Der Stammhalt - Alexander Münninghoff
4 Sterne Roman

Der Stammhalter – Alexander Münninghoff

Die Handlung

In „Der Stammhalter – Roman einer Familie“ erzählt Andreas Münninghoff die Geschichte seiner Familie. Beginnend beim Großvater, der sich durch alle Wirren der Zeit immer gut geschlagen hat und eine Familiendynastie aufbaute. Ein Großvater der nur das Beste für ihn, Alexander, wollte und dabei selbst von einer Entführung nicht zurückschreckte.

Die Geschichte einer Familie, die den Krieg nutzte, um florierende Geschäfte abzuwickeln. Aber auch die Geschichte einer Familie, die sich langsam selbst zu Grund richtet und dabei doch immer nur das Beste füreinander will.

Meine Meinung

Bereits das Cover des Buch, das eine alte Fotografie von Alexander Münninghoff mit seinem Großvater zeigt, hat mich sehr angesprochen. Dass es dann noch perfekt zu meiner #WiderDasVergessen-Challenge passt und dabei mit Riga und Den Haag bzw. Lettland und der Niederlande zwei Länder aufgereift, die ich im Zuge der Challenge noch nicht bereist habe, machte das ganze nur noch spannender.

„Der Stammhalter“ ist ein schonungslos ehrliches Buch. Alexander Münninghoff beschönigt nichts, schafft es aber zeitgleich, nicht seine gesamte Familie zu beschuldigen. Es werden viele Lebensgeschichten erzählt und dabei entsteht, beinahe Verständnis warum die Protagonisten so gehandelt haben. Dies ist ein schmaler Grad und leider klingen viel zu viele Biografien wie ein Abrechnung mit der eigenen Familie. Alexander Münninghoff erzählt die Geschichte seiner Familie mit viel Respekt und zeigt die vielen Graustufen zwischen Schwarz und Weiß.

Man spürt förmlich wie Alexanders Vater Frans vom Großvater in die Enge getrieben wird. Fast scheinen seine Entscheidungen die einzige logische Konsequenz zu sein. Man möchte den Großvater anschreien, endlich etwas von seiner Liebe zur Familie zu zeigen, um so vielleicht das ein oder andere Schicksal in eine positivere Richtung zu bewegen. Denn immer nur das Beste für seine Familie zu wollen und echte Liebe und eine warmherzige Beziehung sind zwei gänzlich unterschiedliche Dinge.

Die geschäftlichen Machenschaften des Großvaters und die vielen dafür aufgebauten und genutzten Beziehungen sind sehr komplex. Es ist viel politisches und wirtschaftliches Geplänkel und Lobbying notwendig. Dieser Teil der Geschichte ist sehr schwer zu lesen, da beinahe in jedem Satz neue Namen auftauchen und abseits von der Hauptgeschichte viele, kurze Nebengeschichten erzählt werden.

Der Stammhalt - Alexander Münninghoff

Das Frans als Lette zur SS geht um an der russischen Front zu kämpfen, erscheint aus dem politischen Konflikt der Letten mit der Sowjetunion logisch. „Der Stammhalter“ zeigt hervorragend wie Fanatismus entsteht und wie Menschen mit unterschiedlichen sozialen Hintergrund für den Zweiten Weltkrieg begeistert werden konnten. Vor allem bei Jugendlichen bzw. orientierungslosen Menschen ohne stabile, liebevolle Familienbande war dies leicht.

So genoss Frans das Zusammengehörigkeitsgefühl, die klaren Strukturen und die zielgerichtete Vorgehensweise beim Militär. Vor allem da ihm familiär viel zu oft Dinge aufgedrängt wurden für die er kein Verständnis hatte. Mit dem Weitblick eines Erwachsenen wären diese Dinge für Frans vermutlich gut gewesen. Ohne Erklärung und voller jugendlicher Liebe und Leichtsinn hatte er schlicht kein Verständnis dafür.

„Worauf es mir ankam, war die Tatsache, dass unsere Armeen an der Ostgrenze schon den Russen gegenüberstanden und dass wir in absehbarer Zeit auch dahin kommen würden. Das stand längst fest, darüber wurde offen geredet. Wie unbeschreiblich aufregend diese Aussicht war!“
Seite 76

Die Erzählungen von Frans und seinen Einsätzen bei der Waffen SS sind sehr spannend und zeigen den Schrecken an der vordersten Front. Doch die Geschichte geht noch einen Schritt weiter und zeigt auch das Leben nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs. Die Schäden und hier vor allem den Unsichtbaren psychischen Schaden, die durch die schrecklichen verübten Taten im Zweiten Weltkrieg zurückgeblieben sind, offenbaren sich auf schmerzhafte Art und Weise.

Besonders gut haben mir die beiden letzten Teile der Geschichte gefallen. Diese sind sehr flüßig geschrieben und lesen sich wie ein spannender Roman oder Krimi.

Fazit

★★★★☆

In „Der Stammhalter – Roman einer Familie“ zeigt Alexander Münninghoff schonungslos ehrlich die Geschichte seiner eigenen Familie. Respektvoll schafft er es auch die Schandtaten nicht zu verschweigen. Beklemmend wie dieses Streben nach dem Besten für  jedes Familienmitglied letzten Endes zu Konflikten und zum Zerfall führt.

Let’s talk

Wahre Geschichten über den Zweiten Weltkrieg, die nichts beschönigen, aber auch nicht reißerisch brutalisieren – wie wichtig sind diese vielen individuellen Geschichten für uns junge Generation, die ganz ohne die Grauen eines Kriegs aufgewachsen ist?

3 Kommentare

  1. Liebe Sabrina,

    dein Eindruck vom Buch deckt sich vollends mit meinem. Meine Rezi habe ich noch nicht fertig. Dieses Buch war sehr spannend für mich! All die Intriegen und Machenschaften, unglaublich! Diese Kreise sind für uns „Normalos“ kaum zu begreifen.

    GlG, monerl

    1. Hallo Monerl!

      Kurz und knackig gut zusammengefasst. Denn wie es der Großvater immer wieder geschafft hat sich etwas neues aufzubauen und teilweise bei den unterschiedlichsten politischen Gruppierungen beliebt, akzeptiert oder zumindest geduldet zu werden, war oftmals schwer zu verstehen.

      Liebe Grüße
      Sabrina

      1. Ja, das war das Krasseste! Der Alte, wie er alles zusammenhielt und wie alles zerfiel, als er nicht mehr da war. Ein wahrer alter Patriarch!
        GlG, monerl

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