Freiheit unterm Schleier - Bita Schafi-Neya
5 Sterne Roman

Freiheit unterm Schleier: Frauen im Iran – Bita Schafi-Neya

Die Handlung

Denkt man an den Iran, kommt vielen sofort ein Bild von verschleierten Frauen in den Sinn. Vorurteile über muslimische, unterdrückte Frauen ganz ohne Rechte. Doch wie sieht die Realität aus? Das Kopftuch als Symbol für die Unterdrückung der Frauen? Bestimmen iranische Männer über das Leben ihrer Frauen?

Die Deutsch-Iranerien Bita Schafi-Neya verbringt viel Zeit im Iran und hat für „Freiheit unterm Schleier“ viele Interviews mit oft überraschenden Erkenntnissen geführt.

Meine Meinung

Meine eigene Iranreise im Mai hat mir gezeigt, dass der Iran vieles ist, aber auf keinen Fall so wie er in den Medien immer dargestellt wird. Bita Schafi-Neya schafft es in ihrem Buch „Freiheit unterm Schleier“ gut, die ganzen wundervollen Seiten des Irans und des Lebens dort zu zeigen. Dabei blickt sie nicht durch die rosarote Brille, sondern spricht auch die nicht so schönen Dinge an.

Wie man bereits im Inhaltsverzeichnis sieht, gibt es viele weibliche Führungskräfte im Iran. Von der Vizepräsidentin über die Bürgermeisterin, die Botschafterin und der Luftfahrtchefin werden viele Ämter und Führungspositionen von Frauen eingenommen.

Auch im Männer dominierten Verkehrssektor gibt es immer mehr Frauen. Im Gegensatz zu anderen muslimischen Ländern wie Saudi Arabien dürfen Frauen im Iran Auto fahren. Im Iran gibt es eigene Frauentaxis, bei denen Lenkerin und Fahrgast weiblich sind. Dies soll für zusätzliche Sicherheit der Frauen sorgen.

Freiheit unterm Schleier - Bita Schafi-Neya

Aber bei weitem nicht alles ist gut im Iran. So sind Frauen gesetzlich schlechter gestellt als Männer. Frauen dürfen nur mit der Erlaubnis ihres Mannes verreisen oder arbeiten. Die wirtschaftliche Situation macht es für viele Frauen notwendig arbeiten zu gehen. Hierbei sollte nicht vergessen werden, dass neben der ganzen Selbstverwirklichung und Gleichstellung es auch in Europa für viele Familien notwendig ist, dass beide Partner arbeiten gehen, um der Familie ein besseres Leben oder ein Überleben zu sichern.

Geht man durch die Straßen von Teheran, Isfahan, Shiraz und Co wird man von der Offenheit und Freundlichkeit der Menschen überrascht sein. Man wird von Menschen angesprochen und im Iran willkommen geheißen. Anfangs bin ich dieser Freundlichkeit noch etwas skeptisch begegnet. „Was wollen die von mir? Taschendiebe die mich nur ablenken wollen?“ Doch weit gefehlt. Die Menschen im Iran sind einfach ganz ohne Hintergedanken so offen und freundlich. Da verreisen für viele Iraner schwierig und zu teuer ist, freuen sie sich schlicht auf diesem Weg mit Europäern in Kontakt zu kommen.

Ein Kapitel ist dem Sport gewidmet. Die Iraner sind als Zuseher und Athleten verrückt nach Sport. Bita Schafi-Neya erzählt von den Zurkhanehs „Haus der Kraft“. Ein Kombination aus Kampftraining und Geschicklichkeit bei denen die Männer unter anderem bis zu 40kg schwere Holzkeulen schwingen und schwere Stahlbögen im Takt der Musik über ihren Köpfen schwingen. Der „Morsched“ begleitet die Sportler mit Gesang, Blechtrommeln und Glocken. Er singt religiöse, mystische Lieder und Heldensagen. Wer die Chance hat ein Zurkhaneh zu besuchen, sollte das auf jeden Fall tun.

Der Titel des Buches „Freiheit unterm Schleier“ zielt auf das klassische Klischee und die Vorurteile in unserem Kopf ab. Es ist Schade, dass der Iran oftmals auf dieses Thema beschränkt wird. Auch in Europa gibt es gewisse Kleidervorschriften. Seht euch nur Bankangestellte, Krankenschwestern, Mitarbeiter in einer Imbissbude und Co an. Während wir in Europa das Kopftuch in den Mittelpunkt stellen, sehnen sich die Iran lediglich nach Frieden und Freiheit.

