Sissis Rache in Olmütz
Reisen und Ausflüge

Sissis Rache in Olmütz

Das tschechische Olmütz (Olomouc) ist Sitz eines Erzbistum und mit der österreichischen Geschichte enge verbunden. Denn schon die Habsburger rund um Kaiserin Elisabeth, besser bekannt als Sissi, wussten die wunderschöne Stadt zu schätzen.

So wurde der kaiserliche Hof zu Zeiten der Wiener Revolution 1848 nach Olmütz verlegt. Der damalige Kaiser Ferdinand I war altersschwach und ihm wurde nahegelegt die Regierung abzugeben. Bedenkt man, dass Kaiser Franz Ferdinand I damals gerade mal 55 war, scheint dies im Hinblick auf unsere heutigen Staatsoberhäupter nahezu grotesk. Sein gerade mal 18-jähriger Neffe Franz Joseph I wurde daraufhin am 2. Dezember 1848 in der fürstbischöflichen Residenz in Ölmutz zum Kaiser gekrönt.

Dreifaltigkeitssäule am Horní náměstí in Olmütz

Eben jene fürstbischöfliche Residenz kann heute in Ölmutz besichtigt werden. Ich hatte das große Glück eine private Führung einer sehr netten Dame zu bekommen. Es wurde zwar ein Audioguide angeboten, doch sprach die Dame so gut Deutsch, dass ich den Audioguide dankend ablehnte und diese individuelle Führung sehr genoss.

Viele der Räumlichkeiten werden noch heute vom Bischof genutzt. Über die beeindruckende, imposante Treppe gelangt man in die Repräsentationsräume.

Der erste Raum ist für Bücherlieber, wie mich, dann auch bereits ein Highlight – die Bibliothek.

Olmütz - Bischöfliche Residenz - Bibliothek

Im großen Musiksaal gibt es wunderschöne Fresken an der Decke zu bewundern. Diese stellen die vier Jahreszeiten dar. Der Musiksaal im Barockstil lebt von der Symmetrie. So gibt es an beiden kurzen Seiten im Saal zwei Türen. Jedoch ist nur eine der Türen echt. Die andern sind lediglich Attrappen um den Raum durch die Symmetrie in Einklang zu bringen.

Olmütz - Bischöfliche Residenz - Symmetrischer Musiksaal

In der fürstbischöflichen Residenz wurde nicht nur Franz Joseph I gekrönt. Noch weitere wichtige historische Ereignisse spielten sich hier ab. Bereits im Jahre 1805 trafen sich hier Zar Alexander I und der österreichische Kaiser Franz um ihre Strategie für die Drei-Kaiser-Schlacht bzw. die Schlacht bei Austerlitz gegen Napoleon zu besprechen.

Olmütz, Tschechien - Bischöfliche Residenz

Bei einem Besuch im Olmütz bekam Kaiserin Elisabeth, bekannt als Sissi, die prachtvolle, goldverzierte Kutsche von Bischof Troyer zu Gesicht. Sissi war neidischeauf diese herrliche Kutsche und wollte sie dem Bischof abkaufen. Bischof Troyer wollte seine Kutsche aber nicht verkaufen. Sissis Rache ist auf jeden Fall als kreativ zu bezeichnen. Sie baute einfach ein Haus neben die fürstbischöfliche Residenz. Dadurch wurde die Straße jedoch so eng, dass der Bischof mit seiner Kutsche nicht mehr zum Eingang seiner Residenz vorfahren konnte und die letzten Meter zu Fuß laufen musste. Die Kutsche, die ausschlaggebend für Sissis Rache war, kann im Olmützer Erzdiözesanmuseum neben dem Wenzeldom bestaunt werden.

Stadtmauer von Olmütz (Tschechien)

Doch Olmütz hat noch so viel mehr zu bieten als die Residenz, die mir wahnsinnig gut gefallen hat. Die Stadt wird von einer wunderschönen Stadtmauer umgeben. Rund um die Stadtmauer findet sich ein Park, der zum Verweilen einlädt. Und auch die vielen Gassen sind wunderbar und es macht Spaß hindurchzuschlendern und Olmütz auf eigene Faust zu erkunden.

