5 Dinge, die du in Riga nicht verpassen solltest

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Riga von Daugava / Düna aus mit Blick auf die Nationalbibliothek

Die lettische Hauptstadt Riga ist eine wunderbare flirrende Stadt. Mit ihren circa 700.000 Einwohner ist sie recht überschaubar und man kann alle wichtigen Sehenswürdigkeiten gut zu Fuß erreichen. Man spürt ein gewisses Spannungsfeld aufgrund der bewegten Geschichte von Lettland.

Lettland, ein Land das vielfach unterdrückt wurde und auf eine lange Leidensgeschichte zurückblickt. Ihren (National-)Stolz haben die Letten dabei nie verloren. Typische Runensymbole, die mich etwas an ein Hakenkreuz erinnern, sind allgegenwärtig. Ich habe die Letten als freundliches, selbstbewusstes, lebensfrohes und direktes Volk kennen gelernt.

Lettland, Lativija - Runen Svarog

Gut, ich verbrachte lediglich 4 Tage im August in Riga. Viel zu kurz, um ein umfassendes Fazit zu ziehen. Mein erster Eindruck war jedoch mehr als positiv und ich denke sehr gerne an diesen Kurzurlaub mit einer Freundin zurück.

Riga hat kulturell und kulinarisch einiges zu bieten. Unbedingt erwähnen möchte ich die leckeren Kuchen. Als Bierliebhaberin haben mir die vielen verschiedenen Biersorten und Bars mit mehreren Zapfhähnen sehr gut gefallen. Den kulinarischen Aspekten von Riga habe ich bereits einen eigenen Beitrag gewidmet.

Bevor ich dir nun die 5 Dinge, die du dir in Riga auf keinen Fall entgehen lassen solltest zeige, noch ein paar Worte zu unserem Hotel. Wir haben im Hotel Viktorija (Aleksandra Čaka iela 55, Riga, LV-1011, Lettland) übernachtet. Es ist ein einfaches, etwas älteres Stadthotel. Die Zimmer sind teilweise etwas zu kitschig für meinen Geschmack. Das Hotel Viktorija liegt ganz hervorragend. Zu Fuß ist man in circa 15 Minuten in der Innenstadt und bei allen wichtigen Sehenswürdigkeiten. Direkt rund ums Hotel gibt es viele hervorragende Cafès, Restaurants und Bars. Hier ist es schon etwas ruhiger als direkt in der Innenstadt.

Blick von der Petrikirche & Altstadt

Where to find: Skārņu iela 19, Centra rajons
Eintritt: 9€

Die Altstadt von Riga hat so einiges zu bieten. Historische Gebäude in einer tollen architektonischen Mischung. Von den Bremer Stadtmusikanten, die durch den eisernen Vorhang blicken über die „Drei Brüder“ Häuser, bis hin zum Katzenhaus und dem Schwarzhäupterhaus – in der Altstadt gibt es viel zu entdecken.

Ausstellung in der Petrikirche in Riga

Ein absolutes Highlight ist jedoch ein Besuch der Petrikirche. Die Kirche an sich ist ganz hübsch und man kann eine kleine Kunstausstellung begutachten. Doch die 9€ Eintritt bezahlt man viel mehr um mit dem Lift auf den Turm zu fahren. Die Wartezeit auf den Lift wird mit einem Film zur Geschichte der Petrikirche verkürzt.

Blick von der Petrikirche über Riga

1209 wird die Petrikirche erstmals als zentrales Gotteshaus in der Riga erwähnt. An den ursprünglichen Bau erinnert heute kaum mehr etwas, da im Laufe der Geschichte so gut wie alles erweitert und umgebaut wurde. Der eingestürzte, ursprünglich gotische Turm wurde als hölzerne Turm wieder aufgebaut. Im Jahre 1941 ging dieser nach dem Beschuss der deutschen Artillerie in Flammen auf. In den Jahren 1967 bis 1984 wurde er schließlich aus Metall rekonstruiert.

Riga - Aussicht von der Petrikirche

Der Turm der Petirkirche ist 123 Meter hoch. Auf 70 Meter befindet sich die Aussichtsplattform. Wir hatten einen wunderschönen, klaren Tag und man konnte bis an den Horizont sehen. Es war schlicht atemberaubend und nicht in Worte zu fassen. Nachdem ich jeden Blickwinkel mehrfach mit der Kamera festgehalten habe, sind wir ganz langsam eine weitere Runde gegangen. Wir haben die Aussicht in vollen Zügen genossen und versucht jedes kleine Detail fest in unseren Erinnerungen zu verankern. Einfach wow!

