Heißes Wasser gibt es an jedem Kisok
Reisen und Ausflüge

9 wenig bekannte Fakten über den Iran

Denkt man an den Iran haben viele von uns ein Bild im Kopf, das stark von den Medien geprägt wurde. Kopftücher prägen das Straßenbild. Verschleierte, unterdrückte, unglückliche Frauen und aggressive, gewaltbereite Männer.

Steigt man in Teheran aus dem Flieger wird man schnell eines besseren belehrt. Deshalb habe ich 9 Fakten über den Iran und die Menschen zusammengestellt, die zeigen, dass vieles westlicher als wir oft annehmen, aber vor allem anders ist, als die Medien suggerieren.

1. Berührungslos über den Basar

Der Besuch eines Basar gehört natürlich zu jeder Iranreise. Viele Menschen drängen sich dabei durch die engen Gassen. Doch geht man über den Basar stellt man schnell fest, dass es trotz der vielen Menschen kein Gedränge gibt. Man wird nicht einmal berührt, geschweige denn angerempelt oder weitergeschoben. Völlig ohne Körperkontakt bewegen sich die Menschen durch den Basar. Oftmals hatte ich das Gefühl, dass diese Methode einen auch wesentlich schneller vorankommen lässt, als das bei uns obligatorische Gedränge und Geschubbse.

Iran Basar

2. Schauen erlaubt

Interessant fand ich außerdem, dass man von den Verkäufern nicht aufdringlich angesprochen wird. Man kann in Ruhe durch den Basar schlendern, schauen und gustieren. Möchte man etwas kaufen oder hat Fragen geht man als Käufer einfach aktiv auf den Verkäufer zu.

Arbeiten auf dem Basar in Isfahan

Mein Lieblingsbasar ist Isfahan. Dort stellen die Handwerker direkt in den kleinen Nischen ihre Kunstwerke her. Miniaturmaler, Vasenbemalungen, Bearbeitung von Kupfer und vieles mehr kann live bewundert werden.

3. Gepflegtes Äußeres und Turnschuhe

Auffallend sind die vielen gepflegten Menschen. Ich sah nur sehr selten ungepflegte Menschen und hatte das Gefühl, dass der Iraner und die Iranerin einfach mehr Wert auf ihr Äußeres legen als wir. Die Frauen sind meist aufwendig geschminkt. Die vielen Friseure und Bartschneider werden von den Männern beinahe überlaufen.

Iranische Frauen beim Golestan Palast

Die aktuelle Schuhmode ist eine Wohltat für den weiblichen Fuß. Turnschuhe in allen Farben und umso leuchtender die Farben desto besser. Besonders zu den schwarzen Tschadors werden besonders gerne Turnschuhe in kräftigen Farben getragen.

4. Kleidervorschriften auch für Männer

Kurze Hosen sind für Männer tabu. Zwar sind T-Shirts und kurzärmlige Hemden in Ordnung, doch lange Hosen müssen selbst bei über 30 Grad sein. Die T-Shirts dürfen eng anliegend sein.

5. Lebensgefahr bei Straßenüberquerung

Die Überquerung der oft 3 oder 4 spurigen Straßen sind ein Abenteuer. Zebrastreifen zeigen lediglich eine mögliche Stelle an der die Straße überquert werden kann. Auch die Ampeln sind vor allem für Fußgänger nur Ideengeber. Die Vorrangregeln sind scheinbar einfach: Motorrad – Fußgänger – Auto.

Der iranische Straßenverkehr

Bleiben die Autos an einer roten Ampel stehen, ist es dennoch völlig normal, dass ein Motorrad durch die stehenden Autos schießt. Dies kann bei Nacht auch ohne Licht passieren. Als Fußgänger ist also höchste Vorsichtig geboten.