Am großen Oberen Platz (Horní náměstí) in Olmütz gibt es einiges zu Entdecken. Neben der Dreifaltigkeitssäule befinden sich drei Brunnen am Platz (Herkules-, Caesar- und Arionbrunnen).

Wer schon mal in Prag war, kennt vielleicht die astronomische Uhr am Rathaus. Auch am Olmützer Rathaus findet sich eine astronomische Uhr. Täglich 12:00 Uhr kommen die Marionetten, die Vertreter der Arbeiterklasse zeigen, in Bewegung. Gekrönt wird dieses Spektakel mit dem etwas seltsamen Krähen des goldenen Hahns.

Astronimische Uhr am Rathaus in Olmütz

Last but not least sei gesagt, dass man es sich Olmütz richtig gut gehen lassen kann. Kulinarisch wird einiges geboten. Für Bierliebhaber empfehle ich den Good Beer Club. Hier kann man in entspannter jazziger Atmosphäre ein Bier oder auch einen Tee genießen.

Good Beer Club in Olmütz (Tschechien)

Übernachtet habe ich im Hotel Trinity. Die Lage ist grandios. Nach circa 150 Meter zu Fuß steht man bereits direkt am Horní náměstí und kann das Sightseeing in vollen Zügen genießen. Neben einem leckeren Frühstück, das mir bei einem Städtetrip immer total wichtig ist, gibt es auch direkt vor dem Hotel einige (kostenpflichtige) Parkplätze.

Let’s talk

Ich liebe Tschechien, da es nirgends so eine herrliche Bierlandschaft gibt wie dort. Außerdem gibt es abseits von der in meinen Augen überbewerteten Hauptstadt Prag so viel zu entdecken. Vor allem die vielen Schlösser und bedeutenden geschichtlichen Schauplätze erforsche ich liebend gerne. Von welchen Ländern kannst du nicht genug bekommen und was siehst du dir besonders gerne an?

6 Kommentare

  1. Hallöchen,
    was für eine wunderschöne kleine Reise. Ich habe mir das gleich mal als Kurztrip-Tipp aufgeschrieben. Is ja ned gar so weit weg von mir *g*.
    Jaja, die Sissi war schon ein kleines Luder mit Sturkopf, aber gerade das ist ein Grund der sie mir so sympathisch macht.
    Vielen Dank für den tollen und überaus interessanten Bericht!
    Liebe Grüße aus Wien
    Conny

    1. Hallo Conny!

      Ja unsere liebe Sissi hat schon einige ganz lustige Sachen gemacht. Von Wien ausgehende würde sich das super als Kurztrip eignen. Da fallen mir auch einige weitere schöne Tschechische Städte ein wie Brünn oder Znojmo. Unser nördlicher Nachbar hat einfach so viele tolle Sache zu bieten.

      Liebe Grüße
      Sabrina

  2. Hallo Sabrina!
    Ein schöner Beitrag! Ich war bisher noch nie in Tschechien, aber jetzt möchte ich es umso mehr besuchen. Außerdem finde ich auch Schlossbesuche immer aufregend. Ich kann mir manchmal gar nicht richtig vorstellen, dass die Adeligen vor Hunderten von Jahren tatsächlich zwischen diesen Wänden gewohnt haben.

    Liebe Grüße, Pia

    1. Hallo Pia!

      Ja, wenn man vor dem Thron steht auf dem schon Kaiser Franz Joseph I gesessen hat oder vor dem Bett in dem Napoleon übernachtet hat, ist schon irgendwie ein tolles Gefühl. Ich stelle mir dann immer wie das Leben damals war und welche Gedanken die Menschen und Adeligen damals beschäftigt haben.

      Liebe Grüße
      Sabrina

  3. Das sind sehr beeindruckende Fotos.
    Ich kenne Glockenspiele, die täglich zur gleichen Zeit losgehen, aber das mit dem Hahn würde ich gerne mal hören :D

    1. Hallo Daggi!

      Ich glaube, wenn man nicht weiß, dass das am Ende der Hahn sein soll, kann es passieren, dass man ihn gar nicht wahrnimmt :D

      Liebe Grüße
      Sabrina

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