Nationalbibliothek

Where to find: Mūkusalas iela 3, Zemgales priekšpilsēta
Eintritt: kostenlos

Die Nationialbibliothek zählt aufgrund ihrer beeindruckenden, modernen Bauweise als Wahrzeichen Rigas und war für mich als Bücherfreak natürlich ein Pflichtpunkt. Der Bau des 68 Meter hohen, 13 Stockwerke umfassenden Gebäudes mit viel Glas hat 25 Jahre gedauert. 2014 war Riga europäische Kulturhauptstadt. Im Zuge dieser Feierlichkeiten wurde die neue Nationalbibliothek direkt an der Daugava (dt. Düna) eröffnet.

Nationalbibliothek vom Turm der Petrikirche aus

Der lettisch-amerikanische Architekt Gunars Birkerts wollte die beiden lettischen Mythen „Der Herr des Lichtschloss“ und „Das goldene Ross“ (beide vom lettischen Nationaldichter Janis Rainis) mit dem Bau der Bibliothek visualisieren.

Bücher hinter Glaswand in der Riga Nationalbibliothek

Der Blickfang in der Nationalbibliothek ist ein riesiges, mehrere Stockwerke umfassendes Bücherregal hinter einer Glasscheibe. Neben der Dauerausstellung „Book in Latvia“ gibt es im Erdgeschoss weitere wechselnde Ausstellungen. Die „Book in Latvia“-Ausstellung ist interaktiv gestaltet und es macht großen Spaß sich spielerisch dem Lesen und der Literaturleidenschaft zu nähern.

Nationalbibliothek in Riga

Mit einem kostenlosen Besucherausweis, kann man sich frei im Rest der Nationalbibliothek bewegen. Den bekommt auf Nachfrage direkt am Empfang. Taschen müssen draußen bleiben. Dafür stehen Schließfächer, die mit einer 1 Euro Münze versperrt werden, zur Verfügung.

Riga by Canal

Where to find: City Canal, Centra rajons/ Bastejkalns
Eintritt: 15€

Eine Stadt vom Wasser aus zu sehen, gibt einen völlig anderen Blickwinkel wieder. Wir sind viel zu Fuß durch die Stadt gelaufen, haben uns die Stadt von der Petrikirche und der Nationalbibliothek von oben angesehen. Mit dem Boot über den Kanal zu schippern ist dahingehend entspannend und wunderbar entschleunigend.

Riga by Canal - Lesefreude auf der historischen Darling

Wir hatten das Glück und konnten mit dem historischen Ausflugsboot Darling aus dem Jahre 1907 fahren. Über den Lautsprecher erzählt der Audioguide in englisch was man gerade sieht und erzählt einige Fakten zu den Gebäuden und Riga. Zusätzlich ist es möglich sich eine App downzuloaden. Dort gibt es den Audioguide in weiteren Sprachen.

Riga by Canal der Markt

Die Fahrt startet am Pilsetas kanals. Der kleine Kanal grenzt den Kern der Altstadt vom Rest Rigas ab. Bei der Fahrt unter dem Kaufhaus Stockmann und den Bahnschienen heißt es Atem anhalten. Hier schwimmt viel Dreck und der Geruch ist alles andere als angenehm. Fährt man weiter auf die breite Daugava wird man mit einem herrlichen Blick entlohnt.

Riga by Canal auf der Duogava, Düna

Bei unserer Fahrt war gerade ein gigantisches Kreuzfahrtsschiff auf den Weg in den Rigaer Hafen. Es ist ein ganz schön mulmiges Gefühl, wenn man sich als winzig kleines Ausflugsboot diesem riesigen Koloss gegenübersieht.

Riga by Canal - die Front des Risiken Talkin Kreuzers

In der Nähe des Hafen biegt man wieder in den Pilsetas kanals ein und die Fahrt endet, wie sie begonnen hat am Bastejkalns oder Basteiberg.

Extra-Tipp: Gleich neben dem Park befindet sich das Freiheitsdenkmal. Dieses Nationaldenkmal wurde zum 15 Jahrestag der Freien Republik Lettland am 18. November 1935 eingeweiht. Den Sowjets war das Denkmal immer ein Dorn im Auge. Als kleinen Seitenhieb haben der Bildhauer Karlis Zale und der Architekt Ernests Stalbergs es so konstruiert, dass alle traurigen Figuren in den Osten und alle glücklichen, stolzen in den Westen blicken.

