Kerberos' Gier - Sylvia Grünberger
3 Sterne Thriller & Krimi

Kerberos‘ Gier – Sylvia Grünberger

„Computer waren sicher, emotionslos, berechenbar. Sie konnten niemanden verletzen. Und wenn man seinen Verstand wie einen Computer benutzte und Gefühle nicht zuließ, dann konnte man ebenfalls nicht verletzt werden.“

Die Handlung:

Als ihr Freund Georg verschwindet gerät die Informatikstudentin Kathrin auf die Spuren eines gefährlichen Programms. „Kerberos’ Gier“ befindet sich zwar noch nicht Entwicklung, dennoch muss Georg irgendwie an eine Kopie des gefährlichen, als Spiel getarnten Programms, gelangt sein. Denn Georg ist nicht der Einzige, der verschwunden ist. Kathrin gerät ins Visier einer brutalen Organisation, die auch vor Erpressung und Mord nicht zurückschreckt.

Schreibstil:

Die gewählten Erzählperspektiven fand ich etwas verwirrend. Kapitel aus Sicht von Kathrin sind in der Ich-Perspektive geschrieben. Allerdings nehmen diese, gefühlt, nur knapp die Hälfte des Buches ein. Die restlichen Kapitel sind aus Sicht unterschiedlichster Beteiligter geschrieben. Hier wird jedoch immer die dritte Person verwendet. Dies fand ich störend, vor allem da die Ich-Perspektive nicht genutzt wurde eine besonders intensive Bindung zu Kathrin aufzubauen.

Der Thriller ist spannend, wenn auch teilweise etwas langatmig geschrieben. Das gute technische Wissen von Sylvia Grünberger merkt man deutlich. Sie entwickelt ein furchteinflößendes Szenario in dem sie zeigt, wie die Technologie missbraucht werden kann.

„Solange einen die Ängste beherrschen, schafft man es nicht, sich davon weit genug zu lösen, um die Dinge nach ihrem Wahrheitsgehalt zu hinterfragen.“

Zwei Teile in einem Buch:

Mit umgerechnet ca. 670 Seiten bei der Print-Ausgabe ist „Kerberos’ Gier“ ein recht dickes Buch. Gut zur Hälft hat man allerdings das Gefühl, dass der Fall abgeschlossen ist. Im weiteren Verlauf werden die verzweigten Beziehungen und Hintergründe bis ins letzte Detail aufgearbeitet. Dabei verkommt Kathrin beinahe zu einer Randerscheinung. Aus „Kerberos’ Gier“ könnte man zwei Teile mache, die jeder für sich einen eigenen Spannungsaufbau und eigene tragenden Elemente haben. Bei dem Versuch alles in ein Buch zu stopfen, verkommen die beiden sehr guten Geschichten und Ansätze und vor allem der zweite Teil wirkt beinahe halbherzig.

Verborgene Schätze:

Dem aufmerksamen Leser werden einige sehr schöne, tiefergehende Sätze auffallen. Zitate, die es wert sind aufgehoben zu werden und die Kritik und Entwicklung der Gesellschaft selbst für sich zu hinterfragen. Für diese Schätze, die Sylvia Grünberger im Buch für uns versteckt hat, muss ich einen Bonusstern vergeben.

„Ihr jungen Leute kennt alle Theorien über die Entstehung des Universums, aber die Schönheit des Sternenhimmels einfach auf sich wirken zu lassen, ist eine Kostbarkeit, die euch entgeht! Um das Wesen der schönen Dinge zu erfassen, ist Analysieren der falsche Weg!“

Fazit:

Ein spannender Thriller, der zeigt wie Programme missbraucht werden könnten und wie viel Macht wir mit unseren Daten oftmals leichtfertig aus der Hand geben. Das Aufteilen in zwei Teile hätte „Kerberos’ Gier“ gut getan und würde bestimmt auch der teilweise aufkommende Langatmigkeit entgegen wirken.

 

Der Gmeiner Verlag hat mir das ebook-Weihnachtspaket freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

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