Herrliches Susa und die wohl hässlichste Stadt der Welt - Iran - Tag 4
Reisen und Ausflüge

Herrliches Susa und die wohl hässlichste Stadt der Welt – Iran – Tag 4

Im sechsten Stock des Parsion Hotel in Kermanschah gibt es Frühstück mit Blick über die Stadt und das Stadion. Es gibt ein riesiges Buffet, das mehr einem Abendessen ähnelt. Ich genieße ein fantastisches mit Sesam bestreutes Brot.

Um 8 Uhr geht es los Richtung Khorramabad. Von Kermanschah nach Khorramabad sind es 185 Kilometer. Obwohl Khorramabad mit ca. 400.000 Einwohner eine relativ kleine Stadt ist, erleben wir hier dasselbe Verkehrschaos wie in den großen Städten.

Freundliche Nomaden

Vom Millionär zum Schuldner in wenigen Stunden

Bei der Falk-ol-Aflak Festung ist ein Eintritt von 425.000 Rial pro Person zu bezahlen. Iraner zahlen lediglich 50.000 Rial Eintritt. Einerseits eine Abzocke der Touristen, andererseits soll so den Einheimischen ebenfalls der Besuch kultureller Einrichtungen ermöglicht werden.

Meine gewechselten €50 sind bereits fast aufgebraucht. Mit den Euros in meiner Brieftasche und auch mit einer Kreditkarte kann ich hier nichts anfangen. Die Euros muss ich erst wieder in einer größeren Stadt mit mehr Touristenzulauf wechseln lassen. Europäische Kreditkarten funktionieren hier sowieso nicht.

Vor drei Tagen war ich also mit meinen 2.000.000 Rial (€50) noch stolze Millionärin und nun muss ich mir von einer Mitreisenden 300.000 Rial leihen. So schnell wie man im Iran Millionär wird, verschuldet man sich mit mehreren Hunderttausend Rials. Die hohen Summen sind Wahnsinn.

Falak-ol-Aflak - Khorrambad

Festung Falak-ol-Aflak in Khorramabad

Der Weg zur Festung ist sehr steil, aber nur kurz. Als Belohnung genießt man einen fantastischen Blick über die Stadt und darüber hinaus. Der Ursprung der Festung ist nicht ganz klar, wird aber meist auf die Sassaniden und den König Shapur im Dritten Jahrhundert vor Christus zurückgeführt.

Die Festung besteht aus zwei aufeinanderfolgenden Höfen. Die Höfe sind von insgesamt 8 Türmen umgeben. Entstanden ist dies durch diverse Zubauten in unterschiedlichen Perioden.

Die Räume in den Mauern des zweiten Hofes beherbergen ein ethnologisches Museum über das Leben der Nomaden. Mit vielen Fotografien und Darstellungen mit Puppen erhält man einen guten Einblick in das Nomadenleben. Zusätzlich werden diverse Kunstschätze, die in Höhlen in der Umgebung gefunden wurden, ausgestellt. Faszinierend wie fein Silber, Bronze und Co. bereits vor mehreren tausenden Jahren verarbeitet wurden.

Bronze, Silber und Co in Khorramabad

Auch hier zeigt sich die Freundlichkeit der Iraner wieder. Ein älterer Iraner spricht uns in recht gutem Englisch an, heißt uns in seinem Land willkommen und begleitet uns tratschend durch das Museum.

Iranische Bauweise

Bevor es zurück in den Bus geht werfen wir einen Blick vom Dach der Festung über Khorammbad. Die Bauweise ist hier ganz anders als in den Städten zuvor. Niedrige aus Sandstein gebaute Häuser. Die Dächer sind mit einer Art Alufolie bedeckt. Diese soll in den kalten Wintermonaten isolieren und im Sommer die Sonnenstrahlen reflektieren und so vor der Hitze schützen.

Blick von Falak-ol-Aflak über Khorrambad

Auf dem Weg nach Susa fahren wir durch mehre Tunnels. Ampeln, Belüftungen oder gar Notausgänge gibt es hier nicht. Lediglich eine spärliche Beleuchtung steht zur Verfügung. Die vielen ausgefallenen Lampen stören niemanden und auch das Aufdrehen der Autoscheinwerfer wird nicht als erforderlich ungesehen.

Fantastisches Mittagessen

Nach 222 km sind wir von Khorramabad in Susa angelangt. Knackige 45 Grad erwarten uns.

