „Arbeit macht frei“ Torbogen. Zu Beginn hatten noch viele Häftlinge die Hoffnung, dass sie wieder nach Hause dürfen wenn sie nur fleißig genug arbeiteten. Ein grausames und erniedrigendes Ritual war es für die Häftlinge begleitet von den Klängen des Lagerorchester durch diesen Torbogen in die Arbeit zu gehen und wieder zurückzukommen. Die Häftlinge mussten im Takt der Musik marschieren. Dies machte es den SS-Leuten leichter Häftlinge zu identifizieren, die zu schwach für weitere Arbeit waren.

Aschwitz - Arbeit macht frei

Die Ziegelbauten aus Auschwitz waren in ihrem ursprünglichen Zweck eine Kaserne des polnischen Militär. Die aus Filmen bekannten Holzbaracken gibt es in Auschwitz nicht. Diese befinden sich im einigen Kilometer entfernten Birkenau.

Im Stammlager in Auschwitz wurde im Krematorium I und der Gaskammer in einem ehemaligen Keller mit den Vergasungen mit Zyklon B begonnen. Vor der Befreiung wurde hier lediglich der Ofen zerstört. Im Gegensatz zur Birkenau wo die Krematorien II und III von den Nazis gesprengt wurden. Der Ofen im Krematorium I wurde wieder aufgebaut (von der selben Firma, die dies bereits 1940 übernahm).

Auschwitz

In den sogenannten Canadas wurden die Habseligkeiten der Häftlinge nach der Selektierung gesammelt. Da das Land Kanada seit jeher als besonders reich in den Köpfen der Polen verankert war, bekamen diese reichen Schatzkammern die Bezeichnung „Canadas“.

Im Museum in Auschwitz können diese Habseligkeiten aus den damaligen Canadas, die nach der Befreiung des Lagers gefunden wurden, betrachtet werden. Der Anblick ist erschreckend und lässt sich nicht in Worte fassen. Ein riesiger Berg an menschlichen Haaren und eine daraus produzierte Decke sowie diverse Prothesen . Das Lager war perfekt durchorganisiert und alles was vom menschlichen Körper verwertet werden konnte, wurde auch verwertet. Da zumindest zu Beginn der Deportationen viele wirklich noch an einen Neuanfang glaubten, nahmen die Menschen alles mit, was zum Leben benötigt wird. So gibt es einen gigantischen Schaukasten mit Geschirr sowie eine Ansammlung von Bürsten, Kämmen, Rasierpinseln.

Gedenkstätte Auschwitz Geschirr

Doch der für mich schrecklichste Anblick waren die Schuhe. Ein großer Schaukasten mit Kinderschuhen. Danach geht man in einen langen Raum. Auf beiden Seiten befindet sich ein circa 10-15 Meter langer, 2 Meter tiefer und 2 Meter hoher Schaukasten (man verzeihe mir, wenn die Abmessungen nicht exakt sind, da ich sie nur nach meinen Erinnerungen schätzen kann). In diesen beiden Kästen liegen unterschiedlichste Schuhe. Winterstiefel, hochhackige rote Schuhe, Sandalen – von Männern und Frauen, die zu allen Jahreszeiten nach Auschwitz gebracht wurden. Insgesamt sieht man hier 48.000 Paar Schuhe. Die Menge lässt einen schockiert den Atem anhalten und visualisiert das Ausmaß der Verbrechen. Wenn man in einer ruhigen Minute darüber nachdenkt, dass in diesen unglaublichen Bergen „nur“ 48.000 Schuhe zu sehen waren und in Auschwitz-Birkenau über eine Million (1.000.000) Menschen getötet wurden… Es ist nur ein kleiner Bruchteil, der hier sichtbar ist. Die richtigen Worte können hierfür nicht gefunden werden…

Gedenkstätte Auschwitz Prothesen

Birkenau

Nach der Besichtung der Holzbaracken zum Schlafen und Waschen ist man froh diese wieder verlassen zu können. Selbst wenn dies bedeutet, dass man in die eisige, verregnete Kälte nach draußen muss. Die anschließende Besichtigung der gemauerten Baracken ist beinahe noch schlimmer. Sie sind dunkler, enger, drückender. Was wie Regale aussieht waren Betten. Betten in denen bis zu 6 Menschen schlafen mussten. Matratzen gab es meist nicht. Auf der untersten Etage blieb nur mehr der Lehmboden.

Birkenau Holzbaracken
Holzbaracken in Birkenau
Birkenau Holzbaracke Toiletten
Sanitär-Holzbaracke in Birkenau
Birkenau gemauerte Baracken
Gemauerte Baracke in Birkenau

Birkenau liegt in einem Sumpfgebiet. Nach ein paar Stunden Regen (wie ich es miterleben durfte) verwandeln sich die Wege in Schlamm. Man stelle sich nun einmal vor wie diese Wege bei Regen waren, wenn tausende Menschen darüber liefen.

Bei meinem Besuch in Birkenau war das Wetter grässlich. In der kleinen „Study Tour“ Gruppe war niemanden zum Reden zu mute. Alle hingen ihren eigenen Gedanken nach. In Birkenau gibt es nichts zum Unterstellen. Auf der großen ebenen Fläche peitschen Wind und Regen unerbärmlich ins Gesicht. Auf dem langen Weg von der Judenrampe zum Krematorium (ca. 1 Kilometer) spürte ich wie langsam der Regen in meine Schuhe drang. Sich zu beschweren kommt hier niemanden in den Sinn. Birkenau bei diesem Wetter zu sehen ist einfach unbeschreiblich…. Ein Erlebnis, das einen prägt und bewegt.