Die Sowjets versuchten das 42 Meter hohe Denkmal, mit der Begründung, dass das immer höhere Verkehrsaufkommen es zum Einsturz bringen wird, entfernen zu lassen. Die intelligenten Letten haben daraufhin einfach großflächig eine Fußgängerzone rund um ihre „Milda“ gemacht.

Ghetto Museum

Where to find: Maskavas iela 14A, Latgales priekšpilsēta / Eingang direkt an der Krasta iela an der Daugava
Eintritt: freiwillige Spenden

Vom „großen“ Bruder Russland argwöhnisch beäugt und bedrängt, war der Nationalsozialismus eine willkommene Schützenhilfe gegen Russland. Jede Medaille hat zwei Seiten und so brachte der Nationalsozialismus unglaubliche Schrecken, Leiden und Verbrechen nach Riga und Lettland.

Im Rigaer Ghetto Museum wird unter dem Motto „Niemand soll vergessen werden!“ an das Schicksal von über 70.000 ermordeten lettischen Juden erinnert.

Ghetto Museum Riga - 3000 Schicksale

Die Sammlung des Museums ist beeindruckend. In einem Raum findet sich das unglaublich schöne Kunstprojekt „Bremen – Theresienstadt – Riga, 3000 Schicksale“ der Künstlerin Dagmar Calais. In dem Raum, der mit seinen Balken an eine Scheune erinnert, hängen beleuchtete Würfel von der Decke. Auf einer Seite findet man immer ein Bild einer ermordeten Person. Auf den anderen Seiten findet man Dokumente und Geschichten zu deren Leben. Wahnsinnig intensiv! Wunderschön anzusehen und spektakulär aufbereitet.

Tree of hope und Ghettohaus im Ghettomuseum Riga

Der „Tree of Hope“ zeigt die Helden. Auf die Blättern sind Namen jener Menschen verewigt, die ihr eigenes Leben riskiert haben, um Juden vor den Nazis zu retten. Hinter dem „Tree of Hope“ befindet sich die Rekonstruktion eines authentischen Ghettogebäudes. Dieses kann man auch betreten. Es ist klein. Wirkt jedoch aufgrund der wenigen Möbel im Obergeschoss, gar nicht mal so ungemütlich. Es ist wichtig sich vor Augen zu halten, dass es in einem Ghetto gänzlich anders ausgesehen hat und einem Gebäude dieser größere mehrere Dutzend Personen gelebt haben bzw. vor sich hinvegetiert sind.

In einem Ghettohaus

KGB Haus

Where to find: Brīvības iela 61, Centra rajons
Eintritt: kostenlos; Führung (inklusive unveränderte Kellerzellen) ~3€

Der Besuche des KGB Haus war das wahrscheinlich beeindruckendste Erlebnis meiner Riga Reise. Das KGB Haus ist nur 3 Straßen von unserem Hotel Viktorija entfernt mitten in der Stadt. Es gliedert sich perfekt in das Stadtbild ein. Lediglich durch die relativ neue, schöne Fassade fällt es auf. Was in diesem Haus passiert ist und was man darin noch heute sehen kann, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren.

Riga - KGB Haus von außen

Das KGB oder Eckhaus gilt als Inbegriff der lettischen Unfreiheit. Von 1940-1941 und anschließend 1944-1990 haben die Tscheckisten zahlreiche Letten kaltblütig ermordet. Nach dem Naziregime folgte also eine russische, politische Partei unter Befehl von Wladimir Lenin, die an Grausamkeit kaum zu übertreffen war.

Das Museum mit vielen Infotafeln, das in den Originalräumlichkeiten inklusive Küche der Angestellten eingerichtet ist, ist kostenlos zugänglich. Wer jedoch in den Keller will und den unveränderten Verhörraum sowie Gefängniszellen sehen möchte, muss an einer Führung teilnehmen (absolute Empfehlung).

Küche der Angestellten im KGB Haus in Riga

Unser Guide durch die Kellerräume war absolut fantastisch. Mit schneller, harter, dirketer Aussprache erzählte er von den Gräueltaten. Man hörte seinen Stolz, Lette zu sein und den Stolz auf ihre Geschichte inklusive aller Leidensaspekten heraus. Ohne abschwächende Worte oder gar Verniedlichung berichtete er davon was in diesen Räumlichkeiten passiert ist. Eine Besucherin brach dabei in Tränen aus.

KGB Hus, Verhörräume

Unter der Zeit Lenins konnte man niemanden, nicht mal seiner eigenen Familie oder Freunden trauen. Wenn einem jemand nicht zum Gesicht gestanden ist, erfand man schnell eine aus der Luft gegriffene Verdächtigung und schon verschwand die Person. Vielfach für immer.