Im Iran gilt das Tragen eines Kopftuchs auch für Touristen. Bei der Hitze und der gnadenlose Sonne, ist eine Kopfbedeckung grundsätzlich sehr empfehlenswert. Nach eineinhalb Wochen im Iran war ich mit meiner Reisegruppe bei einem Teppichhändler. Wir erhielten tolle Einblicke in die Kunst des Teppichknüpfens. Nachdem wir die obligatorische Tasse Tee serviert bekamen, meinte der Teppichhändler es ist okay, wenn die Damen das Kopftuch abnehmen, wir sind hier schließlich unter uns. Diese Aufforderung, die ein nicht vorhandenes Freundschaftsverhältnis simulieren sollte, war in dem Moment für mich vergleichbar als wenn ich in Europa zum Ausziehen meiner Bluse aufgefordert werden würde.

Die Kultur im Iran ist anders und es herrschen andere Spielregeln. Egal ob als Tourist oder Auswanderer, wenn man sich dort bewegt, muss man sich daran halten. Schließlich fordern wir das auch in Österreich und Deutschland. Als weltoffener Mensch ist es nicht schwer sich zumindest für die Zeit eines Urlaubs anzupassen.

Fazit

★★★★★

„Freiheit unterm Schleier“ räumt mit Klischees auf. Bita Schafi-Neya schafft es perfekt ausgeglichen und möglichst objektiv zu berichten. Positive und negative Sichten werden zu gleichen Teilen dargestellt und stellen ein rundes, umfangreiches Bild dar. Eine Wertung beleibt aus, wenn gleich sie dem Iran zum Schluss „einen guten Weg zu mehr Freiheit und einer friedvollen Zukunft“ wünscht.

Das Buch hat mich berührt und zum Nachdenken angeregt. Eine Rezension, die somit viel persönlicher ausgefallen ist als eigentlich üblich.

Der Braumüller Verlag hat mir „Freiheit unterm Schleier“ zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Die Rezension wurde davon nicht beeinflusst.

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13 Kommentare

  1. Liebe Sabrina,
    das ist eine ganz tolle Rezi! So schön, hast du das Buch besprochen, sodass ich gleich Lust bekommen hatte, es zu lesen! Es wandert auf meine Wunschliste. Ich habe das Gefühl, dass sich doch immer mehr und mehr Leute trauen, im Iran Uraub zu machen. Eben erst habe ich eine Familie (Vater, Mutter, Sohn 5, Tochter 3) kennengelernt, die jetzt im kommenden Frühjahr, 3 Monate durch den Iran und Georgien reisen wollen. Ich fragte sie, wie sie auf diesen Urlaubswunsch gekommen sind, und der Mann antwortete, dass sein Bruder zuvor einige Monate mit seiner Familie so eine Irantour gemacht hat uns so begeistert war. Dann musste ich sofort an dich denken. hihi
    GlG vom monerl

  2. Wenn der Titel schon etwas nicht existentes vorgibt, glaube ich kaum an einen realistischen Inhalt des Buches. Frauen genießen im ganzen Nahen Osten unter dem Schleier weder Freiheit noch Gleichberechtigung. Da sich die Autorin im Iran offenbar uneingeschränkt bewegen konnte, wird das Buch kaum islam- oder systemkritisch sein und passt damit gut in die jede Islamkritik als populistisch ächtende Medienlandschaft Europas.

    1. Hallo Stephanie!
      Ich unterstelle, dass der Titel bewusst provozierend gewählt ist. Gleichberechtigung gibt es im nahen Osten genauso wenig wie bei uns, wenn wir glücklicherweise schon etwas weiter sind.
      Die Autorin zeigt deutlich, dass man als Frau benachteiligt ist. Sie zeigt aber auch einige hoffnungsvolle andere Fälle.
      Jeder der schon selbst einmal im Iran war, wird bestätigen können, dass der Iran absolut nichts mit dem Bild aus den Medien gemein hat. Die Frauen sind selbstbewusst und im Vergleich zu Europa mehr gestylt. Der Iran ist viel westlicher als uns immer weiß gemacht wird.
      Bita Schafi-Neya spricht sehr wohl auch die unschönen Seiten an. Prostitution, Benachteiligung, Abhängigkeiten vom Ehemann,…
      Der Islam steht gar nicht so im Vordergrund. Das Leben an sich wird gezeigt. Und die Autorin erzählt auch von ihren Begegnung in der christlichen Kirche in Teheran.
      Ich kann das Buch nur empfehlen, da es unter anderem meine eigenen Eindrücke des Irans und vor allem der Frauen dort gut zusammenfasst.
      Liebe Grüße
      Sabrina

