Thebanische Trilogie von Sophokles

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Sophokles - Antigone - Ödipus

Die thebanische Trilogie von Sophokles besteht aus

  • Antigone (Uraufführung 442 v. Chr.)
  • König Ödipus (429 v. Chr.)
  • Ödipus auf Kolonos (401 v. Chr.)

Diese drei Stücke Sophokles befassen sich mit der griechischen Mythologie und gehören zu den Labdakidensagen. Die Labdakiden sind das Herrschergeschlecht in Theben in der griechischen Mythologie.

König Ödipus

Das wohl bekannteste Werk des griechischen Dichters Sophokles (496-406 v. Chr.) ist König Ödipus. Ein Orakelspruch besagt, dass Ödipus (damals noch ein Baby) seinen Vater töten wird und seine Mutter heiraten. Die Sprüche des Orakels waren gefürchtet und so versuchte König Laos die Erfüllung der Prophezeiung zu verhindern, in dem er seinen Sohn töten lassen wollte. Doch der Diener bringt dies nicht übers Herz und setzt Ödipus im Wald aus.

Und so wächst Ödipus bei seinen Zieheltern, dem korinthischen König und Polybos und Merope auf. Ödipus weiß nicht, dass er nicht bei seinen leiblichen Eltern aufwächst. Das Orakel ist hartnäckig und so spricht es erneut zu Ödipus, dass er seinen Vater töten wird und mit seiner Mutter in Schande leben.

Um dies wiederum zu verhindern, flieht Ödipus ausgerechnet nach Theben. Auf dem Weg nach Theben töten aufgrund eines unglücklichen Streites unwissend tatsächlich seinen leiblichen Vater Laos. Später heiratet er seine Mutter Iokaste und bekommt mit ihr 4 Kinder.

Doch „König Ödipus“ ist mehr als dieses Drama. Es beschäftigt mit großen Frage, unter anderem wie viel im Leben vorbestimmt ist und was wir selbst in der Hand haben. Aber auch Schuld und Unschuld werden thematisiert und das verschließen der Augen vor der Wahrheit.

Sophokles - Antigone - Ödipus auf Kolonoss

Ödipus auf Kolonos

Ödipus auf Kolonos ist das am wenigsten bekannte der drei Stücke. Es wurde erst 401 v. Chr. nach Sophokles Tod uraufgeführt. Die Geschehnisse aus „Ödipus auf Kolonos“ liegen zwischen jenen von „König Ödipus“ und „Antigone“.

Der erblindete, vergreiste Ödipus wurde aus Theben vertrieben. Aufopferungsvoll kümmert sich seine Tochter Antigone um ihn. Ödipus möchte am heiligen Eumenidenhain um Vergebung bitten. Doch das Leben hat Ödipus noch nicht genug gestraft.

Ein Zwist ist zwischen Ödipus‘ Söhnen Polyneikes und Eteokles ausgebrochen. Polyneikes wurde von seinem Bruder aus Theben vertrieben. Polyneikes möchte nun seinem Vater Ödipus zurück auf den Thron verhelfen, um so später diesen zu beerben. Doch Ödipus verflucht seinen Sohn, der ihn im Stich gelassen und sich nicht um ihn gekümmert hat. Er prophezeit, dass sich die Brüder im Kampf gegenseitig töten werden.

Polyneikes hat Angst vor der Prophezeiung seines Vater und nimmt seiner Schwester Antigone das Versprechen ab ihn zu begraben. Als Ödipus letztlich stirbt, kehrt Antigone nach Theben zurück, um den Kampf zwischen ihren Brüdern zu verhindern.

Sophokles - Antigone - Ödipus

Antigone

„Antigone“ war das erste der Stück der thebanischen Trilogie, das uraufgeführt wurde. Antigone wird neben dem großen Drama „König Ödipus“ ebenfalls sehr häufig aufgeführt und erfreut sich großer Beliebtheit.

Antigone ist nach Theben zurückgekehrt und mit Haimon, dem Sohn von König Kreon, verlobt. Doch wie es sich für die griechische Mythologie gehört, lässt das Drama nicht lange auf sich warten.

König Ödipus Prophezeiung aus „Ödipus auf Kolonos“ erfüllt sich und seine Söhne Polyneikes und Eteokles töten sich gegenseitig im Kampf. König Kreon erlässt, dass der verbannte Polyneikes nicht begraben werden darf. Gemeinsam mit ihrer Schwester Ismene möchte Antigone ihrer Bruder, wie in „Ödipus auf Kolonos“ versprochen, begraben.

Ismene fürchtet sich vor den Konsequenzen dieses Regelverstoßes und so schreitet Antigone alleine zur Tat. Der Zorn Königs Kreons ist unerbittlich. Lebendig lässt er Antigone einmauern. Dies hat eine Reihe von Selbstmorden zur Folge und König Kreon steht am Ende alleine da. Seine zukünftige Schwiegertochter Antigone, sein Sohn Haimon und seine Frau Eurydike begehen Selbstmord.

Sophokles - Antigone - Ödipus

Griechische Mythologie und Hintergründe

In Anbetracht der Tatsache, dass „Antigone“ sich doch in einigen Punkten auf „Ödipus auf Kolonos“ bezieht, ist es doch erstaunlich, dass dieses Stück so unbekannt ist. Zugegeben man kommt schnell in die Geschichte hinein und es nicht notwendig alle drei Stücke in der inhaltlich korrekten Reihenfolge zu lesen. Tut man dies jedoch trotzdem, entfallt sich der ganze Zauber Sophokles.

Ja, die Sprache ist etwas gewöhnungsbedürftig. Dennoch genieße ich es immer derartige Werke zu lesen. Die ausdrucksstarke, sorgfältig gewählte Sprache versetzt mich als Leser in eine ganz eigene Welt und klingt wie Musik in meinen Ohren.

Die Menschen im damaligen Griechenland konnten nicht lesen. Der Besuch von Theatern war jedoch sehr beliebt und diente auch um den Zusehern diverse Botschaften und Geschichten zu vermitteln. Die Schauspieler mussten also das Publikum durch wortgewaltige Stücke und mit ihrer Interpretation die Zuseher in ihren Bann ziehen. Erstaunlich fand ich, wie mir das Nachwort verriet, dass es durchaus üblich war, dass ein Stück lediglich ein einziges Mal aufgeführt wurde.

Die Anmerkungen am Ende des Buches waren sehr hilfreich für mich. Ansonsten hätte ich vermutlich einige Andeutungen nicht verstanden. Denn man sollte nicht vergessen, dass die griechische Mythologie damals, zur Zeit der Uraufführungen, zur Allgemeinbildung gehörte. So kommt es immer wieder vor, dass weitere Namen aus der griechischen Mythologie scheinbar beiläufig eingestreut werden, Sophokles uns damit aber viel mehr sagen möchte. Dieses zwischen den Zeilen lesen, gelingt dank der Anmerkungen, auch wenn man in der griechischen Mythologie nicht ganz sattelfest ist.

Sophokles kann man ganz bestimmt nicht in jeder Stimmung lesen. Auch wenn die Geschehnisse teilweise einem spannenden Krimi ähneln und ich gespannt immer weiterlesen wollte, muss man sich für die thebanische Trilogie Zeit nehmen. Nicht nur Zeit nehmen, sondern sich auch ganz bewusst darauf einlassen, damit sie ihren ganzen Zauber entfallen kann und den Leser in eine spannende Zeit und ein gewaltiges Familiendrama entführen kann.

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