Landesausstellung im Schloss Pöggstall
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Alles was Recht ist – Niederösterreichische Landesausstellung

Alle zwei Jahre findet die Niederösterreichische Landesausstellung an einem anderen Ort und zu einem anderen Thema in Niederösterreich statt. Heuer ist das Schloss Pöggstall der Ausstellungsort und das Thema „Alles was Recht ist“. Mit einer Landesausstellung gehen auch immer große Investitionen für Renovierungen und Infrastrukturmaßnahmen einher. Im Falle von Pöggstall wurden dafür 9 Millionen veranschlagt.

Landesausstellung im Schloss Pöggstall

Sonderausstellung

In der Sonderausstellung im Rondell erfährt man vieles über die Entstehung des Schlosses, das bereits im 13. Jahrhundert erbaut wurde. Verschiedenste Besitzer haben das Schloss immer weitergebaut und vergrößert. Einer der wichtigsten Besitzer für das Schloss war Kaspar von Roggendorf, der zu den Maissauern gehörte. Im Zuge der Umbau- und Renovierungsarbeiten wurden viele Entdeckungen gemacht, wodurch die Geschichte des Schlosses nun deutlich klarer wird.

Sonderausstellung im Schloss Pöggstall

Zusätzlich bietet die Sonderausstellung Einblick in die Arbeit der Historiker. Das Freilegen der Mauern, aber auch wie Rückschlüsse aus diversen Dokumenten gezogen werden können, erfährt man in der sehr schön inszenierten Sonderausstellung. Neben Videos und Texttafeln, gibt es viele interaktive Elemente zum Angreifen und Ausprobieren.

Landesausstellung

Betritt man die Landausstellung fällt sofort die widersprüchliche Architektur aus alt und geradlinige-klinischer Moderne auf. Eine Mischung, die für mich eher verstörend als schön ist.

Schloss Pöggstall eine skurille Mischung aus Alt und Neu

Besonders gut haben mir die Räder des Schicksals gefallen. Auf einem Rad stellt man das Vergehen ein und auf dem anderen die Zeit in der man lebt. Auf einem Bildschirm in der Mitte steht anschließend die jeweilige Strafe. Dabei fängt das Zeitrad bei „um 1275“ an und geht bis „Strafgesetz heute“. Es ist spannend wie sich die Strafen für Vergehen von beispielsweise Diebstahl im Laufe der Zeit geändert haben.

Die Räder des Schuldspruchs

Wieso auf dem Zeitrad mittendrin „Iran heute“ steht, hat sich mir nicht erschlossen. Gestört hat mich, dass die Strafen dabei in Dinar angegeben wurden, eine Währung die es im Iran gar nicht gibt. Somit ist es auch wertfrei und nicht nachvollziehbar ob eine Strafe von 20-100 Dinar viel oder wenig ist. Doch vordergründig bleibt die Frage wieso gerade Iran und nicht beispielsweise China oder Saudi-Arabien? Zwei Länder die auch nicht gerade glimpfliche Strafen aufweisen und in gewissen Fällen die Todesstrafe praktizieren.

Edit: Auf Nachfrage bei der Landesausstellung habe ich folgende Erklärung von der Kuratorin Prof. Dr. Elisabeth Vavra erhalten, die ich euch nicht vorenthalten möchte. 

„Der Iran wurde deshalb als Beispiel ausgewählt, weil er einer der wenigen Staaten dieses Strafrechtsgebietes ist, dessen Gesetzgebung verschriftlicht wurde. 1991 wurde im Iran das als Grundlage für das „Rad des Schicksals“ dienende Strafgesetz publiziert. Im Gegensatz dazu besitzt Saudi-Arabien kein solches schriftlich niedergelegtes Strafgesetz. In Saudi-Arabien besitzt mit einigen Ausnahmen das religiöse Recht (Scharia) Gültigkeit. Das islamische Rechtssystem ist in Saudi-Arabien nicht kodifiziert; daher gibt es zahlreiche Variationen in der Auslegung und Anwendung des Rechts. Ein einigermaßen „korrekter“ Vergleich wäre daher nicht möglich gewesen.

Für das iranische Strafgesetz gibt es überdies eine sehr gute, wissenschaftlich fundierte  Übersetzung: Silvia Tellenbach, Strafgesetze der Islamischen Republik Iran, 1995 bei DeGruyter erschienen.