Birkenau von der Judenrampe zum Krematorium
Der Weg von der Judenrampe zum Krematorium

WARUM?

Die Frage nach dem großen WARUM bleibt. Wie konnte das alles geschehen? Wo lagen die Anfänge? Wieso hat es niemand verhindert?

Wirft man dann einen Blick in die aktuellen Nachrichten und hört sich die Aussagen so mancher Politiker oder Mitmenschen an, gefriert einem das Blut in den Adern. So, genau SO fing alles an! Die Parallelen sind fürchterlich. Habt ihr wirklich bereits vergessen wo dieser blinde Hass und dieses Schüren von sinnlosen Ängsten hingeführt haben?

Birkenau

Lasst uns nicht mehr wegschauen! Auch wenn es sich manchmal anfühlt wie mit dem Kopf gegen eine Mauer zu laufen, wir dürfen nicht schweigen. Aggressiven, rassistischen Bemerkungen darf kein Nährboden gegeben werden. So beharrlich wie wir mit derartigen Aussagen und Verhalten konfrontiert werden, müssen wir erwidern!

Aus dem Bedürfnis heraus mehr zu erfahren. Jedes Detail aus der Geschichte aufzusaugen und daraus zu lernen, entstand die Challenge „Wider das Vergessen“. Bücher, Filme, Museen und Gedenkstätten – alles wird gesammelt um dem Vergessen keine Chance zu geben, denn „Those who cannot remember the past are condemned to repeat it.“

 

4 Kommentare

  1. Pingback: angeltearz liest - Aktion | Gebloggt aus dem Januar 2018
  2. Mir gefallen deine Fotos in diesem Beitrag! Sie sind schön.

    In Auschwitz war ich noch nicht, aber letztes Jahr mit meiner Schule in Dachau. Wir waren am einem heißen Sommertag da und die Aktion von unserem Lehrer fand ich genial: Er hat uns den großen Platz gezeigt, den man als erstes sieht, eine Übersicht über das KZ und uns die Geschehnisse berichtet. Er hätte auch in den Schatten gehen können, aber er hat uns erzählt, wie es den Menschen damals ging. Sie wurden jeden Morgen durchgezählt. Dabei mussten sie stramm stehen und wer nicht auffallen möchte, bewegt sich lieber nicht und gibt erst recht keinen Mucks von sich. Wenn neben einem jemand zusammenbricht, lieber ignorieren, denn wer auffällt, wird wahrscheinlich als nächstes erschossen. Fehlt jemand bei der Zählung, muss die ganze Menge solange warten, bis der Flüchtling wieder aufgetaucht ist. Und seien es 72 Stunden. Stramm stehen, im Winter bei Minusgraden oder im Sommer in der prallsten Hitze. Ohne Einschlafen oder irgendwas. Dass dies hart war, kann man sich zwar vorstellen, aber wenn man es am eigenen Leib erfährt und seien es nur 30 Minuten in der prallen Sonne, dann prägt sich das ein und man wird sich der Geschehnisse noch mehr bewusst. Hinterher hat mein Lehrer uns erzählt, er hat bisher nur die kompletten Wetterextreme erlebt, wenn er mit einer Klasse im KZ war: Entweder brennt die Sonne runter oder es ist mega kalt, windig und regnerisch.

    Mir und meinen Freundinnen ging es ähnlich wie dir. Wir konnten es einfach nicht begreifen, wie man so etwas machen kann, und waren sehr bedrückt. Zwar wurden in Dachau keine Leute vergast, weil die Befreiung zuvor gekommen ist, aber die Einrichtungen waren da und das ganze Drumherum auch.

    Erschrocken war ich, dass es Mädchen der anderen Klassen gab, die einfach so getan haben, als hätten wir irgendein Museum über keine Ahnung Baumwollherstellung oder so besucht. Sie kamen in Hosen, die nicht einmal die Pobacken bedeckten und waren auch währenddessen eher mehr nach dem Motto „Ooch, ich habe keine Lust mehr, wann fahren wir endlich?“ Und so weiter. Ich fand und finde das mehr als respektlos, aber was will man machen?

    Ich würde schon gerne einmal nach Auschwitz, aber ich denke auch allgemein sollte man auf jeden Fall einmal im Leben eine Konzentrationslager-Gedenkstätte besichtigt haben.

    1. Hallo Mila!

      Ja, ein Konzentrationslager sollte jeder einmal besuchen.

      In der Schule damals waren wir in Mauthausen. Ich weiß noch, dass ich das damals nicht so intensiv aufnehmen konnte, wie jetzt in Auschwitz. Wir waren alle mitten in der Pubertät und unsere Priorität etwas anders. Dennoch finde ich es wichtig, dass Schulen Ausflüge in Konzentrations- und Arbeitslager machen. Man wird niedas alle Schüler erreichen, dafür sind in einer Klasse einfach zu viele unterschiedliche Persönlichkeiten.

      Eine Freundin von mir ist beispielsweise ein sehr sensibler, mitfühlender Mensch. Als ich ihr von meinem Vorhaben erzählt habe nach Auschwitz zu fahren, war sie sehr interessiert aber beinahe geschockt. Sie könnte das nicht und würde vermutlich weinend zusammen brechen. Dabei geht es nicht um ein Verdrängen. Sie ist einfach feinfühliger als die meisten, was sie zu einem wunderbaren Menschen macht.

      Liebe Grüße
      Sabrina

      1. Du hast Recht, man kann nicht alle erreichen, doch hätte ich die Mädels einfach anders eingeschätzt, da ich mit ihnen mal befreundet war. Naja, was solls. Den letzten Satz hast du schön geschrieben, überhaupt mag ich deinen Schreibstil :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Ich stimme der Datenspeicherung zu