Google unser – Christian Hoffmeister

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Pray - Bücher sind meine Religion

Der Inhalt

Die Digitalisierung wird wie ein Gott verehrt. Google, Facebook, Apple und Co sind schon längst viel mehr wie eine Glaubensgemeinschaft und wir die Gläubigen, die diese gottgleichen Unternehmen verehren. Christian Hoffmeister geht diesem Phänomen auf die Spur.

Meine Meinung

„Google unser“ ist ein durchaus provokativer Titel, der meine Aufmerksamkeit erregte. Gerade in einer Zeit in der zunehmend unter religiösen Motiven unsägliche Verbrechen begangen werden, wirkt diese Gleichsetzung von Google und Co mit einer Religion grotesk.

Christian Hoffmeister definiert zuerst den Begriff der Religion allgemein. Er erklärt die Beweggründe, warum so viele nach einer bestimmten Religion leben und sich den damit einhergehenden Pflichten unterwerfen. Dabei schafft er es sehr gut, dies zu tun ohne auf eine bestimmte Religion einzugehen.

Google unser - Christian Hoffmeister

Schnell wird dem Leser so verdeutlicht, dass die Grundelemente, auf denen die einzelnen Religionen aufbauen sehr ähnlich sind. Ja, und vor allem auch die Mechanismen, die die Menschen dazu bringen Dinge zu tun, funktionieren ähnlich.

An dieser Stelle wird Durchhaltevermögen gefordert. Denn der Autor entgeht nur knapp der Versuchung in eine allgemeine Abhandlung über die Mechanismen von Religionen zu verfallen. Zunehmend drängte sich mir die Frage auf, was das ganz nun mit den angeprangerten Unternehmen zu tun hat.

Zusätzlich erschwert wurde mir das Durchhalten mit meiner digitalen Ausgabe des Buches, die leider teilweise etwas zerstört und durchgerüttelt wirkt. So finden sich die Fußnoten plötzlich mitten im Text und nicht, wie für eine digitale Ausgabe empfehlenswerter, gesammelt am Ende des Buches.

Doch schließlich bekommt Christian Hoffmeister doch noch die Kurve und zeigt warum Ökonomie heute vielen als Ersatzreligion dient. Das Geld der Facebook, Google und Co Gründer symbolisiert, dass diese von Gott auserwählt wurden.

Dem Garagenmythos entsprungen haben, alle eine faszinierende Entstehungsgeschichte. Und sieht man sich die Ziele bzw. Missionen der Unternehmen an, klingen diese viel höher und als eine Wohltat für die allgemeine Bevölkerung. Sei es die Menschen näher zusammenzubringen oder die Information aufzubereiten und allen zur Verfügung zu stellen. Wer kann es den Unternehmen da dann noch verübeln, dass bei der Erfüllung ihrer Mission der ein oder andere Euro für sie abfällt.

Pray - Googel unser - Christian Hoffmeister

Digiligion, die digitale Religion ist also die Zukunft. Neben dem Gründermythos sorgt die Quantenphysik, AI und Co für einen weiteren Mythos. Technologien, Prozesse und Theorien, die so komplex sind, dass sie nur von Wenigen verstanden und entsprechend angewendet werden können.

Der angebissene Apfel wird zum Kreuz der Neuzeit. Ja, selbst religiöse Symbole werden in der Digiligion angewendet. Und auch das Teilen, das wir bereits aus der Bibel kennen, wird in der Digiligion á la „Sharing is caring“ hochgehalten.

Die Verblendung nimmt bereits ihren Lauf. Wahrscheinlichkeiten werden immer mehr akzeptiert als absolute Wahrheiten. Dabei werden diese oftmals falsch interpretiert oder drängen uns in eine ungünstige Richtung. Bei einer Regenwahrscheinlichkeit von 30% wird das Nachmittagsprogramm lieber nach innen verlegt. Immerhin sind 30% ganz schön viel. Dass diese 30% im Umkehrschluss jedoch bedeuten dazu es zu 70% nicht regnet vergegenwärtigen wir uns viel zu selten.

Pray - Bücher sind meine Religion

Fazit

★★★☆☆

Alles in allem stellt Christian Hoffmeister in „Google unser“ viele spannende und auch nachvollziehbare Theorien zur Digiligion dar. Der ökonomische Teil in meinem Kopf fängt sofort zu arbeiten an und überlegt wie man die Mechanismen und Mystifizierung in der eigenen Marketingstrategie integrierten könnte.

Neben den anregenden Impulsen werden große Teile des Buches jedoch unnötig in die Länge gezerrt. Neben dem erwähnten anfänglichen viel zu langen Ausflug in die Religion allgemein, läuft Hoffmeister immer wieder Gefahr abzuschweifen.

NetGalley hat mir ein ebook zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Let’s talk

Sind Facebook, Google, Apple und Co die Religionen der Neuzeit?

4 comments

  1. Schade, dass der Autor das Thema nicht ein wenig besser umgesetzt hat. Wir sollten uns auf alle Fälle kritisch damit auseinandersetzen.
    Als Religion hätte ich unsere Affinität zu diesen digitalen Riesen nicht bezeichnet, aber es ist ein sehr interessanter Gedankenansatz.
    Darüber lässt es sich super diskut!
    Viele liebe Grüße
    Silvia
    #litnetzwerk

    1. Hallo Silvia!

      Also Religion würde ich persönlich diese Affinität auch nicht bezeichnen.
      Allerdings zeigt Christian Hoffmeister doch eine „Strategie“, die sowohl bei den Religionen als auch bei den Unternehmen sehr ähnlich sind, um treue Anhänger zu generieren.

      Liebe Grüß
      Sabrina

  2. Als ich Deinen Beitrag zum ersten Mal gesehen habe, bin ich schon alleine wegen des Titels sehr neugierig geworden. Schade, dass das Buch Längen für Dich hatte. Ich weiss nicht, wie es Dir dann geht, bei Längen lege ich ein Buch gerne mal weg, scheue mich aber dann, es wieder in die Hand zu nehmen.

    1. Hallo Daggi!

      Ja, das war bei diesem Buch definitiv so. Ich hab dazwischen sogar mehrere Tage und einmal über eine Woche Pause gemacht. Dennoch hat mich das Thema interessiert und so bin ich letzten Endes doch noch dran geblieben.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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