Das Erbe – Ellen Sandberg

Categories 4 Sterne, Thriller & KrimiPosted on
Das Erbe - Ellen Sandberg

In ihrem dritten Roman beschäftigt sich Ellen Sandberg mit der Judenverfolgung zur Zeit des Nationalsozialismus. Eine gut recherchierte, spannende Geschichte. Lediglich die Protagonisten sind etwas zu stark überzeichnet.

Die Handlung

Mona erbt überraschend das Haus ihrer Großtante in München-Schwabing und deren Vermögen. „Mona wird das Richtige tun“ war die Großtante überzeugt.  Doch was ist damit gemeint? Bald schon ist Mona einer Intrige auf der Spur, die weit in die Vergangenheit des Hauses zurückreicht.

Die junge Klara belauscht 1938 ein Gespräch ihres Vaters mit deren jüdischen Vermieter Jakob Roth. Das Gespräch dreht sich um die bevorstehende Auswanderung der Roths.

Das Erbe - Ellen Sandberg

Meine Meinung

Nach „Die Vergessenen“ und „Der Verrat“ ist „Das Erbe“ das dritte Buch von Ellen Sandberg. Wie schon bei „Die Vergessenen“ beschäftigt sich Sandberg auch in ihrem neuesten Buch wieder mit dem zweiten Weltkrieg.

1938 wird das Leben in München für Juden immer unerträglicher. Juden dürfen keine Geschäfte mehr führen und ihre Besitztümer werden stark eingeschränkt. In dieser Situation sehen sich viele Gezwungen zu einem absoluten Spottpreis zu verkaufen, bevor man ihnen alles wegnimmt. Diese Notlage wird oftmals schamlos ausgenutzt. Diese Ausgangslage bildet den ersten Erzählstrang.

Daneben gibt es zwei weitere, die beide im Spätsommer 2018 spielen. Mona erbt überraschend und hat plötzlich die Möglichkeit ein völlig neues Leben zu führen. Die Harz IV Empfängerin Sabine hingegen blickt neidisch auf all die Reichen, denen scheinbar alles zugeflogen kommt, während sie sich krumm und buckelig arbeiten muss. Wie diese drei Geschichten am Ende zusammenfinden sollen, war mir lange Zeit ein Rätsel.

Das Erbe - Ellen Sandberg

Auf 500 Seiten baut Ellen Sandberg geschickt eine spannende, stark verzweigte Geschichte auf. Konzentration ist gefragt, um allen Verbindungen folgen zu können. Da ich „Das Erbe“ in wenigen Tagen verschlungen habe, war das jedoch kein Problem. Der Schreibstil ist, wie gewohnt, mitreißend. Mit viel Einfühlungsvermögen transportiert Ellen Sandberg die Sehnsüchte, Wünsche und Ängste ihrer Protagonisten.

An gewissen Stellen ist es dann doch etwas zu viel des Guten. Gerade bei Mona kommen einfach zu viele Probleme, Intrigen und Herausforderungen zusammen. Aufgrund von Spoilergefahr werde ich auf diesen Punkt hier nicht näher eingehen. Die Charaktere sind zudem eine Spur zu überzeichnet und zu klischeehaft.

Am Ende des Buch findet man eine sehr übersichtliche Zeittafel zur Judenverfolgung im Nationalsozialismus. Erschreckend welche Verbote alle verhängt wurden. Vieles davon war mir nicht bewusst. So wie beispielsweise, dass es Juden ab 1942 verboten war Zeitschriften und Zeitungen zu beziehen.

Das Erbe - Ellen Sandberg

Fazit

★★★★☆

Mit „Das Erbe“ hat Ellen Sandberg einen weiteren spannenden Roman geschaffen. Die Erzählstränge in zwei unterschiedlichen Zeitebenen (1938 und 2018) gefallen mir sehr gut. Die Ängste und Sorgen der unterschiedlichen Protagonisten werden gut aufgezeigt und die Geschichte ist gut durchdacht.

Da mir die Protagonisten etwas zu überzeichnet und klischeehaft sind, muss ich letzten Endes leider einen Stern abziehen. Dennoch kann ich „Das Erbe“ von Ellen Sandberg für spannende Lesestunden weiterempfehlen.

Das Bloggerportal hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

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4 comments

  1. Liebe Sabrina,
    ich habe bereits „Die Vergessenen“ und „Der Verrat“ gelesen un habe auch schon „Das Erbe“ aus meiner Bücherei hier liegen. Ich bin schon gespannt…
    Und deinen roten Lesesessel finde ich klasse!
    Liebe Grüße
    Martina

  2. Hallo Sabrina,
    bei Ellen Sandberg bin ich ein bisschen hin und her gerissen. Ihre ersten beiden Bücher (unter diesem Pseudonym) haben mir gut gefallen, aber doch gab es immer einen Punkt, der mich gestört hat. Deshalb habe ich erst einmal abgewartet, bis die ich ersten Meinungen zu „Das Erbe“ erspähe. Und nun scheint es wieder so, dass ein einen kleinen Pferdefuß bei einer ansonsten tollen Geschichte gibt.
    Letzten Endes hat mich das Thema aber doch dazu veranlasst, das Buch auf meiner Leseliste zu lassen. Nach einer Pause habe ich das Thema #WiderDasVergessen wieder etwas mehr in den Vordergrund gestellt und mit „Deutsches Haus“ von Annette Hess ein tolles Buch dazu gelesen. Da passt „Das Erbe“ eigentlich prima dazu und ein „4-Sterne-Buch“ ist selbstverständlich auch gut genug zu für mich ;-)

    Ich wünsche einen schönen 3. Advent!
    LG Gabi

    1. Hallo Gabi!

      Ja, die Figuren sind mir etwas zu überzeichnet / klischeehaft. Dennoch ist „Das Erbe“ auf jeden Fall lesenswert.
      #WiderDasVergessen ist bei mir heuer ziemlich in Vergessenheit geraten. Leider! Doch nachdem ich 2018 so viel zu dem Thema gelesen habe, brauchte ich einfach mal ein Pause oder ein bisschen ein anderes Umfeld. 3 Bücher zu dem Thema sind es dennoch geworden, wenn ich mich recht erinnere.
      Heuer möchte ich, dazu passend, auf jeden Fall noch „Kanada“ von Juan Gómez Bárcena lesen.

      Liebe Grüße und schöne Weihnachten
      Sabrina

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