Das Haus des tauben Mannes – Peter Krištúfek

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Das Haus des tauben Mannes - Peter Kristufek

„Das Haus des tauben Mannes“ erzählt das Leben des slowakischen Arzt Alfonz Tronvský. Von den 1930er bis in die 1990er – nicht nur politisch eine turbulente Zeit.

Der Inhalt

Die Geschichte eines Lebens. Adam Tronvský löst sein Elternhaus nach dem Tod seiner Eltern auf. Er fährt zurück nach Břežany und erinnert sich an seine Kindheit, seine Eltern und das Leben in der Slowakei in den 1930er bis 1990er Jahren. Die Zwischenkriegszeit, der zweite Weltkrieg, die samtene Revolution – nicht nur politische eine mehr als bewegte Zeit.

Als Sohn eines angesehenen Arztes galt es von jeher eine Rolle zu erfüllen. Doch hinter der sorgfältigen Fassade sieht es oftmals ganz anders aus.

Meine Meinung

Ich habe gehoffte mit „Das Haus des tauben Mannes“ mehr über die Geschichte der Slowakei zu erfahren. Diese Hoffnung wurde voll und ganz erfüllt, wenn gleich es nicht immer leicht für mich war. Bei den vielen Namen und der politischen Unbeständigkeit bedarf es großer Aufmerksamkeit, um den Überblick nicht zu verlieren. Zudem geht der slowakische Autor von einem Grundwissen des Lesers aus, das bei mir nicht immer vorhanden war. Mit einem Glossar am Ende des Buches wird versucht, dem Leser Zusatzinfos zukommen zu lassen.

Das Haus des tauben Mannes - Peter Kristufek

Grafisch ist das Buch wunderschön gestaltet. Der Umschlag strahlt eine Wärme aus. Zeitgleich bröckelt die abgebildet Fassade vor sich hin. Das Vorsatzpapier zeigte vorne eine alte Ansicht von Břežany. Auf der Rückseite finden wir einen Stammbaum der Familie Tronvský. Bei den vielen Familienmitgliedern ist das ein willkommener Spickzettel.

Wir beginnen in der Zwischenkriegszeit. Die Familienmitglieder sowie das Leben im Dorf Břežany werden vorgestellt. Schnell erkenne ich, dass die slowakische Geschichte sehr bewegt ist. Wie ein Spielball, zwischen großen Mächten wird sie hin und her geschupft. Vorsichtig strebt die Slowakei Eigenständigkeit an. Doch bis es soweit kommt, steht ein weiter Weg bevor. Diesem ständigen politischen Wechselspiel müssen sich auch die Protagonisten notgedrungen hingeben. Kämpfte man gestern noch gegen die Russen, stand morgen vielleicht schon auf ihrer Seite. Uniform gewechselt und weiter geht der Kampf.

Das Haus des tauben Mannes - Peter Kristufek

Das Leben wird zu exakt nacherzählt und der Autor verliert sich in zu vielen Details. Dadurch wird „Das Haus des tauben Mannes“ zäh. Ich genieße es auf diese Weise etwas über das Leben in der Slowakei im 20. Jahrhundert zu erfahren. Allerdings werden viele irrelevante Erzählungen eingestreut. Hinzukommen unwichtig Anekdoten aus dem Leben von Personen in Břežany, die zum eigentlichen Verlauf der Geschichte nichts beitragen.

Zunehmend verliere ich aufgrund der vielen Zeitsprünge den Überblick. In welchem Jahr befinden wir uns? Dass man in einzelnen Absätzen immer wieder zu Adam zurückkehrt, der 2003 durch das mittlerweile leerstehende Haus streift, macht die Sache nicht einfacher. Eine zeitliche Abgrenzungen zumindest für die 8 Hauptkapitel würde eine wesentliche Erleichterung darstellen.

Die Anekdoten wirken immer zusammenhangsloser. Es wird wirr herum gesprungen und Fragmente schweben im Raum. Das Leben folgt selten einem klaren roten Faden. Doch die vielen Erzählungen, die auf 1-2 Seiten eingestreut werden, machen das Ganze noch schlimmer. Exemplarisch sei hier die Lebensgeschichte des Architekten des Wohnblocks in Bratislava garniert mit pseudophilosophischen Gedankengängen erwähnt.

Das Haus des tauben Mannes - Peter Kristufek

Zwischendurch musste ich das Buch fast zwei Wochen zur Seite lege. Es war mir schlicht zu viel. Sehnsüchtig habe ich mir ein Ende herbeigewünschte, das noch lange nicht in Sicht war. Mit etwas Abstand ging ich wieder an das Buch und fand es ganz okay. Dennoch will „Das Haus des tauben Mannes“ zu viel. Ich sehe darin mehrere Bücher – die Geschichte des Alfonz Tronvský, das Leben in Břežany und die Ereignisse rund um den zweiten Weltkrieg, dem sehr viel Raum gewidmet wird.

Fazit

★★☆☆☆

In „Das Haus des tauben Mannes“ fehlt ein klarer Fokus. Welche Geschichte möchte der Autor erzählen? Peter Krištúfek verliert sich in einer viel zu detailgetreuen Erzählung.

Auch wenn ich viel über die Geschichte der Slowakei erfahren durfte, war es beinahe Erleichterung als die letzte Seite von „Das Haus des tauben Mannes“ gelesen war und ich das Buch zugeklappt habe.

Der Braumüller Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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