Sonnenuntergang im Prater - Peter Altenberg
2 Sterne Klassiker

Sonnenuntergang im Prater – Peter Altenberg

Der Inhalt:

„Sonnenuntergang im Prater“ ist eine Sammlung von 55 impressionistischen Prosawerken des Wiener Bohemien Peter Altenberg. Diese entstammen verschiedenen Werken wie beispielsweise „Wie ich es sehe“, „Märchen des Lebens“, „Ashantee“ oder „Neues Altes“. Eine 12-seitige Zusammenfassung über Peter Altenbergs Leben rundet diese Ausgabe aus dem Reclam Verlag ab.

Meine Meinung:

Gerade bei Klassikern ist es immer wichtig, sich etwas mit der Zeit und den Lebensumständen, unter denen das Werk entstand ist, zu befassen. Ansonsten droht die Gefahr, dass man Verhaltensweise der Protagonisten nicht nachvollziehen kann. Denken wir nur an das plakative Thema der Rollenverteilung. Dieses hat sich in den vergangen Jahre stark verändert. So ist ein Prosawerk, das vor über 100 Jahren entstanden ist, unter anderen Gesichtspunkten zu betrachten als moderne Literatur.

Peter Altenberg (bürgerliche Name Richard Engländer) lebte von 1859 bis 1919 in Wien. In jener Zeit also die man als „Belle Epoque“ bezeichnet. Die Belle Epoque umfasst einen Zeitraum von circa 30 Jahren. Ihr Ende wird zumeist mit dem Ausbruch des ersten Weltkriegs 1914 datiert.

Sonnenuntergang im Prater - Peter Altenberg

In was für einer Zeit schrieb Peter Altenberg also seine impressionistischen Prosawerke? Nun, die Menschen fand sich nach dem Deutsch-Franzöischen-Krieg (1870-71) in einer ungewohnt friedlichen Zeit. Es war ein deutlicher wirtschaftlicher Aufschwung zu spüren und die industrielle Revolution nahm ihren Lauf. Die Menschen hatten also Zeit und Muse sich den schönen und angenehmen Dingen im Leben zu widmen.

Natürlich darf man sich die „Belle Epoque“ nicht als eine völlig sorgenfreie Zeit vorstellen. Denn schließlich gab es genug Menschen, beispielsweise Bauern und Landarbeiter, die schwer arbeiten mussten und ums Überleben kämpften. Vor allem in der Gesellschaftsschicht des mittleren Bürgertums und darüber, ist ein gewisser Müßiggang und Lebensgenuss nicht zu verleugnen. Konzerte, Picknickfahrten und lustige Stunden in Cafés und Salonen wurden für diese Schicht zum Alltag. Hinzu kommen die durchwegs positiven Aussichten für die Zukunft – wirtschaftlich, technisch, wissenschaftlich sowie politisch.

Im Prater - Riesenrad

Und ebenjene schönen Zeit des leichten Lebens fasst Peter Altenberg in seinen Prosastücken auf. Die 55 Werke sind allesamt sehr kurz und selten länger als 2-3 Seiten. Peter Altenberg beschreibt auf diesen wenigen Seiten die Umgebungen detailliert mit einer Vielzahl an Adjektiven. Die Wirklichkeit steht im Vordergrund und nicht die Wahrnehmung durch Protagonisten. Trotzdem bekommt man ein Gefühl für die Empfindungen der Personen in seinen Stücken.

Die Menschen wirken allesamt etwas orientierungslos. Die viele Freiheit und das Leben in einer Welt ohne Angst vom drohenden Krieg scheint sie beinahe zu überfordern. Zwar genießen sie die Herrlichkeiten des Lebens, können sich aber dennoch nicht so richtig fallen lassen.

Reflektiere ich über das Gelesen erkenne ich viele Parallelen zu unserer heutigen Zeit. Obwohl wir alles haben was zum Überleben notwendig ist und noch viel mehr, mag sich das Glück nicht einstellen. Auf der Suche nach einem tieferen Sinn, einer Aufgabe irren die Menschen orientierungslos und oftmals antriebslos durch das Leben.

Obwohl Peter Altenberg zum Großteil von den schönen Dingen im Leben schreibt, bleibt so letzen Endes doch ein seltsame dunkle Schwere zurück.

Fazit

★★☆☆☆

Und dennoch bleiben letzten Endes nur zwei Sterne über. Keine der 55 Geschichten konnte mich packen. Keine der 55 Geschichten möchte ich gerne mit Freunden teilen. Denn jede Geschichte plätschert so vor sich, scheinbar ohne tieferen Sinn. Zwar gibt uns Peter Altenberg einen ganz guten Eindruck über das Leben im mittleren bis gehoberen Bürgertum rund um die Wende vom 19. in 20. Jahrhundert, mehr aber auch schon nicht.

Klassiker hin oder her am Ende waren es mir zu viele kurze Prosastücke, die eine nüchterne Abbildung der Wirklichkeit beinhalten. Dabei streichen diese Abbildung lediglich sanft über die Oberfläche und lassen Details und Tiefgang missen.

Let’s talk

„Sonnenuntergang im Prater“ konnte mich leider nicht erreichen. Erzähle mir von einem Klassiker, der dir nicht gefallen hat und warum in den Kommentaren!

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