Bishapur - Tang-e Qandil
Reisen und Ausflüge

Über das Zagrosgebirge nach Shiarz – Iran – Tag 5

Heute liegen 660 km Fahrt von Ahwaz über das Zagrosgebirge nach Shiraz vor uns. Dazwischen ist ein Halt in der antiken Sassanidenstadt Bischapur geplant. Seit wir vor 4 Tagen in Teheran geladen sind, werden wir bis zum Abend bereits circa 1680 Kilometer innerhalb des Irans zurückgelegt haben.

Bis jetzt verbrachten wir in jeder Stadt lediglich eine Nacht und so wird es eine willkommene Erholungspause sein in Shiraz ganze 3 Nächte zu bleiben. Eindrücke haben wir bereits im Überfluss gesammelt. Doch zum Verarbeiten dieser wird uns auch in Shiraz noch keine Zeit bleiben. Dafür werden wir viel zu viele neue sammeln.

Persischer Salat im Iran

Auf der Fahrt machen wir bei einem Händler an der Straße Halt und kaufen persischen Salat. Dabei handelt es sich um ein dickes Bündel gemischter, frischer Kräuter. Diese zupft man beim Essen einfach ab und isst sie dazu oder wickelt sie in Fladenbrot ein, das zu jedem Essen gereicht wird.

Mittagessen in Nourabad

In der kleinen Stadt Nourabad halten wir für das Mittagessen. Der Persian Gulf ist ein richtiger Geheimtipp. Hier gibt es Fisch aus der eigenen Züchtung des Besitzers. Die Lachsforelle ist so groß, dass zwei Personen leicht davon genug bekommen. Ein Fisch ist sehr günstig und kostet 400.000 Real (~10€). In Teheran zahlt man für ein vergleichbares Essen circa 1.000.000 Real.

Nourabad - Fisch im Persian Gulf

Der Fisch ist entgrätet und reichlich mit einer Kräutermischung, Rosinen und Granatapfelkernen gefüllt. Außenrum gibt es eine dünne, frittierte Panade. Sehr, sehr lecker. Dazu essen wir Reis, unseren mitgebrachten persischen Salat und trinken ein Zitronen-Bier.

Antike Sassanidenstadt Bishapur

Der nächste Stopp sind bereits die Sassanidischen Ruinen in Bishapur. Die Königstraße von Susa nach Shiraz führte die Reisende bereits vor tausenden von Jahren auch an Bishapur vorbei. Mächtige Reliefs sollten die Reisenden hier beeindrucken und versetzen noch heute die Besucher in Staunen.

Die Reliefs liegen im Tang-e Qandil. Dies bedeutet so viel wie “Tal des Polos”. Das Tal hat seinen Namen, unschwer zu erraten, daher, dass früher hier häufig Polo gespielt wurde.

Bishapur - Tang-e Qandil - Reliefs - Iran

In Bishapur kann man ganz nahe an die Reliefs herangehen. Die mächtigen, gut erhaltenen Reliefs zeigen wie Schapur und Schapur II die Römer besiegten und die Araber ihnen Geschenke bringen. Über die exakte Bedeutung der dargestellten Szenen findet man unterschiedliche Auslegungen und Interpretationen.

Teilweise sind noch Reste von roter Farbe erkennbar. Außerdem sieht man, dass der Fluss früher wesentlich höher war. Dies erkennt man an einem Einschnitt bzw einer glatt gewaschenen Stelle im Relief. Heute gibt es einen Staudamm,so führt der Fluss weniger Wasser und die Reliefs sind zumindest vom Flusswasser geschützt.

Bishapur - Tang-e Qandil

Tempel der Anahita

Nach den Reliefs besichtigen wir die Stadt Bishapur auf der anderen Straßenseite. Das Highlight ist der sehr gut erhaltene, tiefer gelegene Anahita Tempel. Man sieht die Wasserbecken und Rinnen, die der Fluss früher mit Wasser gespeist hat. Dass der Tempel in die Erde gebaut wurde und man über eine Stiege hinuntergehen muss, hat bewirkt, dass das Wasser direkt durch den Tempel geflossen ist. Mit dem Staudamm gehört dies der Vergangenheit an.

Bischapur - Wasserbecken im Anahita Tempel - Iran

Dennoch merkt man, dass es hier unten deutlich kühler ist. In den Gängen haben es sich Fledermäuse gemütlich gemacht. Schattig und dunkel – so wie sie es lieben. Niedlich wie die kleinen Vampire von der Decke hängen. Man hat das Gefühl skeptisch gemustert zu werden.  Außer uns, den Fledermäusen und der ein oder anderen Eidechse ist hier niemand.

