Die Unwerten – Volker Dützer

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Die Unwerten - Volker Dützer

Frankfurt am Main, 1939. Die vierzehnjährige Halbjüdin Hannah bricht in einem Krampfanfall vor ihren Mitschülern zusammen. Konnte sie ihre Epilepsie bis jetzt verheimlichen, kommt das nun einem Todesurteil gleich.

Hannah leidet unter epileptischen Anfällen. Zur Zeit des Nationalsozialismus ist ihr Leben damit für die Gesellschaft nichts wert. Im Zuge der Aktion T4 werden Menschen mit geistiger, seelischer oder körperlicher Behinderung umgebracht. Laut Ansichten der Nationalsozialisten können Menschen mit einer derartigen Behinderung nichts zur Gesellschaft beitragen. Sie sind „Die Unwerten“.

1939 startend hat mich „Die Unwerten“ sofort in seinen Bann gezogen. Die vierzehnjährige Halbjüdin Hannah war mir sofort sympathisch. Halbjüdin und dann auch noch Anzeichen von Epilepsie, kommt 1939 einem Todesurteil gleich.

Die Unwerten - Volker Dützer

Es hat mir sehr gut gefallen, dass Volker Dützer aufzeigt, dass nicht immer alles Schwarz oder Weiß ist. Neben fanatischen Nazi, gab es Widerständler und auch Menschen, die sich langsam und widerwillige dem Regime gebeugt haben. Sie sahen keine andere Möglichkeit, um zu überleben. Gegen ihre Überzeugung haben sie dem NS-Regime gedient. Die Grausamkeiten und Wahnsinnstaten haben selbst die geistig Stärksten immer mehr abstumpfen lassen.

Deshalb fand ich die Figur des Gutachterarztes Joachim Luebeck sehr gelungen. Es zeigt exemplarischen wie das Streben nach Erfolg, Macht und Achtung Menschen zu widerwärtigen Dingen treibt. Zeitgleich wird hervorragend demonstriert, wie Luebeck zunehmend abstumpft.

Die Unwerten - Volker Dützer

Die Zeitspanne von 1939 bis zum Kriegsende hat Völker Dützer in „Die Unwerten“ hervorragend aufbereitet. Dies wäre für mich das perfekte Ende für das Buch gewesen. Denn nun paaren sich die Zufälle und teils glücklichen Fügen in einem enormen Maß. Alles was nun noch kommt, ist überzeichnet und wirkt aufgesetzt. Schade, denn bis dahin war das Buch fantastisch.

Besonders gelungen finde ich das Nachwort des Autor. Denn gerade bei Geschichten, die so nahe an der Realität sind, finde ich es wichtig, abschließend festzuhalten was historisch fundiert ist und wo sich der Autor schriftstellerische Freiheiten gegönnt hat. Verbrechen wie in „Die Unwerten“ in belletristische Romane zu verpacken, ist für mich eine hervorragende Chance, um sich auf eine leichtere Art und Weise mit sehr schweren Themen zu befassen. Der Zugang ist viel einfacher als über Geschichtsbücher oder Dokumentationen. Dennoch sorgt es dafür, dass man sich als Leser mit derartig ernsten Themen auseinander setzt und auch selbst noch ein bisschen recherchiert. Wie Volker Dützer richtig anmerkt, „…geht es im Roman wie in der Realität um Menschen und deren Lebenswege.

Die Unwerten - Volker Dützer

Fazit

★★★★☆

„Die Unwerten“ ist ein hervorragendes Buch, das sich mit der Aktion T4 beziehungsweise der sogenannten Euthanasie im Nationalsozialismus beschäftig. Volker Dützer zieht den Leser schnell in seinen Bann und erzählt fesselnd die Geschichte der vierzehnjährigen Halbjüdin Hannah mit Verdacht auf Epilepsie.

Schweren Herzens muss ich einen Stern abziehen. Der Schluss wirkt aufgesetzt und überzeichnet. Schade, dass „Die Unwerten“ nicht zum Zeitpunkt des Endes des zweiten Weltkrieg geendet hat.

Der Gmeiner Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

1 comment

  1. Liebe Sabrina,
    wie ich ja auch schon auf Insta kommentiert habe, bin ich genau deiner meinung. Das Buch war so gut und mit dem letzten Abschnitt hat es leider die verdiensten 5 Sterne verloren. Das ist wirklich schade, denn die Geschichte ist absolut lesenswert.
    Liebe Grüße
    Martina

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