Im Gesetzbuch wird als Währung für die Geldstrafen das historische Goldnominal des islamischen Kulturkreises – der Dinar – verwendet. Der klassische Golddinar hatte ein Gewicht von 4,233 Gramm. Eine Umrechnung ist nur schwer möglich.

Für die Volksrepublik China gibt es bezüglich des Strafrechts leider noch keine Übersetzung, die man hier heranziehen könnte.“

Durch  die Landesausstellung gibt es zwei verschiedene Wege. So können Räumlichkeiten, die die Themen Todesstrafe, Nationalsozialismus und Folter behandeln, umgangen werden. Natürlich darf in einer derartigen Ausstellung in Österreich der Nationalsozialsimus nicht fehlen. Eine Art der Vergangenheitsbewältigung die für mich hier doch etwas aus dem Konzept gerissen erschien.

Über den Balkon gelangt man von einem Raum zum nächsten. Dabei hängen vor jeder Tür dicke Plastikstreifen. Ein Windfang – ist meine einzige Idee zum Nutzen dieser Konstruktion. Die Landesstellung ist allerdings lediglich von April bis November geöffnet und ich bin mir unsicher ob da ein Windfang wirklich notwendig ist. Der große Nachteil daran ist jedoch, dass das Plastik fürchterlich stinkt. Der Gestank ist dabei so penetrant, dass ich Kopfschmerzen davon bekam und so immer schnell in den nächsten Raum floh. Sehr schade, da der Balkon eigentlich sehr hübsch ist und man hier bei den vielen Informationen etwas Durchatmen hätte können.

Stinkendes Plastik vor jeder Tür

Zu Ende hin wartet die Landesausstellung mit einem sehr gelungen Einsatz von neuen Technologien auf. Eine auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkende Wand mit wenigen Zeichnungen erwacht plötzlich zum Leben. Dazu drückt man einfach an verschiedenen Stellen an der Wand und plötzlich wird an der Wand wie von Geisterhand weitergezeichnet oder auch ein Film in einem aufgemalten Fernseher abgespielt. Eine sehr schöne Integration von technischen Mitteln, die Spaß macht und die Ausstellung besser in den Erinnerungen verankert.

Interaktive Wand bei der Landesausstellung

Fazit

Sowohl die Landesausstellung als auch die Sonderausstellung sind einen Besuch wert. Es gibt so vieles Interessantes zu sehen und zu erleben. Vor allem die modernen Spielerein haben mir sehr gut gefallen. Sie helfen die Informationen leichter zu verarbeiten. Das gefällt mir besser als ständig nur Texte zu lesen oder Videos zu sehen. Dennoch bietet das Schloss Pöggstall eine derartige Fülle an Informationen, dass der Kopf irgendwann einfach voll ist und nichts mehr Platz hat. Manchmal wünschte ich mir etwas weniger an Information und diese dann dafür so interessant aufbereitet, dass man Lust hat sich im Nachhinein weiter mit dem Thema auseinander zu setzen und beginnt selbst zu recherchieren. Wie beim Essen ist es meist schöner, wenn man mit dem Gedanken „Ein bisschen würde noch gehen“ zurück bleibt als mit dem Gefühl „Ich bin so voll. Ich kann mich nicht mehr rühren.“

Demonstration

Mit der Niederösterreich Card erhält man einmalig freien Eintritt zur Niederösterreichischen Landesausstellung „Alles was Recht ist“ und zur Sonderausstellung.
Serviceinfo; keine bezahlte Werbung 😉

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4 Kommentare

  1. Schande über mich! Als Niederösterreicherin sollte ich mir die Ausstellung zumindest einmal ansehen – leider habe ich bis dato noch nie dort hin geschafft 🙂 Danke für die Einblicke! Ich hoffe, dass ich es irgendwann mal hin schaffe! Es jedenfalls einen Besuch wert 🙂

    **Ani**

    http://www.kingandstars.com

    1. Seit dem ich mir die Niederösterreich Card gekauft habe, bin ich immer wieder überrascht welche tollen Sache es ganz in der Nähe zu entdecken. So gerne ich auch verreise, für einen Tagesausflug finde ich so immer wieder interessante Ziele und erfahre viel über mein Heimatsbundesland.

  2. Danke für diese genauen Einblicke! Klingt sehr gut! Wir haben auch schon länger überlegt, ob wir hinfahren wollen. Jetzt ist die Entscheidung klarer geworden!

    Liebe Grüße, Sylvia

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