    1. Hallo Ines!
      Danke für deinen Kommentar. Das Frauen in Saudi-Arabien nicht Autofahren dürfen, steht so nicht im Buch. Das ist mein persönlicher Wissensstand. Nach einer Google-Recherche, habe ich nun gelesen, dass es ab Juni 2018 angeblich erlaubt ist. Da ich Saudi-Arabien noch nicht selbst besucht habe, kann ich nur weitergeben was ich nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert habe.
      Ja, du hast Recht. Es handelt sich um ein Sachbuch. Da ich allerdings die Kategorie “Sachbuch“ auf meinem Blog nicht habe, war ich so frei und hab es zu den Romanen gegeben. Diese kleine Unschärfe gestehe ich mir bei Genres zu, die ich nicht so häufig lese.
      Liebe Grüße
      Sabrina

  3. Liebe Sabrina,

    das Buch kannte ich bisher noch gar nicht und ich kenne wirklich alle Bücher, die irgendwie mit dem Iran in Verbindung stehen. Wie toll, dass du bereits selbst im Iran warst und die freundlichen Seiten der Menschen und des Landes erfahren hast. Die persische Gastfreundschaft ist einfach unschlagbar. Vielen Dank
    Herzliche Grüße

    Susan

    1. Hallo Susan!
      Das Buch ist ja noch recht neu und in einem eher kleinen österreichischen Verlag erschienen. Die Autoren ist jetzt auch auf Lesetour in Österreich und ich glaube es gibt auch ein paar in Deutschland.
      Ich liebe es mit Büchern in ferne Länder zu reisen und sie die Welt und die Menschen kennen zu lernen. Nichts ersetzt jedoch die eigenen, realen Reisen in das Land. Da so eine Reise schon mal ganz schön teuer werden kann, sind Bücher halt eine kostengünstige Alternative.
      Ich kann es jedem nur empfehlen selbst in den Iran zu reisen. Es ist ein sehr sicheres Land, unglaublich freundliche Menschen und das Land hat kulturell so viel zu bieten, dass man gar nicht mehr aus dem Staunen kommt.

      Liebe Grüße
      Sabrina

  4. Liebe Sabrina,

    holla, warum sind manche Kommis hier denn so harsch?! *kopf schüttel*

    Danke für diese tolle Rezension! Ich selbst liebe auch Reiseliteratur im weitesten Sinne.
    Ich habe letztes Jahr „Couchsurfing im Iran“ von Stephan Orth gelesen. Kennst Du das zufällig? Ich fand es hochspannend, weil man vom Iran eben so wenig weiß. In meiner Erinnerung stellt Stephan Orth die Rolle der Frau nicht ganz so positiv da, wie es mir bei Deiner Rezension erscheint. Er schreibt aber, dass es im Geheimen nochmal anders ist. Also auf heimlichen Party haben Frauen auch Miniröcke und Stöckelschuhe an.
    Wenn man es selbst nicht erlebt hat, ist es echt schwierig zu beurteilen. Dass unsere Medien aber nicht so objektiv berichten, wie wir immer denken, weiß ich seit der Ukraine/Russlandkrise.

    Ich sag mal, als Frau hätte ich keine Probleme, mich an bestimmte Kleiderordnungen zu halten, wie es in moslimenschen Ländern üblich ist. Also bedekte Schultern und so. Kopftuch finde ich allerdings schon eine andere Hausnummer. Ich finde es ok, das bewusst in Kauf zu nehmen, wenn man das Land unbedingt sehen will. Ich würde es jetzt aber nicht mit bestimmten Kleiderordnungen hier vergleichen.

    Wie kam es, dass Du in den Iran gereist bist? Einfach so?

    Das Buch werde ich mir auf jeden Fall notieren.
    Danke für den tollen Einblick!

    Liebe Grüße
    Lilly

    1. Hallo Lilly!

      Es ist ein polarisierendes Thema. Viele Menschen haben Angst und wollen/können sich gar nicht vorstellen, dass dieses Schwarz-Weiß, das wir in den Medien präsentiert bekommen nicht die Realität ist. Zu viele Graustufen liegen dazwischen. Deshalb lieber gleich mal laut Aufschreien und auf keinen Fall seine eigene Meinung mit neuen Informationen anreichern und eventuell korrigieren *Sarkasmus aus*.

      „Couchsurfing im Iran“ habe ich leider noch nicht gelesen. Es steht weit oben auf meiner Wunschliste. Vor allem seitdem ich „Couchsurfing in Russland“ von Stephan Orth gelesen haben. Seit dem Buch möchte ich unbedingt mal nach Russland und vor allem Tschetschenien. Erzählungen sind großartig, es geht aber dennoch einfach nichts darüber sich selbst vor Ort sein eigenes Bild zu machen.