Wir nehmen am ehemaligen Wasserbecken im Schatten Platz und genießen die Ruhe in den historischen Mauern. Ein paar Minuten hängt jeder seinen Gedanken nach und genießt die Stille. Ein herrlicher Augenblick.

Pause im Anahita-Tempel in Bischapur - iran

Über das Zagrosgebirge nach Shiraz

Nach einer obligatorischen Teepause nehmen wir die restlichen 140 km nach Shiraz in Angriff.

Zagrosgebirge - Iran

Die lange Fahrt wird mit einer beeindruckenden Landschaft versüßt. Vor allem nach dem optisch trostlosen, wüstenähnlichen, aber erdölreichen Chuzestan ist das viele Grüne in den Bergen ein wahrer Augenschmaus. Auf der Fahrt liest uns unser Reiseleiter die Geschichte „Das Leben nach der Geburt“ von Henri Nouwen vor.

Willkommen in der Stadt der berühmten Weintraube

Obwohl Shiraz dem ein oder anderen vielleicht als Rotwein bekannt ist, herrscht natürlich auch hier gesetzliches Alkoholverbot. Die fantastische Shiraz-Traube hat hier ihren Ursprung. Sie wird nach wie vor in der Umgebung angebaut, aber auch schon sehr lange im Ausland. So findet man bei uns in den Regalen vielfach Shiraz-Rotwein aus Argentinien und Australien.

Auf unserer gesamten Reise werden wir kein Tröpfchen Alkohol sehen, geschweige den trinken. In ruhigen Stunden erzählen uns der Reiseleiter und unser Fahrer, dass sehr wohl hinter verschlossenen Türen Alkohol getrunken wird und auch die Geschichten vom Wein herstellen in der Badewanne nicht bei den Haaren herbeigezogen sind.

Tausend und eine Nacht

Wir checken für die kommenden 3 Nächte im Hotel Parse in Fußweite zum großen Vakil-Basar ein. Die Zimmer sind neu renoviert. Der Einrichtungsstil ist super kitschig und ein Traum aus Tausend und einer Nacht. Auch wenn ich meine eigenen vier Wände niemals derart einrichten würde, finde ich es für den Urlaub recht stimmig und genieße die Zeit in diesem Zimmer.

Shiraz - Hotel Parse

Im Hotel Parse haben wir für unseren Aufenthalt lediglich zwei Stunden kostenloses Internet inkludiert. Da dieses sowieso überhaupt nicht funktioniert, ist die Beschränkung nicht so schlimm. Egal, wir werden ohnehin nicht viel Zeit im Zimmer verbringen, wir wollen etwas sehen und erleben.

Ein kleiner Spaziergang durch die Stadt schließt den Tag ab. Auch hier wird pro Straße eine bestimmte Produktkategorie verkauft. Die erste Straße wird von einem aufdringlichen Essiggeruch eingenommen. Bei den diversen eingelegten Gemüsesorten handelt es sich um eine Spezialität aus Shiraz.

In der nächsten Straße sind wir in der Zelt- und Gartenstühlen-Straße angelangt. Schließlich kommen wir noch in die Bekleidungsstraße.

In der Nähe des Hotels finden wir schließlich einen kleinen Kiosk mit einem sehr freundlichen Besitzer und einer guten alkoholfreien Bierauswahl zu fairen Preisen. Zum Abschied heißt er uns freundlich in seinem Land willkommen und schüttel sogar mir die Hand. Dies ist insofern ungewöhnlich, da Männer Frauen nicht die Hand schütteln. Von dem streng gläubigen Iran konnte ich bis jetzt wenig entdecken. Viel mehr begegnen mir die Menschen offen und mit einer einzigartigen Freundlichkeit.

Meine Iran Rundreise

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2 Kommentare

  1. Liebe Sabrina,
    die Reliefs sind wirklich wunderschön und unglaublich beeindruckend. Ich könnte mir sowas auch stundenlang anschauen und in Gedanken versinken. All die Geschichte, die sich hinter ihnen versteckt …
    Ich bin nun schon sehr gespannt auf deine Berichte vom Shiraz, da ich eine Freundin habe, die aus der Stadt kommt :)
    Alles Liebe,
    Janika

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