Das Verschwinden des Josef Mengele - Oliver Guez
4 Sterne Roman

Das Verschwinden des Josef Mengele – Oliver Guez

Der Inhalt

1949 flieht Josef Mengele, der Lagerarzt von Auschwitz, nach Argentinien. Dort findet er ein dichtes Netz an Unterstützern und trifft unter anderem auf SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann. Doch der Nazi-Jäger Simon Wiesenthal ist ihm auf der Spur und Mengele wird zum Gejagten.

Meine Meinung

Oliver Guez begibt sich auf die Spuren des Todesengel Josef Mengele. Diesen Menschen mit einem „Engel“ wenn auch einen Engel des Todes in Verbindung zu setzen, finde ich perfide. Es wirkt wie eine Verniedlichung seiner unsagbaren Verbrechen.

Viel wurde bereits über den Verbleib von Josef Mengele und vor allem sein Leben in Südamerika spekuliert. In den 60igern erhielt Mengele fast schon Kultstatus und die Jagd auf ihn wurde medienwirksam inszeniert.

Mit dem umfangreichen Wissen, dass wir nun haben, hat Oliver Guez die Südamerika-Jahre von Josef Mengele in einen spannenden Roman gepackt. Einzelne Szenen, die im Dunklen liegen und Details, um aus den Fakten einen runden, mitreißenden Roman zu manchen, hat der Autor mit literarischer Freiheit ausgeschmückt.

„Manche Schattenzonen werden vermutlich nie ganz ausgeleuchtet werden. Nur mit der Form de Romans konnte ich dem makabren Leben des Nazi-Arztes möglichst nahekommen.“
Oliver Guez im Nachwort von „Das Verschwinden des Josef Mengeles

Das Buch ist in der dritten Person geschrieben. Mengeles schreckliche Taten werden in dem Buch lange Zeit gar nicht wirklich angesprochen. Es gibt lediglich Andeutungen und es wird vom Leser ein gewisses Vorwissen erwartet. Dadurch nimmt man allerdings eine viel zu positive, freundschaftliche Beziehung zu Mengele ein. Der Leser ist mit Mengeles Schwierigkeiten sich in das fremde Land zu integrieren und Anschluss zu finden konfrontiert. Und plötzlich, als er beginnt sich einzuleben und wohlzufühlen, beginnt die Jagd.

Ich habe mit Mengele mitgefiebert. Wird ihm die Flucht gelingen? Wir der Polizei und dem Nazi-Jäger entwischen? Eine seltsam verquere und falsche Situation und ein schlicht unangenehmes Gefühl.

Das Verschwinden des Josef Mengele - Oliver Guez

Und plötzlich konfrontiert Oliver Guez den Leser mit einigen wenigen Beispielen  – der ganzen Brutalität und Grausamkeit. Angewidert wendet man die Augen ab und kann nur schwer weiterlesen. Hatte dieser Mensch jemals Skrupel oder gar ein schlechtes Gewissen?

Oliver Guez berichtet von Alpträumen die Mengele in seinen letzten Jahren heimgesucht haben. Offen bleibt ob es sich bei diesen Traumsequenzen lediglich um einen Versuch handelt, Josef Mengele, der in seinen späteren Lebensjahren immer unausstehlicher wurde, so etwas wie eine menschliche Komponenten zu verleihen oder ob tatsächlich derartige Alpträume überliefert sind.

Oliver Guez gibt dem Leser in „Das Verschwinden des Josef Mengele“ einen gut Abriss über die politischen Entwicklungen in Südamerika. Im Detail in Argentinien, Paraguay und Brasilien. Diese erfordern Aufmerksamkeit vom Leser vor allem, wenn man viele der Namen noch nicht kennt. Dennoch schafft er es die Geschicht und vor allem auch die politischen Interessen um  Nazi-Flüchtlinge aufzunehmen gut darzustellen.

Zusätzlich zu den vielen Politikern kommen die vielen Nazis, die in Südamerika Unterschlupf gefunden haben und sich regelmäßig treffen. Diese vielen Personen nicht durcheinander zu bringen war eine Herausforderung für mich. Vor allem da ich die Namen der großen Nazi- und SS-Persönlichkeiten nicht derartig verinnerlicht habe.

Fazit

★★★★

„Das Verschwinden des Josef Mengele“ bringt den Leser in eine unbequeme Position. Man fiebert mit Josef Mengele mit und drückt ihm fast schon die Daumen, dass ihm die Flucht gelingt und er endlich ein ruhiges Leben führen kann. Dabei fühlen sich derartige Empfindungen schlicht falsch an. Als Oliver Guez dann auch noch einige wenige, dafür umso grausamere Gräueltaten wiedergibt, fühlt man sich als Leser mit der zarten, entstehenden Sympathie für das Monster Mengele ertappt und schuldig.

Viele, viele Namen machen es nicht immer einfach der Geschichte zu folgen. Es steckt viel politisches und geschichtliches Wissen in dem Buch. Der Leser erhält einen guten Überblick über Argentinien, Paraguay und Brasilien nach dem Zweiten Weltkrieg.

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NetGalley und der Aufbau Verlag haben mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

3 Kommentare

  1. Liebe Sabrina,
    Ich habe ja gerade „Der Tätowierer von Auschwitz“ gelesen und da kam Josef Mengele natürlich auch vor. Bei jeder einzelnen Zeile über ihn ist mir beim Lesen ein Schauer über den Rücken gelaufen. Unvorstellbar, was diese Person (ich mag gar nicht „Mensch“ sagen, denn bei ihm sehe ich keine Menschlichkeit) anderen angetan hat. Deswegen kann ich mir gar nicht so richtig vorstellen, dass einen dieser Roman dazu bringen kann, mit ihm mitzufühlen.
    Das Buch interessiert mich sehr, denn das Thema der Entnazifizierung und der Nazi-Prozesse finde ich sehr spannend und ich weiß noch ziemlich wenig darüber. Es ist mir unbegreiflich, wie ein Mann wie Mengele nie für seine Taten zur Verantwortung gezogen werden konnte.
    Außerdem finde ich es spannend, in welche Lage der Autor uns Leser*innen anscheinend bringt, wenn man tatsächlich anfängt, mit Mengele mitzufiebern.
    Werde den Titel gleich mal auf meine Wunschliste setzen. Danke für den Tipp.
    Liebe Grüße, Julia

  2. Liebe Sabrina,
    dieses Buch steht ganz oben auf meiner Wunschliste. Finde den Aspekt des Perspektivwechsels spannend und bin schon gespannt es zu lesen!
    Liebe Grüße
    Isabel

    1. Hallo Isabel!

      Ja, es war ganz seltsam mit diesem Monster mitzufiebern. Als dann einige wenige seiner Verbrechen erzählt werden, musste ich damit kämpfen das Mittagessen bei mir zu behalten.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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