5 Fragen an Laura Louise Brawand

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Laura Louise Brawand - Titelbild

Mit „Femme Normale“ hat mir Laura Louise Brawand herrliche Lesestunden bereitet und mich auch etwas nachdenklich zurücklassen. Deshalb freue ich mich umso mehr, dass sich die junge Autorin meinen Fragen gestellt hat.

Lesefreude: Du bist selbst Journalistin. Im Gegensatz zu deiner Protagonisten hast du es bereits geschafft und bist Redakteurin und Reporterin. Wie groß ist der biografische Aspekt diesbezüglich in „Femme Normale“?
Haha, danke, ich fühl mich gerade sehr cool, weil du sagst, dass ich es „geschafft“ habe!

Laura Louise Brawand: Also, natürlich war es von Vorteil, dass ich aus Erfahrung wusste, wie TV-Berichterstattung genau abläuft und nicht jedes Detail für den Roman recherchieren musste. Aber hauptsächlich habe ich den Beruf der Reporterin für Lotti gewählt, weil meine Protagonistin einen Job haben sollte, der sie in viele verschiedene spannende Situationen bringen konnte. Und das ist bei einer Reporterin, die jeden Tag von einem anderen aufregenden Ort aus berichtet, definitiv der Fall.

Lesefreude: In „Femme Normale“ stellen zwei Unwetter Schlüsselszenen der Geschichte dar. Beim Sturmtief „Xavier“ hast du 2017 selbst bereits über eine derartige Katastrophe berichtet. Gibt es hier Parallel zum Buch oder hast du dabei vielleicht sogar die Idee zum Roman gehabt? Und wie weit begibt man sich bei derartigen Dreharbeiten als Journalist tatsächlich in Gefahr?

Laura Louise Brawand: Da gibt es keine Parralelen zu meinen eigenen Einsätzen. Was Lotti beispielsweise in Rom erlebt, ist doch um Einiges dramatischer, als alles, was mir jemals passiert ist – zum Glück! Natürlich begibt man sich als Reporterin immer direkt dorthin, wo gerade etwas Außergewöhnliches passiert – das kann manchmal Risiken mit sich bringen. Aber die Sicherheit der Reporter steht immer an erster Stelle.

Femme Normale - laura Louise Brawand

Lesefreude: Lottis Kollegin Louise versucht sich auf unfaire Art und Weise Vorteile zu verschaffen. Auch Lotti geht nicht immer ganz astrein mit Louise um. Woher kommt dieses Phänomen, dass wir Frauen uns lieber gegenseitig Schaden zufügen anstatt die Enerige zu verwenden um Synergien zu nutzen und uns gegenseitig zu unterstützen? Was kann man dagegen tun?

Laura Louise Brawand: Das ist wirklich sehr schade! Mir ist es ein großes Anliegen, dass wir Frauen uns gegenseitig unterstützen und fördern, statt uns miteinander zu vergleichen und als Konkurrenz zu betrachten. Dass das leider manche Frauen nicht tun, ist in meinen Augen gesellschaftlich anerzogenes Verhalten. Schließlich wird uns so oft eingeredet, dass wir miteinander konkurrieren müssen – zum Beispiel, wenn Klatschzeitschriften die Körper weiblicher Stars miteinander vergleichen.

Das Problem ist, dass durch solche medialen Botschaften eine Gefahr in unseren Köpfen entsteht, die in der Realität gar nicht da ist. Und Gedanken werden zu Taten. Darum müssen wir den öffentlichen Diskurs dringend ändern. Denn ich für meinen Teil möchte nicht in einer Welt leben, in der andere Frauen meine Feindinnen sind, sondern in einer Welt, in der wir Frauen idealerweise eine große Schwesternschaft sind, in der man sich gegenseitig fördert, unterstützt und abfeiert, was das Zeug hält!

Who’s with me?

Lesefreude: Lass‘ uns schnell noch das Interview fertig machen, dann geht’s los ;)
In „Femme Normale“ hast du eine tiefere Botschaft für den Leser, die am Ende auch recht explizit ausgesprochen wird. Was war zuerst da? Wusstest du von vornherein, dass du diese Botschaft vermitteln willst und hast eine Geschichte rundherum gebaut oder ist die Botschaft vielleicht versehentlich passiert?

Laura Louise Brawand: Ja, tatsächlich ist diese Botschaft der Grund, warum ich „Femme Normale“ geschrieben habe. Ich wollte meinen kleinen Teil dazu beitragen, jungen Menschen – und gerade Frauen – klarzumachen, dass sie keinen Erfolg haben müssen, um etwas wert zu sein. Das wird einem in unserer Leistungsgesellschaft ja oft suggeriert. Doch wie Matteo so schön sagt: „Ruhm ist wertlos. Das Glück alleine zählt.“

Das musste ich auch erst lernen!

Laura Louise Brawand

Lesefreude: Hast du Blut geleckt? Zugegeben dein Debütroman ist erst am 1. März erschienen und somit ist die Frage vielleicht etwas verfrüht. Dennoch, wird es weitere Romane von dir geben?

Laura Louise Brawand: Auf jeden Fall! Ich arbeite schon an meinem nächsten Roman und bin wahnsinnig aufgeregt! Es wird der erste Teil einer dreiteiligen Saga. Ein wenig anders als „Femme Normale“ natürlich, ein bisschen erwachsener und düsterer – aber auch mit viel Romantik und Humor. Und einer emanzipierten, starken und dennoch verletzlichen jungen Frau als Protagonistin.

Zum Inhalt verrate ich nur so viel: die Geschichte spielt in London, wo sich eine ambitionierte Zeitungsjournalistin in einen Interviewpartner verliebt, der ihr unerwartet Einblicke in eine der größten Verschwörungen der Menschheitsgeschichte gibt…

Lesefreude: Das klingt sehr spannend! Ich bin gespannt und freue mich auf weiteren Lesestoff von dir.
Vielen Dank für das Interview!

2 comments

  1. Hallo Sabrina!
    Das ist ja mal ein schönes Interview. Ich mag die Autorin auf Instagram sehr und habe ihr Buch auch auf meiner Leseliste stehen. Die Fragen fand ich klasse, weil man gemerkt hat, dass du dich mit der Autorin beschäftigt hast und es konkrete Fragen fahren, nicht so allgemeine 0815 Sachen. Und der Teaser am Ende! Himmelherrje, diese Geschichte muss ich dann sofort lesen!
    Ganz liebe Grüße
    Yvonne :)

    1. Hallo Yvonne!

      Schön, dass dir das Interview gefällt :D
      Ich gebe mir immer viel Mühe bei meinen Fragen. Ich will nicht jedem Autor bzw. jeder Autorin die selben Fragen stellen. Dennoch schleichen sich immer wieder Klassiker ala „Wie bist du zum Schreiben gekommen?“ ein. Diese Fragen versuche ich nur zu stellen, wenn ich aufgrund meiner Recherchen annehme, dass es eine interessante Geschichte zu erzählen gibt. Nicht immer liege ich damit richtig :D

      Liebe Grüße
      Sabrina

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