6. Tee, Tee, Tee

Es wird immer und überall Tee getrunken. Ähnlich wie in Argentinien ist es an Tankstellen und vielen Kiosken möglich heißes Wasser zu kaufen. Dafür gibt es meist vor dem Geschäft einen silbernen Teekessel. Eine Thermoskanne haben die Iraner immer dabei. Dann wird schwarzer Tee getrunken. Ich habe die Teepausen auf den langen Autofahrten durch das Land immer sehr genossen.

Heißes Wasser gibt es an jedem Kisok

Apropos Trinkgewohnheiten: Geht man ins Restaurant Essen, werden die Getränke immer gemeinsam mit dem Essen serviert. Bis zuletzt konnten wir es nicht begreiflich machen, dass wir gerne die Getränke sofort haben möchten und anschließend gerne noch auf das Essen warten.

Übrigens ist Alkohol im Iran verboten. Dafür gibt es gute alkoholfreie Malzgetränke in verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Zitrone, Apfel, Pfirsich und Mango. Super lecker, nicht so süß wie unsere Limonaden und ein bisschen würzig.

Alkoholfreies Bier mit Malz Geschmack im Iran

7. Die Zahlen verstehen

Um die persischen Zahlen einfacher zu verstehen gibt es einen Trick. 1,9 und 0 sind unschwer zu erkennen. Kippt man die Zahlen gedanklich 90° gegen den Uhrzeigersinn, kann man die Zahlen 2,3,4 und 6 erkennen. Die beiden Haken für 7 und 8 können mit der Eselsbrücke „Die Acht ist wie ein Dach“ einfach unterschieden werden. Schließlich bleibt für die 5 nur mehr das umgedrehte Herz über.

۰

۱

۲

۳

۴

۵

۶

۷

۸

۹

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

Und schon ist man bereit für den Shoppingtrip am Basar. Dabei muss man nur mehr auf die beiden Währungen Tuman und Rial acht geben. Während die offizielle Währung Rial sind, wird auf den Basaren immer in Tuman gehandelt. Dabei wird einfach die letzte Null gestrichen. Keine Angst! Bezahlt wird dann trotzdem mit den Rial-Scheinen. Auch wenn immer von 2 Währungen die Rede ist, gibt es nur eine Art von Geldscheinen und die Tuman sind lediglich für den Sprachgebrauch.

Rial oder Tuman - iranische Geldscheine

8. Soziale Absicherung

Auf Irans Straßen und Gehwegen sieht man beinahe keine Bettler. Es gibt ein gutes staatliches System, dass für eine Mindestversorgung zuständig ist. So gibt es Arbeitslosengeld und arbeitende Menschen, die zu wenig verdienen, können um Zuschüsse vom Staat ansuchen.

9. Vegetarisch im Iran

Mit meiner Frage nach einem Essen ohne Fleisch konnten die Iraner nichts anfangen. So bestellte ich einmal in einem Lokal recht umständlich, die Kartoffeln mit Käse und ohne Schinken. Der Liebste orderte das Spezial-Sandwich des Hauses. Es stellte sich heraus, dass es sich dabei um ein Sandwich mit Falafel und Salat handelte. Die zu Beginn gestellte Frage nach einem Gericht ohne Fleisch wurde jedoch verneint. Dabei kommt man im Iran sehr gut ohne Fleisch aus. Safran-Reis, viel Gemüse und die herrlichen Falafel lassen die Herzen eines jeden Vegetariers höher schlagen.

Falafel in Susa

Mit diesen 9 Fakten konnte ich dir hoffentlich einen kleinen Einblick in den Iran geben. Ein Aspekt, der für mich so wichtig ist, dass ich dazu einen eigenen Artikel schreiben werde, möchte ich dennoch nicht unerwähnt lassen. Auch wenn der Großteil der Iraner Moslems sind, wird dieser Glaube keinesfalls so exzessiv betrieben wie uns die Medien oftmals glauben lassen. Aber dazu ein anderes Mal mehr!

Hast du noch Fragen zum Iran oder weitere spannende Fakten? Dann freue ich mich über deinen Kommentar!

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