Zuerst gehen wir in einen kleinen Falafel Imbiss, der sogar klimatisiert ist. Falafel und Bier bzw. alkoholfreies Malzgetränk gibt es hier um 50.000 Rial (circa 1,25€).  Ein super leckeres Schnäppchen.
Dieser tolle Imbiss findet sich direkt gegenüber vom Eingang zu der Ausgrabungsstätte.

Falafel in Susa

Die Stadt wirkt wie ausgestorben. In der Mittagshitze sind beinahe alle Geschäfte geschlossen. Wir trotzen der Hitze und starten das Sightseeing.

Bevor wir die Ausgrabungsstätte Susa besuchen werfen wir einen raschen Blick auf das Daniel Mausoleum. Da wir uns das Überwerfen eines Tschadors bei diesen Temperaturen sparen wollen, werfen wir lediglich einen Blick durch das Eingangstor. Mausoleen und Moscheen werden wir im Laufe der Reise noch genügend von Innen sehen und wir haben heute noch viel vor.

Daniel Mausoleum in Susa

Antike Stadt Susa

In der Ausgrabungsstätte besuchen wir zuerst das Museum. Begeistert berichtet eine Mitreisende Archäologin was wir hier alles sehen. Die diversen Fundstücke der Proto-Elamier (3200 – 2700 v. Chr.) bis hin zur Neu-elamischen Periode  (800 – 640 v. Chr.) ist genau ihre Zeit. Es macht Spaß ihr zuzuhören und sie steckt mit ihrer Begeisterung an. Faszinierend auf welche Details sie unsere Blicke lenkt.

Unter der sengenden Hitze der Sonne machen wir uns auf zum Apadana. Apadana ist eine altpersische Bezeichnung für einen Palast. Ein Apadana ist ein freistehendes Gebäude mit einem Säulensaal oder Thronsaal und einem oder mehren Vorhallen. Apadanas dienen zu Repräsentationszwecken. Mit dem Palast von Darius I. befindet sich in Susa eines der ältesten Apadanas.

Ein tiefes Loch im Innenhof zeigt Grabungen der Franzosen um circa 1897. Nach dem man lokalisiert hatte wo sich der Innenhof befand, wählte man diese Stelle für eine tiefe Grabung, da man sicher sein konnte, dass hier keine Mauern zerstört werden. Mit den gefundenen bzw. ausgegrabenen Steinen haben die Franzosen eine Festung gebaut, die man neben der Grabungsstätte deutlich sieht.

Französische Ausgrabungsloch mit französischer Festung dahinter

Die Franzosen haben mit den Iranern eine Schätzeteilung ausgemacht. Die archäologischen Funde wurden dabei auf zwei gleiche Haufen aufgeteilt. Dabei war diese Aufteilung nicht immer fair und die Franzosen legten die wertvolleren Fundstücke lieber auf ihre Haufen. Viele dieser Funde kann man heute im Louvre bewundern. So unfair, dieses Vorgehen vielleicht war, ist es für die wertvollen Fundstücke vermutlich nicht immer das schlechteste, da die Sicherheits- und auch Erhaltungsmaßnahmen im Louvre nicht mit denen im kleinen Museum in Susa oder im Nationalmuseum in Teheran vergleichbar sind.

Vom Palast von Darius I. sind nur vereinzelte Ansätze zu sehen. Dennoch kann man sich gut vorstellen wie gigantisch und riesig die Anlage war. Unvorstellbar wie etwas derartiges mit den damaligen Werkzeugen erschaffen werden konnte.

Auf die Lehmbauten in Susa wurde insgesamt 15 Mal erneut aufgebaut. Davon zeugen Lochgrabungen, die diese 15 verschiedenen Schichten freilegen. Das Areal von Susa, der Hauptstadt der Elamiter, ist in etwa einen Hektar groß. Nur ein Bruchteil wurde bis jetzt untersucht bzw ausgegraben. Für die Grabungen sind enorme Investitionen notwendig. Vom fehlenden Geld zeugen auch ausgegrabene Säulenteile, die darauf warten zusammengesetzt zu werden.

Unterschiedlich Schichten der Ausgrabungen in Susa

Auf dem Weg in die wohl hässlichste Stadt der Welt

Von Susa fahren wir noch 95 Kilometer in die hässlichste Stadt der Welt. Ich liebe den Iran und habe im großen und ganzen nur positive Erfahrungen dort gemacht. Dennoch kann ich über Ahwaz nichts positives erzählen.