Das Atmen fällt zunehmend schwer umso weiter man in den Keller und die Zeller vordringt. Der Schrecken schnürt einem die Kehle zu. Man spürt förmlich die verratenen, verzweifelten, leidenden Seelen, die hier noch immer herumirren.

Eckhaus - KGB Haus in Riga

Nach 1990 gab es Versuche das riesige Gebäude mitten in der Station als Polizeipräsidium zu verwenden. Unabhängig von einander berichteten mehrere Personen von unheimlichen, zu Tode ängstigende Nächte in diesen Gemäuern. Zu viele Seelen irren hier ruhelose herum. Eine derartig beklemmendes Gefühle hatte ich nicht einmal bei meinem Besuch in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau.

Im Keller des KGB Haus in Riga

Am Ende der Führung sieht man einige Minuten aus einem Film. Ohne viel Nachfragen, werden die angeschwärzten Personen einfach erschossen. Ein Gericht oder die Chance sich zu rechtfertigen gibt es nicht. In immer schneller werdender Abfolge hallen die Schüsse durch die Räumlichkeiten. In seinem Maschinenpistolenton erzählt der Guide schließlich, dass dies der Raum ist, in dem die Menschen erschossen wurden. Die vielen Einschusslöcher zeugen davon. Hinter der nächsten Wand – der Küche der Bediensteten – endet die Führung.

Deutlich sichtbar die Einschusslöcher im KGB Huas

Angesichts dieser räumlichen Nähe wirken Beteuerungen manch Angestellter sie hätten nicht gewusst was hier wirklich vor sich geht, wie ein Schlag ins Gesicht. Beim Verlassen des Gebäudes dauert es noch bis man wieder frei und vollständig atmen kann. Eine grauenvolle Aura umgibt das von außen so hübsch und harmlos wirkende Eckhaus.

Fazit

Von lustiger Freizeitunterhaltung bis hin zu geschichtlich bedeutenden und fantastisch aufgearbeiteten Museen hat Riga so einiges zu bieten. Egal ob als Pärchen, Ladies-, Männer oder gemischte Gruppe kommt man in Riga definitiv auf seine Kosten. Und wenn man einen Tag ganz relaxted am Strand ausspannen will, kann man das an der Ostsee in Jurmala ganz einfach tun.

Riga, du hast mein Herz gestohlen, wir werden uns defintiv wieder sehen!

Extra Tipp: Ich hatte den kleinen kompakten Riga Reisführer aus dem Dumont Verlag inklusive Stadtplan immer in meiner Tasche. Eine unbezahlte Werbung, die ich gerne weitere gebe, da der Reiseführer schlicht genial ist. Bereits beim Frühstück haben wir darin geschmöckert, um unseren restlichen Tag zu planen. Knackig und kompakt gibt er die wichtigsten Eckdaten der diversen Sehenswürdigkeiten wieder.

Let’s talk

Warst du schon einmal im Baltikum? Was hat dir am besten gefallen oder steht Riga noch auf deiner Bucket List? Erzähle mir gerne in den Kommentaren davon!

2 comments

  1. Ein sehr spannender Travelguide. Ich hatte Riga bisher gar nicht so wirklich auf dem Schirm, aber die Stadt sieht wirklich wunderschön aus und hat viele spannendes zu bieten. Ich bin ja auch so ein kleiner Geschichtsnerd, der ebenfalls auch gerne Museen besucht. Musste aber gerade bei den letzten beiden Sehenswürdigkeiten schlucken. Das ist echt nicht ohne, trotzdem würde ich mir das auch anschauen ,weil es einfach noch mal was anderes ist wenn man das alles mit eigenen Augen sieht, als wenn man darüber in einem Buch liest. Sowas darf sich einfach nie wieder wiederholen, deshalb ist es so wichtig, dass man diese grauenvollen Abschnitte der Geschichte nie vergisst, sondern unablässig daran erinnert.

    Lg Nicole
    #litnetzwerk

    1. Hallo Nicole!
      Ja, das Ghetto Museum und KGB-Haus sind nichts für schwache Nerven, aber auf jeden Fall absolut sehenswert. Museen müssen nicht immer unterhalten und Spaß machen. Ich sehe in Museen auch einen Bildungsauftrag. Natürlich haben auch Museen mit reinem Spaßfaktor wie beispielsweise Wachsfigurenkabinette ihre Berechtigung.
      Liebe Grüße
      Sabrina

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