Alma - Dagmar Fohl
5 Sterne Roman

Alma – Dagmar Fohl

Die Handlung

Aaron Stern muss 1939 seine Heimat Deutschland verlassen. Dabei muss er seine Tochter zurücklassen, um ihr eine bessere Überlebenschance zu geben. Es beginnt eine Odyssee. Niemand möchte mehr Flüchtlinge aus Deutschland aufnehmen? Als Schiffsflüchtling rettet ihm schließlich sein Cello das Leben und Aaron wird zum Lagermusiker bis er schließlich eines Tages wieder in Hamburg landet.

Meine Meinung

Mit „Alma“ schafft es Dagmar Fohl ein weiteres mal mich nach „Schneemusik“ restlos zu begeistern. So unterschiedlich die beiden Bücher sind, haben sie doch Fohls unglaublich intensiven Schreibstil gemein.

Während die Figur des Aaron Stern fiktiv ist, lehnt sich die Handlung an historische Ereignisse an. So hat die Schifffahrt auf der St. Louis im Jahre 1939 tatsächlich stattgefunden. 937 jüdische Passagiere sollten mit dem Schiff von Deutschland nach Kuba reisen und so den Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs entgehen. Doch es kam alles anders.

Alma - Dagmar Fohl

Die dargestellten Szenarien wirken derartig skurril, dass man meinen möchte die Autorin hätte sie sich ausgedachte. Wirft man dann einen jedoch einen Blick auf das Mittelmeer, stellt man erschreckende Parallelen fest. Lediglich mit dem Unterschied, dass die Zustände schlimmer sind als damals auf der St. Louis. Denn die Überfährt an sich glich in “Alma“ mehr einer Kreuzfahrt denn einer Flucht.

Dieses Gefühl mit Aaron Stern mitzuerleben wie er seine Heimat verliert und plötzlich keinen Platz mehr hat wo er hin kann. Auf unserer ganzen großen Erde gibt es keinen Platz wo er erwünscht ist.

Und schließlich die Lagermusik. Eine Institution, die für einige wenige zur Überlebenschance wurde. Dabei zeigt die Lagermusik wie schändlich und grausam Musik missbraucht werden kann. Jeden Tag von fröhlicher Marschmusik auf dem Weg zur und von der „Arbeit“ begleitet zu werden, kommt ein ganz eigenen perfiden Folter gleich.

„Viele Häftlinge hassten uns. Es war ihnen unerträglich, lustige deutsche Marschlieder zu hören, insbesondere am Abend, wenn sie zu Tode erschöpft zurückkehrten.“
Seite 113

„Alma“ geht unter die Haut. Ich habe die 220 Seiten in einem Zug gelesen. Es gibt schlicht keine Stelle, die zum Aufhören geeignet wäre. Im weiter trägt dieser kleine Funke der Hoffnung den Leser immer weiter durch die Geschichte. So schwer viele Seiten auch zu lesen waren, musste ich einfach wissen ob Aaron überlebte und was mit „Alma“ geschehen ist.

Besonders gut hat mir gefallen, dass auch das danach beschrieben wird. Was wurde aus den KZ-Häftlingen nach dem Ende des Kriegs. Wie lebten Sie weiter? Wo fühlten Sie sich sicher oder gar zu Hause?

Die Feinfühligkeit mit der Dagmar Fohl durch die Geschichte führt, ist beeindruckend. Bei so viel Grausamkeit, Schmerz und Leid schafft sie dennoch, dass man immer wieder weiterlesen möchte, auch wenn Tränen in den Augen dies erschweren.

Fazit

★★★★★

„Alma“ ist eines der besten Bücher rund um die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs. Intensiv, schmerzhaft und nachhaltig zeigt Dagmar Fohl an der fiktiven Figur Aaron Stern ein schreckliches Schicksal. Dabei spannt sie einen breiten Bogen von den ersten leisten Vorwehen und der Wegbereitung zum Nationalsozialismus bis hin zu den schrecklichen Tagen und der Suche des Lebens danach. Denn immer wieder stelle ich mir die Frage, wie kann man als Überlebender weiterleben? Wie kann man diese schreckliche Bilder verarbeiten/vergessen/bewältigen.

Der Gmeiner Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

Meine Rezension zu „Schneemusik“ von Dagmar Fohl

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