Auf dem Weg nach Ahwaz fahren wir weiter durch die ölreiche Provinz Chuzestan. Abseits der Straße sieht man Türme aus denen Flammen empor schießen. Es wird Erdgas verbrannt. Dies kommt in Verbindung mit Erdöl vor und wird bei der Ölförderung verbrannt. Das Erdgas ist von minderwertiger Qualität und die Technik noch nicht fortgeschritten genug um dieses Gas zu verwerten. Deshalb wird direkt an Ort und Stelle verbrannt.

Verbrennen von Erdgas bei der Ölförderung in Chuzestan

Wir beziehen unser Zimmer beziehungsweise Apartment im Hotel Oxin in Ahwaz. Das Apartment hat lediglich ein Alibi-Fenster, das in einen etwa 2 x 1 Meter großen Lichtschacht führt in dem sich die Hitze staut. Obwohl das Zimmer ganz hübsch ist, fühlt es sich dadurch etwas wie ein Gefängnis an.

Es ist unglaublich heiß und stickig in Ahwaz. Auch in der Nacht werden die Temperaturen nicht unter 40 Grad fallen und so läuft die sehr laute Klimaanlage die ganze Nacht durch. Zusätzlich zu diesem Geräusch wirft der Lichtschalter direkt über den Kopfteil des Bett ein blaues Leuchten nach unten, das signalisiert, dass das Licht abgedreht ist.

Leckeres Ghormeh Sabzi

Im Keller wird Abendessen serviert. Es gibt Ghormeh Sabzi, ein iranisches Nationalgericht, dass es in unterschiedlichsten Variationen gibt und das ich seit der Reise auch zu Hause gerne koche. Bei Ghormeh Sabzi handelt es sich um Kräuter mit Bohnen und mit oder ohne unterschiedlichen Fleischsorten. Dazu wird Reis gereicht. Nach Chuzestan und Ahwaz kommen viele koreanische Arbeitskräfte, die neben uns paar Touristen die Gäste des Hotels sind.

Eine Säule in der Elam Hauptstadt Susa
Fun Fact: Gerade in Chuzestan wurde ich oftmals wegen meinem Outfit belächelt. Derartige Hosen, wie ich sie auf dem Bild trage sieht man sehr häufig bei iranischen, männlichen Nomaden.

Schrecklicher Spaziergang

Nach den gut 490 Kilometer die wir heute insgesamt mit dem Bus zurückgelegt haben, möchten wir uns nach dem Essen noch etwas die Füße vertreten. Die Gegend vor dem Hotel ist extrem hässlich. Es ist unglaublich heißt. Dazu bläst ein heißer Wind der Sand und Schmutz durch die Luft und in meine Augen wirbelt.

Wir kommen bei einem Türengeschäft und einem Geschäft mit dem spannenden Sortiment WC, Armaturen, Backofen und Herd vorbei. Außerdem gibt es einige Eisdielen. Es ist so heiß, dass sich die Menschen rasch ihr Eis holen und es dann im klimatisierten Auto essen. Die laufenden Motoren tragen weiter dazu bei, dass mir diese Stadt einfach unsympathisch ist.

Aber gut es ist ja nur für eine Nacht und morgen geht es bereits weiter in das vielversprechende Shiarz. Auch wenn ich Ahwaz nie wieder besuchen möchte, war es eine interessante Erfahrung. Mit Susa und Khorramabad habe ich auch heute wieder vieles beeindruckendes gesehen.

Kulturelle Eigenheiten

Last but not least habe ich noch ein paar wichtige Informationen im Umgang mit Iranern für dich, die Missverständnissen vorbeugen könenn.

Möchte man im Iran seinem Gegenüber mit einem Kopfnicken ein „Ja“ oder „Nein“ zu verstehen geben, ist Vorsicht geboten. Denn das Kopfnicken funktioniert anders als bei uns in Österreich, Deutschland und Co. Den Kopf nach oben bewegen bedeutet „Nein“. Eine Bewegung nach unten bedeutet „Ja“.

Eine weitere Besonderheit der Iraner ist Taarof.  Dabei handelt es sich um eine besondere Art der Höflichkeit. Wird man beispielsweise von einer iranischen Familie zum Essen eingeladen, geziemt es sich nicht sofort ja zu sagen. Erst nach mehrmaligen nachfragen (circa 3 mal) gibt man nach und nimmt die Einladung schließlich an. Dies gilt neben Einladungen zu Familien nach Hause auch im Restaurant wenn jemand die Rechnung übernehmen möchte. Iranische Höflichkeit gebietet es, dass man mehrmals ablehnt aber auch mehrmals nachfragt. Ein Spielchen, das mitunter recht lange dauern kann.

Meine Iran Rundreise

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