      Im Iran war ich in einem modernen Modegeschäft für Frauen. Vielleicht am ehestens vergleichbar mit New Yorker oder Tally Weijl bei uns. Es war eine wahre Farbexplosion und die Kleider bestanden aus derartig wenig Stoff, dass ich nicht mal wüsste wo man so etwas in Europa tragen könnte 😀 Ich hatte zwar leider keine Gelegenheit selbst einer dieser sagenumwobenen Privatparties zu besuchen, allerdings hat sich in dem Geschäft ein weiteres Aspekt der iranischen Frau für mich offenbart, der mich etwas überrascht hat.

      Grundsätzlich denke ich, dass sich jeder Mensch anziehen soll wie er möchte. Egal wie viel oder wenig Stoff das dann bedeutet. Ich finde es nicht gut, wenn der Staat in dieser Hinsicht Regeln vorgibt. Im Iran selbst, hatte ich das Gefühl, dass die Kleiderordnung nicht wirklich ein Problem ist. Den Menschen sind ganz andere Dinge wichtig. Viel lieber würden sie Musik hören und tanzen, Händchen haltenden herumlaufen und sich auch einfach mal auf offener Straße küssen.

      Und zu deiner letzten Frage (ich hoffe ich habe nichts übersehen 😉 ). Ich liebe es fremde Kulturen mit eigenen Augen zu sehen und zumindest für ein paar Tage am eigenen Körper zu erleben. Ich kann es nicht erklären, allerdings hatte ich schon immer eine Faszination für die arabische und persische Kultur und ich liebe Länder, in denen es nie richtig kalt wird. Zu Beginn meines Studiums hat sich in meinem Kopf festgesetzt, dass ich mir als Abschlussreise einen Rundreise durch Syrien gönnen werde. An Syrien interessiert mich neben den Menschen vor allem der Reichtum an historischen Schätzen und die kulturellen Sehenswürdigkeiten. Ich liebe es durch alte Anlagen zu schlendern und sich vorstellen, wie diese gigantischen Bauwerke, Skulpturen, usw. ohne moderne Maschinen erbaut wurden. Leider kam der Krieg dazwischen und dieser Traum liegt erstmal auf Eis.

      Ja und somit war dann die nächste Wahl der Iran. Die strengen oder so anderen Gesetzen im Vergleich zu Europa fand ich sehr spannend. Das wollte ich selbst sehen. Zudem war der Iran schon immer aufgrund seiner geografischen Lage, aber auch aufgrund der Erdölvorkommen und der guten klimatischen Bedienungen im Hinblick auf Ackerbau und Co ein wichtiges Land. Kein Wunder also, dass so mancher an diesem Stückchen Erde interessiert ist, um die guten Bedienungen und die Bödenschätze für sich zu nutzen. Last but not least die kulturelle und historische Bedeutungen des Irans die Jahrtausende zurückgeht. Wunderschöne, riesige Reliefs was ich zuvor noch nie gesehen habe. Wenn man Bilder davon sieht, ist es schön. Davor zu stehen und diese Größe und die vielen Details zu spüren, dafür gibt es keine Worte. Und dann natürlich Persepolis <3 Und nach den vielen alten Steinen und Felsen das flirrende, moderne, lockere Leben in Shiarz und Isfahan. Dies Unterschiede in einem Land sind magisch. Die sehr gute sicherheitstechnische Lage ist ein weiterer Pluspunkt für eine Reise in den Iran.

      😀 das ist jetzt wohl etwas länger und ausführlich geworden 😀

      Liebe Grüße
      Sabrina

  5. Hallo Sabrina,

    schön, hier auch auf Frauen zu stoßen. Es ist natürlich immer leichter, mit dem Finger auf andere zu zeigen, statt die Probleme im eigenen Land mal endlich richtig zur Kenntnis zu nehmen und sie zu lösen.
    Ich schließe mich mal Lillys Frage an, wie es kam, dass Du dieses Land besucht hast.
    Liebe Grüße, Anne

    1. Hallo Anne-Marit!

      Ja, ganz recht. Wir haben selbst noch mehr als genug zu tun. Es wäre wünschenswert hier erste Schritte zu setzten, da der Weg noch unendlich weit ist.
      Bezüglich der Frage, warum ich gerade in den Iran bereist habe, schau dir bitte meine Antwort auf Lillys Frage an. Die Antwort ist etwas ausführlicher geworden 😉

      Liebe Grüße
      Sabrina

  6. Eine sehr schöne und persönliche Rezension. Bita Schafi-Neya ist nächste Woche bei uns zu einer Lesung unseres Bücherei-Fördervereins und wird aus „Mögen deine Augen leuchten“ lesen. Ich bin schon sehr gespannt.

    Liebe Grüße,
    Mona

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