Ein fesches Dirndl – Zdenka Becker

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Ein fesches Dirndl von Zdenka Becker

Die Handlung

Ankommen und Wurzeln schlagen. In der Fremde, in der neuen Heimat neu erblühen. Wie lange dauert das? Und kommt man überhaupt irgendwann an? Vor über 40 Jahren ist Bea nach Österreich immigriert. In „Ein fesches Dirndl“ berichtet sie von ihrem Ankommen, den ersten Gefühlen zu ihrer neuen Heimat und in ihrem Leben in Österreich.

Meine Meinung

„Ein fesches Dirndl“ ist Zdenka Beckers bis jetzt persönlichstes Werk. Bereits voriges Jahr hat sie mich mit „Samy“, der Geschichte eines dunkelhäutigen Jungen, der in Bratislava ohne Vater aufwächst und nicht weiß wo er hingehört, restlos begeistert. Dennoch ist ihr neues Werk noch um ein Vielfaches besser.

Ein fesches Dirndl - Zdenka Picker - Pinterest

In Tschechien geboren, in der Slowakei aufgewachsen und schließlich nach Österreich immigriert. Soweit die Stationen in Kürze zusammengefasst. Doch was weltmännisch und aufregend klingt, ist mit vielen Schwierigkeiten verbunden.

Es beginnt mit dem ganz normalen bürokratischen Wahnsinn auf Österreichs Behörden. Von der Anerkennung der Staatsbürgerschaft über das Anerkennen ihres Diplomstudiums und der Matura aus der Slowakei.  Nicht zu vergessen ist da natürlich die Sprachbarriere. Schnell erkennt Zdenka, dass die Sprache ihre einzige Möglichkeit ist, um in Österreich anzukommen, akzeptiert zu werden und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

„Die fremden Wörter, die sich heute noch wie Steine in meinem Mund anfühlen, werden eines Tages auch die meinen sein. Denn Sprache ist Macht. Wer sie beherrscht, hat schon halb gewonnen.“
Seite 37

Doch immer wieder entlarvt sie die Sprache als eine, die nicht hierher gehört. Doch wer gehört denn hierher? Österreicher treffen auf vertriebene Sudetendeutsche, und Sudetendeutsche auf immigrierte aus der ehemaligen Tschechoslowakei. Heute wohnen Sie Seite an Seite und beäugen sich noch immer kritisch.

Ein fesches Dirndl von Zdenka Becker

Die Entwurzelung von Bea war faszinierend zu lesen. Der Liebe wegen nach Österreich immigriert findet sie sich plötzlich ganz alleine in einem fremden Land mit fremder Sprache wieder. Doch Jammern ist nicht. In Bratislava wird von anderen Auswandern erzählt, die ein besseres Leben in Österreich habe und auch noch die zurückgelassene Familie unterstützen.

Da will Bea natürlich nicht jammern. Denn schließlich fehlt es ihr im Grunde genommen an nichts Lebensnotwendigem. Wenn gleich, dass was wir unter einem glücklichen Leben verstehen, ganz anders aussieht. Die Einblicke in diese schwierige Anfangszeit zu erhalten, die Rückschläge, die auf nahezu jeden Vorwärtsschritt folgen, haben mir wahnsinnig gut gefallen.

Zdenka Becker - Samy und Ein fesches Dirndl

„Ein fesches Dirndl“ beginnt vor kurz 40 Jahren als Bea immigriert. Im Laufe des Buches erzählt sie zudem immer wieder Anekdoten aus ihrer Kindheit. Und endet in der heutigen Zeit. Zdenka Becker spannt einen weiten Bogen von der Immigration damals zur Flucht heute. Sie gibt Einblicke in unterschiedlichste Schicksale.

Ich hoffe Zdenka Becker kann mit ihrem wunderbaren Buch zu etwas mehr Verständnis und der Auferstehung der Menschlichkeit beitragen.

Fazit

★★★★★

„Ein fesches Dirndl“ ist das beste Buch, das ich bis jetzt in diesem Jahr gelesen habe. Ich bin mir sicher, es wird in meinen Jahreshighlight ganz weit vorne mit dabei sind. Wenn es den überhaupt ein Buch schafft es vom Thron zu stoßen. Ich liebe jede einzelne Seite, jeden Satz und jedes Wort in diesem Buch.

Ein fesches Dirndl von Zdenka Becker

Ja selbst das Cover ist grandios. Das Mädchen vor der unendlichen Weite des Himmels dessen Gesichtsausdruck wir nicht sehen können. Doch beim Aufklappen des Buches sehen wir plötzlich ihr Gesicht. Ein hoffnungsvoller, fröhlicher Gesichtsausdruck. So voller Lebensfreude, dass es ansteckend ist.

Der Gmeiner Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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2 comments

  1. Hallo Sabrina,
    ich war schon sehr gespannt auf deine Rezension zu „Ein fesches Dirndl“ und kann dir nur Recht geben zu seinen Sätzen über das Buch. Eine tolle Rezension und wirklich schade, dass du bei der Lesung nicht dabei sein konntest.
    Liebe Grüße
    Martina

    1. Hallo Martina!

      Ich bereue es nicht bei der Lesung gewesen zu sein. Ich wusste damals noch nicht, wie unfassbar gut mir das Buch gefallen wird. Ja, und auch dich hätte ich gerne mal persönlich getroffen. Ich hoffe, dass ich beides bald nachholen kann.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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