Ich bin ein Laster – Michelle Winters

Klappentext

„Während er ihr seine Lügen auftischte, beobachtete sie ihn geradezu erheitert und wartete darauf, dass er sich verhaspelte.“

Meine Meinung

Im kanadischen Nirgendwoland führen Agathe und Réjean eine scheinbar perfekte Ehe. Harmonisch, leidenschaftlichen und seit Jahren glücklich. Über die ein oder andere kleine Lüge wird geflissentlich hinweggeschaut. Doch eines Abends kehrt Réjean nicht nach Hause zurück. Sein Auto wird am Straßenrand gefunden von ihm selbst fehlt jede Spur.

Die Welt bleibt für Agathe stehen. Das scheinbar perfekte Paar war sich selbst genug und so kann Agathe auch nicht auf Freundschaften zurückgreifen. Langsam beginnt sie sich ein neues Leben aufzubauen. Doch es bleibt eine Lücke und Trostlosigkeit.

Ich bin ein Laster - Michelle Winters

Gefühlvoll reißt mich Michelle Winters mit „Ich bin ein Laster“ mit. Dabei bedient die Autorin keine Klischees und schafft es immer wieder mich zu überraschen. Die Trostlosigkeit krallt sich in mein Herz nur um wenig später von erwartungsvoller Erregung abgelöst zu werden.

Neben dieser tiefen, sinnlichen Beziehung zeigt Michelle Winters wie anglo- und frankophone Kultur in den 80er Jahren in Kanada aufeinander prallen. Nationalsozialistische Vergleiche kommen mir bei diversen Situationen in den Kopf. Die Gegensätze zwischen französischem Folk und englischem Rock oder zwischen Chevy und Ford scheinen unüberbrückbar.

Ich bin ein Laster - Michelle Winters

Ich bin ein Laster - Michelle Winters

Etwas genervt war ich von den vielen französischen Sätzen. Wenngleich man sie nicht verstehen muss, da die Übersetzung beziehungsweise die Bedeutung direkt folgt, finde ich so etwas dennoch immer ermüdend. Ein kleiner Kritikpunkt, der letzt Endes dazu führt, dass ich einen Stern abziehen muss.

Last but not least, finde ich das Design der Salto-Reihe aus dem Wagenbach Verlag sehr ansprechend. Das handliche Hochformat mit dem roten Leineneinband sticht sofort ins Auge.

Fazit

★★★★☆

Gefühlvoll, sensible und ergreifend schreibt Michelle Winters. Die Vorzeigeehe von Agatha und Réjean sowie die tiefe Liebe des Paares ist wunderschön. Dabei ist „Ich bin ein Laster“ alles andere als kitschig – eine rasante, kriminale, leidenschaftliche Geschichte.

Ein kleiner Kritikpunkt, der letzt Endes dazu führt, dass ich einen Stern abziehen muss, sind die vielen französischen Sätze.

Vielen Dank an den Wagenbach Verlag für das Rezensionsexemplar.

Ich bin ein Laster - Michelle Winters

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